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Prozessbeginn am Landgericht : Frauen betäubt und vergewaltigt – 39-Jähriger vor Gericht

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ein Mann aus Bröthen soll insgesamt vier Frauen mit K.-o.-Tropfen bewusstlos gemacht haben, um sie dann zum Geschlechtsverkehr zu zwingen. Eines der Opfer kommt aus dem Kreis Pinneberg.

shz.de von
erstellt am 01.Mär.2016 | 13:30 Uhr

Itzehoe | Am Landgericht Itzehoe hat gestern der Prozess gegen Björn B. aus Bröthen (Herzogtum Lauenburg) begonnen. Die Staatsanwaltschaft legt dem 39-Jährigen zur Last, mehrfach Frauen mit Gamma-Hydroxybuttersäure, sogenannten K.-o.-Tropfen, in einen komatösen Schlaf versetzt zu haben, um dann mit ihnen Geschlechtsverkehr zu haben. Zu einem Fall sagte Staatsanwältin Maxi Wantzen: „Dabei nahm der Angeklagte billigend in Kauf, dass die Frau hätte sterben können.“ Ihre Anklage lautet unter anderem: versuchter Mord.

Bei den K.-o.-Tropfen, die der Angeklagte verwendet haben soll, handelt es sich um Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB). In der Medizin wird GHB etwa als Narkotikum bei Geburten, bei Narkolepsie und bei Parkinson verwendet. Bei geringer Dosierung wirkt GHB berauschend und kann ein Glücksgefühl hervorrufen, weshalb es auch als Partydroge benutzt wird. Ist die Dosierung stärker, führt GHB zu einem schläfrigen bis narkotischen Zustand. Bei einer Überdosierung droht der Tod. Bis 2002 konnte GHB in Deutschland legal von jedem erworben werden.

Wantzen legt dem Angeklagten mehrere Taten zur Last. Die erste soll sich im Mai 2013 in Stralsund ereignet haben, wo B. gemeinsam mit seinem mutmaßlichen Opfer Urlaub gemacht haben soll. Im Laufe des dreitägigen Aufenthalts soll er der Frau K.o.-Tropfen unters Bier gemischt haben. Dies hatte laut Staatsanwaltschaft zur Folge, dass die Frau in einen komatösen Schlaf fiel. B. soll sie daraufhin vergewaltigt haben. Unter dem Einfluss der K.-o.-Tropfen habe die Frau nicht mitbekommen, wie B. ohne Kondom in sie eingedrungen sei. B. soll sich während der Tat jedoch gefilmt haben. Einer anderen Frau soll der 39-Jährige im April 2014 K.-o.-Tropfen in den Prosecco gemischt haben. Ähnlich wie bei dem Fall in Stralsund habe B. mit der wehrlosen Frau Geschlechtsverkehr gehabt, sagte Wantzen.

Der Angeklagte Björn B. (Mitte) wurde gestern von zwei Justizbeamten ins Landgericht gebracht.
Der Angeklagte Björn B. (Mitte) wurde gestern von zwei Justizbeamten ins Landgericht gebracht. Foto: Voigt

Einige Tage später habe B. noch einmal versucht, diese Frau mit K.-o.-Tropfen wehrlos zu machen. „Die Zeugin trank aber nur einen Schluck, weil das Getränk bitter schmeckte“, sagte Wantzen. Im März 2014 soll B. eine Frau aus Klein Offenseth-Sparrieshoop (Kreis Pinneberg)  vergewaltigt haben. Diese hat laut Wantzen während der Tat so sehr unter Alkoholeinfluss gestanden, dass sie nicht mitbekommen hat, wie der Angeklagte sie im Haus seiner Eltern in Hamburg aufs Bett gelegt und ausgezogen hat, um dann – ohne dass sie bei vollem Bewusstsein gewesen war – mit ihr Geschlechtsverkehr zu haben.

Etwa ein Jahr später, im März 2015, soll die Klein Offenseth-Sparrieshooperin gemeinsam mit einer anderen Frau erneut Opfer des Angeklagten geworden sein – diesmal in ihrer eigenen Wohnung. Auch in diesem Fall soll der Angeklagte den Frauen K.-o.-Tropfen in die Getränke gemischt haben. Als beide durch die Wirkung widerstandslos waren, soll der Angeklagte sie aufs Bett gelegt haben. Dort habe er zunächst die Frau aus Klein Offenseht-Sparrieshoop ausgezogen und sei in sie eingedrungen. Im Anschluss habe er begonnen, die andere Frau auszuziehen. Doch diese sei dabei aufgewacht, habe die Flucht ergriffen und Hilfe gerufen. Die Klein Offenseth-Sparrieshooperin sei in ein Krankenhaus gebracht worden.

Die vier mutmaßlichen Opfer treten während des Prozesses als Nebenkläger auf. Sie waren zu Prozessbeginn jedoch nicht im Gericht, sondern ließen sich durch Anwälte vertreten.

Einer der Nebenkläger-Anwälte forderte gestern bereits vor der Anklage-Verlesung, die Öffentlichkeit auszuschließen. Diesen Antrag wies Richterin Isabel Hildebrandt zurück. Das öffentliche Interesse überwiege, sagte sie. Nach der Anklageverlesung kündigten B.s Verteidiger an, dass dieser sich zu den Vorwürfen äußern wolle. Auch sie beantragten den Ausschluss der Öffentlichkeit, da B.s Liebes- und Sexualleben Teil seiner Stellungnahme sein sollte. Diesem Antrag gab das Gericht statt, die Öffentlichkeit musste den Saal verlassen. Der Prozess dauert voraussichtlich bis Ende April.

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