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Bau der A 20 : Franzosen versprechen freie Fahrt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ein Leuchtstreif am Horizont? Das Licht am Ende des Tunnels? Mit Interesse ist im Kreis Pinneberg das Angebot eines französichen Unternehmens aufgenommen worden, die Bundesautobahn 20 weiterbauen zu wollen – einschließlich einer neuen Elbquerung westlich von Hamburg.

shz.de von
erstellt am 22.Aug.2013 | 19:18 Uhr

Der französische Baukonzern Vinci hat angeboten, die A 20 zwischen Bad Segeberg und Bremerhaven in öffentlich-privater Partnerschaft (ÖPP) innerhalb von fünf Jahren fertigzustellen. Von den bislang geplanten Kosten in Höhe von zwei Millarden Euro soll der Bund die Hälfte übernehmen. Vinci möchte sich im Gegenzug für einen Zeitraum von 50 Jahren einen Großteil der auf der Trasse anfallenden Lkw-Maut sichern. Die Fahrt durch den etwa 6,5 Kilometer langen neuen Elbtunnel zwischen Glückstadt und Drochtersen soll für die Nutzer extra Kosten. Nach derzeitigem Stand zwei Euro pro Pkw und zwölf Euro für Lkw.

„Alles, was dafür sorgt, die A 20 schnell fertigzustellen, ist zu begrüßen“, sagte der Kreis Pinneberger Landrat Oliver Stolz im Gespräch mit dieser Zeitung. Er kenne zwar die Rahmendaten des Angebots nicht, erwarte aber, dass das Angebot ernsthaft geprüft werde. Zumal es derzeit ja unwahrscheinlich scheine, dass das Land Schleswig-Holstein und der Bund das Projekt zügig umsetzten.

Stolz betonte, dass der Bau der A 20 nur mit einer weiteren Elbquerung Sinn mache. Die für die Durchfahrt geplante Maut müsse aber realistisch sein. Dies sieht er bei den derzeit ins Gespräch gebrachten Kosten von zwei beziehungsweise zwölf Euro. Die Summe scheine in Ordnung zu sein, zumal die Zeitersparnis und der geringere Spritverbrauch gegenüber einer Fahrt durch Hamburg gegengerechnet werde müsse.

Sympathie für den Vorstoß von Vinci – das Unternehmen betreibt mehr als die Hälfte des französischen Autobahnnetzes – kann auch Lutz Bitomsky, Vorsitzender des Unternehmensverbands Unterelbe-Westküste, nicht verhehlen. Die Wirtschaft und Schleswig-Holstein bräuchten die sogenannte Küstenautobahn dringend. „Wir brauchen die große Umgehung um Hamburg. Einen derartigen Ring haben alle großen Weltstädte“, betonte Bitomsky. Speditionen berichteten, dass sie auf Grund des dichten Verkehrs auf den Autobahnen 7 und 23 jeden Tag eine Stunde verlören. Die Folge: Unternehmen wanderten ab und siedelten südlich der Elbe an. „Man muss doch nur mal nach Maschen und Stelle schauen, was sich dort entwickelt“, so der Unternehmensverbandschef. Es gäbe zudem beispielsweise in Elmshorn Firmen, die überlegten, im Bereich Stade Lagerflächen zu mieten oder zu errichten, um in der Nacht die Produkte dorthin zu transportieren und dann am nächsten Tag weiter zu versenden.

Die A20, so Bitomsky, schaffe dringend benötigte Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein: „Es gibt keinen Autobahnknotenpunkt, an dem sich kein Gewerbe angesiedelt hat.“

Auch für den Tourismus an der Westküste sei die neue Autobahn wichtig. Die schlechte Verkehrsanbindung führe dazu, dass Urlauber eher an die Ostsee in Schleswig-Holstein reisten oder gar nach Mecklenburg-Vorpommern weiterführen.

Bitomsky ist allerdings Realpolitiker. Derzeit sieht er keine Möglichkeit, dass das Angebot der Franzosen eine Chance hat. „Während die SPD sich deutlich zur A 20 bekennt, lehnen die Grünen die Autobahn ebenso kategorisch ab“, betonte er. Vor 2017, dem Ende der aktuellen Legislaturperiode, werde es keine Bewegung geben.

„Das von Vinci unterbreitete Angebot birgt auf den ersten Blick die Chance, dass ein für den Norden wichtiges Verkehrsprojekt, bei dem seit Jahren Stillstand herrscht, in absehbarer Zeit realisiert wird“, sagte Ulrich Klaus Becker, Vorsitzender des ADAC Schleswig-Holstein. Die A 20 mitsamt westlicher Elbquerung müsse endlich fertiggestellt werden. Und zwar schnell, da der Zustand der A7 und deren geplanter Ausbau in den kommenden zwei Jahrzehnten zu vielen Baustellen und Staus führen werde. „Dann ist es gut, wenn die Autofahrer eine Ausweichstrecke haben“, so Becker.

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