Forderung: Krötentunnel in Eggerstedt

Gefährdet: Kröten brauchen zehn Minuten und länger, um eine Straße zu überqueren – außerdem wandern sie in der Dämmerung und nachts, wenn Autofahrer sie schlecht erkennen.
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Gefährdet: Kröten brauchen zehn Minuten und länger, um eine Straße zu überqueren – außerdem wandern sie in der Dämmerung und nachts, wenn Autofahrer sie schlecht erkennen.

Mehr als 100 Amphibien bereits tot gefahren

shz.de von
19. Mai 2018, 16:00 Uhr

Diesen Vorfrühling wird Christa Baermann nicht so schnell vergessen: Sie hat das massenhafte Krötensterben auf dem neu gebauten Eggerstedter Weg in Pinneberg hautnah miterlebt und dokumentiert. Innerhalb weniger Tage wurden mehr als 100 der Amphibien platt gefahren. Und das, obwohl der Straßenabschnitt kaum benutzt wird. Denn noch ist wegen andauernder Bauarbeiten die Durchfahrt zur Parkstadt Eggerstedt nicht möglich. „Bei normalem Autoverkehr wären noch viel mehr Kröten überfahren worden“, sagt Baermann, die im benachbarten Hasenmoor einen Schrebergarten bewirtschaftet.

Das Problem ist klar ersichtlich: Wenn die ersten schönen Tage den Frühling ankündigen, beginnen die Kröten in der Dämmerung mit ihrer Wanderung von der nördlichen Wiese über den Eggerstedter Weg zum gegenüberliegenden Regenrückhaltebecken, um dort zu laichen. Das haben sie schon immer so gemacht. Nur dass ihr instinktives Vorgehen durch den im vergangenen Sommer neu gebauten Straßenabschnitt jetzt zur Todesfalle wird.

Damit wollte sich die pensionierte Biologielehrerin nicht abfinden und sprach beim Fachdienst für Stadt- und Landschaftsplanung der Pinneberger Verwaltung vor: „Ich habe auf das Problem aufmerksam gemacht, aber es gab keinerlei Bereitschaft, aktiv zu werden. Es gipfelte vielmehr darin, dass mir mitgeteilt wurde, die Wiese würde ja sowieso bebaut. Obwohl sie doch vor vier Jahren im Flächennutzungsplan explizit als Grünfläche ausgewiesen wurde.“ Eine Fehlinformation, wie sich im Nachhinein herausstellt. Maren Uschkurat, Sprecherin der Stadt Pinneberg stellt klar: „Derzeit gibt es keine Planung für eine Bebauung.“

Damit ist aber das vorauszusehende Krötensterben im kommenden Jahr nicht behoben. Baermann: „Ich werde mich für einen Krötentunnel und einen dazugehörigen Krötenzaun einsetzen.“ Die 66-Jährige fragt sich, warum diese Aspekte nicht vorab in die Planung integriert wurden: „Da wäre der Bau eines Tunnels sehr viel kostengünstiger gewesen.“ Nach ihrer Auffassung sei es ein echter Fehler, dass Pinneberg auf einen Umweltbeauftragten verzichte.

Die Verwaltung erkennt aber keine Notwendigkeit. Uschkurat: „Wir beabsichtigen nicht, solch eine Stelle zu schaffen. Die betreffenden Aufgaben werden bereits vom Fachbereich 3 wahrgenommen.“ Dieser Fachbereich befasst sich unter anderem mit der Bauverwaltung, der Stadt- und Landschaftsplanung, dem Straßenbau, mit Grünflächen und der Umwelt. Für Baermann kollidieren dort unterschiedliche Interessen miteinander: „Da macht man doch den Bock zum Gärtner“, meint sie. „Ein unabhängiger Umweltbeauftragter würde die Interessen der Natur vertreten – unabhängig vom Bauamt.“

Auch ein zukünftiger Krötentunnel unter dem Eggerstedter Weg kommt für die Verwaltung nicht in Betracht: „Es gibt bisher keine Planung“, erklärt Uschkurat. Außerdem sei beim Ausbau der Straße von der Unteren Naturschutzbehörde ein Krötentunnel weder gefordert noch angeregt worden.

Baermann jedenfalls will sich weiter für die Kröten stark machen: „Ich würde mich auch für andere Tiere einsetzen. Als Biologielehrerin lernt man, den Menschen die Ehrfurcht vor der Natur beizubringen. Wir leben nicht allein auf diesem Planeten.“ Sie würde sich über Unterstützung freuen. Informationen unter Telefon: (01 75) 5 19 93 90.

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