Ziel: Artenvielfalt : Förderung für Landwirte, wenn sie Blumen für die Insekten säen

Frederik Früchtenicht (v. l.), Nils Höer und Rainer Henning haben ihr Insektenhotel im Blühstreifen am Acker aufgestellt.
Frederik Früchtenicht (v. l.), Nils Höer und Rainer Henning haben ihr Insektenhotel im Blühstreifen am Acker aufgestellt.

Offiziell sind im Kreis Pinneberg 200 Hektar Blühstreifen gemeldet. Die landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt im Kreis 34.000 Hektar.

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15. August 2017, 14:00 Uhr

Kreis Pinneberg | „Ich war baff, als ich das gesehen habe.“ Erstaunt hat den Landwirt Harm Johannsen die üppige Fauna auf einem vergleichsweise winzigen Teil seiner Ackerfläche. Von einem vier Hektar großen Maisfeld hat er 0,6 Hektar für eine Bienenweide reserviert. Im April, parallel zur Mais-Aussaat, hat er die vorgeschriebene Blumenmischung ausgesät – und seit einigen Wochen ist es bunt auf seinem Acker. Phacelia, Sonnenblumen, Dill und viele andere blühen und helfen dabei, das Nahrungsloch zu stopfen, das Bienen nach der Rapsblüte droht.

Für seine 6000 Quadratmeter Blühstreifen bekommt Harm Johannsen 450 Euro Unterstützung pro Jahr. Damit fördert die schleswig-holsteinische Landesregierung das Anlegen solcher Bienenweiden. „Das ist nicht genug“, findet Georg Kleinwort. Der Vorsitzende des Pinneberger Kreisbauernverbands ist auf Johannsens Maisacker nach Tornesch gekommen, um zu betonen, dass die Landwirte sich für Artenvielfalt einsetzen. Kleinwort zeigt in die Runde: „Hier sind rundum Knicks, die von Landwirten gepflegt werden, das trägt auch zur Artenvielfalt bei.“

Aber natürlich steht Kleinwort dort als Lobbyist: „Die Landwirte sind bereit, aber die Gesellschaft muss ihren Anteil leisten“, sprich: den Bauern Geld geben. „Ausgleichsmaßnahmen hierher umschichten“, schlägt Kleinwort vor: „Der Kreis kann da jonglieren.“ Damit meint der Bauernfunktionär die Ausgleichszahlungen, die bei Baumaßnahmen fällig werden, um den Eingriff in die Natur zu kompensieren.

Offiziell sind im Kreis Pinneberg 200 Hektar Blühstreifen gemeldet, erläutert Peer Jensen-Nissen, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands. Die landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt im Kreis 34.000 Hektar. Jensen-Nissen schätzt allerdings, dass in Wirklichkeit doppelt so viele Blühstreifen angelegt sind wie offiziell bekannt. Denn der offizielle Weg ist anspruchsvoll mit Antrag, Genehmigung und exakter Zeichnung des Weges, den bei der Ernte der Maishäcksler durch die Blumen nehmen soll. Der staatliche Zuschuss decke dann die Kosten für Saatgut und Arbeit mit der Bienenweide; auf Pachtland reiche das dann schon nicht mehr. Da müsse der Landwirt Ertrag erwirtschaften, erklärt Johannsen. Kleinere Flächen als die Landwirte begrünt Rainer Lutz in Tornesch. Er arbeitet dort im Umweltamt und darf in diesem Jahr 10.000 Euro für Bienenweiden ausgeben, die im Neubaugebiet Tornesch am See und im Gewerbegebiet angelegt wurden. Lutz ruft auch Bürger zum Mitmachen auf: „Den Umweltschutzpreis 2017 schreiben wir für bienenfreundliche Gärten und Blühwiesen aus.“

Die Idee mit der Bienenweide gefällt Johannsen offenbar: „Ich gehe davon aus, dass ich nächstes Jahr wieder einen Blühstreifen anlege.“ Er überlegt schon, ob der dann wieder L-förmig am Rand des Maisackers verlaufen soll oder als Streifen mittendurch.

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