Forum nimmt sich Molière vor

Geldgier, Erbschleicherei und Liebeshandel: Ein Hypochonder ist ein leichtes Opfer für jede Art von Intrige.
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Geldgier, Erbschleicherei und Liebeshandel: Ein Hypochonder ist ein leichtes Opfer für jede Art von Intrige.

Theaterverein Am Sonnabend, 8. Oktober, feiert die Komödie „Der eingebildete Kranke“ in der Ernst-Paasch-Halle Premiere

shz.de von
01. Oktober 2016, 16:00 Uhr

Molières letzte Komödie „Der eingebildete Kranke“ sei unter den vielen Stücken des französischen Dramatikers so etwas wie das „Best of“, erklärt Regisseur Björn Oberhössel und schwärmt: „Alle großen Gefühle, die man kennt, sind in diesem großartigen Stück enthalten.“ Auf den Spielplan des Forum-Theaters kam der Klassiker allerdings durch jemanden anders. Brigitte Ehrich, verantwortlich fürs Einkleiden der Schauspieler, wollte mal wieder so ein richtig schönes Kostümstück. Und hat es von der Vollversammlung des Theatervereins, die alle Stücke demokratisch auswählt, bewilligt bekommen.

Eine gute Entscheidung für das gesamte Team, denn nicht nur Kostümbildnerin und Regisseur sind von Molières berühmter Komödie begeistert. Auch das elfköpfige Ensemble fühlt sich in Faltenkleidern, Kniebundhosen und samtenem Morgenmantel sowie zu fortgeschrittener Probenzeit sichtlich wohl. Am Sonnabend, 8. Oktober, ist in der Ernst-Paasch-Halle, Lindenstraße 10, Premiere.

Oberhössel belässt das Spiel um den Hypochonder Argan also in der historischen Zeit des 17. Jahrhunderts, nutzt aber eine „etwas modernere Übersetzung“ von Ulrich Zettler. „Das funktioniert auch heute noch eins zu eins“, betont er die Zeitlosigkeit der Konflikte. Wenn Argon keinerlei Zweifel gegenüber seinen Ärzten kennt, sieht der Regisseur darin durchaus Parallelen zu heute. Molières Halbgötter in Schwarz sind unsere Halbgötter in Weiß. Das bringt nicht nur komische Situationen hervor, sondern eröffnet auch einem Reigen um Intrigen, Geldgier und dem Durchsetzen eigener Interessen einzelner Figuren Tür und Tor.

Zur Rollenfindung hat der Regisseur mit allen Schauspielern fiktive Lebensläufe entwickelt. „Wenn ich weiß, warum ich etwas sage, kann ich es besser rüberbringen“, erklärt er. Der Kranke ist Oberhössels Inszenierungsdebüt im Forum. Dass er von Haus aus Historiker und Literaturwissenschaftler ist, habe ihm beim „Lesen zwischen den Zeilen“ geholfen, erläutert er und lacht. Eine Herausforderung sei, dass viele Darsteller Charaktere verkörperten, die sie noch nie gespielt hätten. Wer vorher freundliche Figuren zeigte, muss diesmal bissig und eiskalt sein. Zudem mussten Spieler für ihre erste abendfüllende Rolle ins Ensemble eingebunden werden.

„Aber es wird rund und funktioniert“, sagt Oberhössel zufrieden. Probiert wird das Stück bereits im kompletten Durchlauf. Er habe beim Casten viel Glück gehabt, freut sich der Regisseur. Dass zwei Generationen mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen für den Kranken auf der Bühne stehen, findet er an diesem besonderen Projekt besonders schön.  


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