Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit : Forderungen der Gewerkschaften im Kreis Pinneberg

Die ersten Warnstreiks der IG Metall im Kreis haben begonnen.
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Die ersten Warnstreiks der IG Metall im Kreis haben begonnen.

Fünf Arbeitnehmervertretungen kämpfen im Norden für die Belange ihrer Mitglieder. Gehaltserhöhungen stehen im Fokus.

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17. Januar 2018, 10:00 Uhr

Elmshorn | Außer familiengerechten Arbeitszeiten und einem deutlich höheren Plus von sechs Prozent mehr Geld kämpfen die Gewerkschaften der Metall -, und Elektroindustrie in diesem Jahr auch für individuelle Möglichkeiten einer zeitweisen Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden.

Besonders die Forderung der familiengerechten Arbeitszeit innerhalb der Metall- und Elektroindustrie hat hohes Konfliktpotenzial, da sich die Arbeitgeberseite dem Dialog hierüber bisher komplett verweigert und die dritte Verhandlungsrunde bisher ergebnislos verlief. Stein des Anstoßes ist vor allem die Forderung , dass „wer in Schicht oder anderen belastenden Tätigkeiten arbeitet, Kinder betreut oder Angehörige pflegt, soll zudem einen Zuschuss bekommen, um sich die kürzeren Arbeitszeiten leisten zu können“, erklärt Kai Trulsson, Geschäftsführer der IG Metall Unterelbe. Aber auch die Auszubildenden und Dual-Studierenden müssen dringend entlastet werden. So fordert die IG Metall eine bezahlte Freistellung vor Prüfungen. Regelungen zum Personalausgleich und für Umkleidezeiten, die Angleichung der Schichtzuschläge und eine Verhandlungsverpflichtung für einen Prozess zur Angleichung der Tarifverträge im Osten sind 2018 dringend erforderlich.

Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert in diesem Jahr zwischen fünf und sechs Prozent höhere Löhne und Gehälter. Die Forderungsempfehlung gilt für alle Branchen, in der Lebensmittelindustrie, im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie im Lebensmittelhandwerk. In und um Elmshorn wird die NGG-Geschäftsführerin Silke Kettner gemeinsam mit den Betriebsräten für einen besseren Haustarifvertrag bei der Firma Asmussen kämpfen.

IG Bergbau, Chemie, Energie

Bei der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie (IG BCE) sind die Erarbeitungen der Tarifforderungen mitten im Gange. So entscheidet sich Mitte April in welcher Höhe die Gewerkschaft ihre Forderung für die Hauptbranche Chemische Industrie aufstellt. Die Tarifrunden der Kautschukindustrie starten zeitversetzt im Juni. Die IG BCE ist im gesamten Bundesland Schleswig-Holstein unterwegs. So wird sie unter anderem auch zum 31. März den Tarifvertrag der Firma Bruss in Hoisdorf und zum 31. Juli den Tarifvertrag der Firma Lichtenheld (Pharmaindustrie) in Wahlstedt neu verhandeln.

Verdi: Große Tarifrunde bei Post und Behörden

Bei der vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) geht es in diesem Jahr hoch her. So steht die große Tarifrunde im öffentlichen Dienst (Gemeinden und Bund) und die bei der Deutschen Post an, zwei großen Arbeitgebern in Deutschland. Verdi stellt seine genauen Forderungen zum 8. Februar für den öffentlichen Dienst auf. Bis dahin haben die Verdi–Mitglieder die Möglichkeit, in den Verwaltungen und Betrieben ihre Forderungen und deren Durchsetzungsmöglichkeiten zu diskutieren. Auch in den Kreisen Pinneberg und Steinburg sind die Diskussionen voll im Gange. Als Orientierung wird ein Gesamtforderungsvolumen von sechs Prozent mit sozialen Komponenten, Erhöhung der Ausbildungsvergütung, Zusatzurlaubstagen für Wechselschicht- und Schichtarbeit und sonstigen Sozialleistungen diskutiert.

Die Forderungen für die Auseinandersetzung bei der Deutschen Post sind klar: sechs Prozent mehr Lohn oder freie Zeit. Konkret heißt das: Die 130 000 Beschäftigten bundesweit bei der Deutschen Post sollen nach erfolgreichem Abschluss eines neuen Tarifvertrages die Wahlmöglichkeiten haben, einen Teil der Entgelterhöhung in freie Zeit umzuwandeln. Auch soll für die Beamten die Postzulage – eine postspezifische Sonderzulage – fortgeschrieben werden. Der Tarifvertrag ist zum 31. Januar gekündigt.

Verdi: Große Tarifrunde bei Post und Behörden


Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verfolgt in den Tarifverhandlungen der Privatbahnen das Ziel, auch dort flächendeckend das Wahlmodell einzuführen, nach dem die Beschäftigten zwischen Tariferhöhung oder Urlaub oder Arbeitszeitreduzierung wählen können. In einzelnen Unternehmen ist das bereits geschehen. Bei der DB AG steht ab Oktober eine neue Tarifrunde an, die Forderungen werden durch die Tarifkommission vor Ablauf der Tarifverträge beschlossen werden.

„Unsere Gewerkschaften nehmen ihre Verantwortung zur Gestaltung gesellschaftlicher Veränderungen ernst“, meint Juliane Hoffmann, DGB-Regionsgeschäftsführerin Schleswig-Holstein Südost. So nehmen die Gewerkschaften auch außerhalb der Betriebs-, und Tarifarbeit die Gestaltung der Gesellschaft in die Hand.

Mitbestimmung bei der Kommunalwahl

Am 6. Mai finden in Schleswig-Holstein bekanntlich die Kommunalwahlen statt. „Demokratische Mitbestimmung, ob im Betrieb oder im Gemeinderat, ist ein Recht, für das wir als Gewerkschaften immer energisch kämpfen werden“, sagt Juliane Hoffmann überzeugt. „Auf kommunaler Ebene werden zudem Entscheidungen getroffen, die uns ganz direkt betreffen. Daher wollen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sehr wohl Einfluss auf die Zusammensetzung der kommunalen Parlamente nehmen“, fordert Hoffmann weiter.

„Als Deutscher Gewerkschaftsbund sind wir zwar überparteilich, aber nicht neutral! Wir sagen „Nein“ zu Parteien, die gewerkschaftliche Errungenschaften sowie die Werte unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft infrage stellen“, bezieht die Geschäftsführerin klar Stellung.

Durch erneut gestiegene Mitgliederzahlen sieht sich die IG Metall im Bezirk Küste für die laufende Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie gestärkt. Die Zahl ihrer Mitglieder in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Bremen und dem nordwestlichen Niedersachsen erhöhte sich 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 600 auf 181300, wie die Gewerkschaft gestern mitteilte. Es sei das vierte Jahr in Folge mit einer positiven Mitgliederentwicklung im Bezirk gewesen. Neben dem absoluten Spitzenwert liege auch die Zahl von fast 11000 neu aufgenommenen Mitgliedern auf Rekordniveau. „Das gibt uns Rückenwind für die laufende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie“, sagte Bezirksleiter Meinhard Geiken. 
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