Interview mit Thies Sponholz : Fontenay-Geschäftsführer: „Sofort ist nicht schnell genug“

Das Wort Stress gibt es nicht im persönlichen Wortschatz von Thies Sponholz.

Das Wort Stress gibt es nicht im persönlichen Wortschatz von Thies Sponholz.

Der Hoteldirektor des neuen Luxushotels The Fontenay, über 100 Tage, die Weltstadt Hamburg und höchste Gäste-Ansprüche.

shz.de von
07. Juli 2018, 10:00 Uhr

Herr Sponholz, Sie waren von 2006 bis 2016 Hoteldirektor im Hotel of Rome in Berlin. Warum sollte es jetzt das Fontenay in Hamburg sein?

Thies Sponholz: Nach zehn Jahren konnte ich mir eine neue Herausforderung vorstellen. Und das Angebot aus Hamburg war verlockend, zumal Hamburg schon immer meine Lieblingsstadt war. Und die Aussicht, ein Hotel neu mit aufzubauen und es zu eröffnen, ist für jeden Hoteldirektor etwas Besonderes.

Sie waren von 2015 an bis zum 19. März diesen Jahres der wahrscheinlich einzige Hoteldirektor in Deutschland ohne Haus – weil sich die Eröffnung wegen baulicher Schwierigkeiten immer wieder verzögerte. Was haben Sie in der Zeit gemacht?

Ich war Baudirektor, Planer, Projektleiter, Prellbock, Puffer, Ideengeber oder Vermittler. Man macht alles, was mit Bauen zu tun hat, muss aber parallel dazu auch das Hotel entwickeln. Mir war in den drei Jahren an keinem einzigen Tag langweilig und mir macht heute keiner mehr was vor, wenn es ums Bauen geht. Insofern empfinde ich diese Zeit als Bereicherung. Natürlich sehnt man an einigen Tagen die Eröffnung des Hotels herbei, aber die Freude ist mir in den drei Jahren nie abhanden gekommen.

Es heißt, Herr Kühne und seine Frau Christine hätten das Fontenay bis ins kleinste Detail selbst geplant. Wie viel Nerven kostet es, wenn der Eigentümer selbst so mitmischt?

Wenn man sich auf ein privat geführtes Unternehmen einlässt,  weiß man, dass der Eigentümer nicht nur ein Mitspracherecht hat, sondern es auch einfordert. Und ich wusste, dass Herr Kühne ein sehr präsenter und interessierter Mensch ist. Aber ich habe die Zusammenarbeit mit ihm immer als konstruktiv empfunden.

Immer?

Ja. Natürlich war es manchmal eine herausfordernde Zeit, wenn man etwa intensiv über die Auswahl eines Glases philosophiert. Vieles bleibt unabhängig von Stil und einer Ausstattungslinie eben doch auch Geschmacksache.

The Fontenay will das beste Hotel Deutschlands sein. Wie wollen Sie das erreichen?

Für ein Hotel dieser Klasse muss es das Ziel sein, zu den Besten zu gehören. Ob wir das beste Hotel sind oder werden, können am Ende nur unsere Gäste beurteilen. Erreichen können wir das nur, wenn wir die Wünsche und Erwartungen unserer Gäste übererfüllen. Ich bin davon überzeugt, dass am Ende des Tages nicht die perfekte Dusche oder die Größe des Zimmers darüber entscheiden, sondern der Mensch, unsere Mitarbeiter. Besondere Aufmerksamkeit, authentische Freundlichkeit und ein sehr guter Service bleiben in Erinnerung, wenn man Spitzenleistung bieten will.

Behaupten das nicht auch viele Wettbewerber im Bereich der Luxushotellerie von sich?

Wir wollen einfach besser sein als andere. Und darüber hinaus haben wir viel Einzigartigkeit und Superlative zu bieten: Welches Hotel mit Innenstadtlage hat denn 14.000 Quadratmeter Grünfläche? Welches hat 147 Jahre alte Platanen, die der Namensgeber Fontenay gepflanzt hat? Grundsätzlich aber denke ich nicht gern in Superlativen. Ich möchte einfach, dass unsere Gäste zufrieden sind.

Eine Übernachtung kostet im Deluxe-Superior-Zimmer ab 355 Euro inklusive Frühstück, was für Hamburg sportlich ist. Braucht die Elbmetropole ein solches Haus?

Definitv. Hamburg ist die am besten gebuchte Stadt Deutschlands mit einer Auslastung von rund 80 Prozent in den Hotels. Es geht also allen gut. Wir sind das jüngste Luxushotel in der Stadt und haben so die Chance, neue Gästegruppen in die Hansestadt bringen. Wir wollen Hamburg internationaler machen.

An welche Gäste aus welchen Länder denken Sie?

Vor allem an die USA, Südamerika und Asien. Wir wollen uns und Hamburg für das transatlantische Publikum auch als so genannte Kopplungs-Destination mit Stockholm Berlin, Kopenhagen oder Amsterdam anbieten. Zwar ist Hamburg bei den Touristen bekannt für seine Musicals und für den Hafen, doch da geht mehr. Wir wollen der Hotel-Destination Hamburg ein neues Image mit den Schwerpunkten Kunst, Kultur und Lifestyle geben.

Das bietet bei uns u.a. die Hauptstadt. Was unterscheidet die Hotelmärkte Berlin und Hamburg?

Eindeutig die Internationalität. Während Berlin eine Weltmetropole ist, profiliert sich Hamburg vorwiegend als Weltstadt des Handels und ist darin auch stärker als Berlin. Aber Berlin ist eben kosmopolitisch, multikulturell, größer und weltoffener. Es gibt fast keinen Tag, an dem die Straße des 17. Juni nicht für einen Botschafter oder eine internationale Delegation gesperrt wird. Wenn in Hamburg jeden Tag der Jungfernstieg gesperrt würde, gäbe es wohl Proteste.

Was für Wünsche haben Ihre 5-Sterne-Plus-Gäste?

Wir besorgen einzigartige Cremes oder Karten für die Mailänder Scala oder auch sehr kurzfristig für die Elbphilharmonie bei ausverkauften Vorstellungen. Wir mussten auch schon einen Privatjet organisieren oder haben an einem Sonntag ein ganz bestimmtes Halstuch von einem ganz bestimmten Label gekauft.

Wie gelingt das?

Unser Haus hat ein exzellentes internationales Netzwerk und einen hervorragenden Concierge, der aus Hamburg kommt und sich bestens auskennt.

Hat sich das Gästeverhalten im Laufe der Jahre verändert?

Vor allem die Mobilität, denn die Welt ist für jeden erreichbar geworden. Heute kann jeder für erschwingliches Geld nach Los Angeles oder Myanmar fliegen. Das macht es schwieriger, Gäste zufrieden zu stellen. Exklusivität ist häufig nur noch in Superlativen zu haben, denn die Gäste sind extrem anspruchsvoll und ungeduldig geworden. Sofort ist nicht schnell genug und dem müssen auch wir uns stellen. Die Herausforderungen heute sind deutlich andere und jede für sich häufig extremer als vor 20 Jahren. Früher waren die Menschen eher zufriedener und vielleicht auch leichter zufrieden zu stellen. Doch diese individuellen Ansprüche zufrieden zu stellen, macht doch genau den Spaß an unserem Hotelleben mit Gästen aus.

Kennt ein Luxus-Hoteldirektor überhaupt Stress?

Das Wort gibt es nicht in meinem persönlichen Wortschatz. Meine Aufgabe ist es, immer die Ruhe zu bewahren, um mit meinem Team immer die besten Lösungen bei Herausforderungen zu finden. Von meinem Naturell her werde ich immer ruhiger, je kritischer eine Situation sich entwickelt.

Was hat Sie eigentlich in die Hotellerie verschlagen?

In den Skiferien mit meinen Eltern war ich von einem Oberkellner fasziniert. Er hieß Walter, fuhr Sportwagen, war immer da und hat uns Kinder verwöhnt. Aus meiner Sicht hatte er ein cooles Leben. Mich lockte also früh die Hotellerie und ich hatte immer das klare Ziel, Hoteldirektor zu werden. Ich hatte einen Masterplan und den habe ich verfolgt.

Im Klischee trinken Luxushotel-Chefs immer Champagner. Was ist für Sie Genuss?

Genuss ist für mich, in dieser Umgebung arbeiten zu dürfen. Ich esse gerne und kann sehr gut einfach nur bei mir sein. Wenn ich eine Stunde auf die Alster gucken kann, ist das für mich Luxus und Erholung zugleich. Ich brauche immer möglichst Urlaub für die Augen: Abwechslung und neue Anregungen. Dazu gehört für mich, dass ich in die Ferne gucken kann. Ich mag die Weite. Und als junger Vater ist für mich der größte Genuss, Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

Sie kommen aus Husum. Was verbindet Sie mit Ihrer Heimatstadt?

Mein Elternhaus, meine Mutter lebt dort; meine Schwester in Flensburg. Je länger ich weg bin, desto mehr weiß ich zu schätzen, wie schön dieser kleine Ort ist. Meine Frau und ich lieben Nordfriesland und Schleswig-Holstein und können uns durchaus vorstellen, dort im Alter zu leben.

Erdet Sie Ihre nordfriesische Herkunft?

Gerade als junger Mensch in der Hotellerie braucht muss man in der Welt der Reichen und Schönen einen starken Charakter haben, um nicht auch all das haben zu wollen, was einen umgibt. Meine bodenständige Kindheit in Nordfriesland hat mir da sehr geholfen.

Wie schalten Sie von Ihrem Beruf ab?

Wenn ich das Hotel verlasse, bleiben die Dinge hinter mir. Ich kann gut loslassen und abschalten, wenn ich nicht arbeite.

Ist es eigentlich Pflicht, HSV-Fan zu sein, wenn der Eigentümer Kühne heißt?

Natürlich nicht. Ich bin es aber dennoch seit meiner Kindheit, schließlich habe ich schon als Junge in HSV-Bettwäsche geschlafen.

Satzanfänge

Mein Lieblingsplatz in Hamburg . . . ist an der Alster.

Campingurlaub bedeutet . . . loslassen und frei sein.

Meine Stärken . . . sind Ruhe, Gelassenheit, Zuhören können.

Meine Schwäche . . . ist der Hang zur Perfektion.

Gut verzichten könnte ich . . . auf das Handy und das Internet. Immer erreichbar zu sein, ist für mich ein Graus.

Wütend macht mich . . . Nachlässigkeit.

Ein Hoteldirektor muss die Gabe haben . . . zuhören zu können und schnell zu entscheiden.

Familie . . . bedeutet mir alles.

Meine Labradorhündin Ruby . . . ist wie unser zweites Kind.

Höchste Freude empfinde ich . . . wenn ich mit meiner Familie zusammen sein kann.

Der gebürtige Husumer Thies Sponholz (49) startete seine Laufbahn mit einer Ausbildung zum Restaurantfachmann im Landhaus Carstens in Timmendorfer Strand. Im Anschluss folgten Stationen im Hotel Suvretta House in St. Moritz und im Hotel Negresco in Nizza, später bei Sheraton in den USA. Nach seiner Rückkehr in die Heimat, übernahm Thies Sponholz seine erste Stelle als Direktor im Badischen Hof in Baden-Baden. 2006 kam er als General Manager ins Rocco Forte Hotel de Rome. Am 1. Januar 2015 übernahm er die Position des  Direktors im The Fontenay. Sponholz lebt mit seiner Frau Clarissa und seinem Sohn Cilian (2) in Hamburg-Pöseldorf.
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