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Pinneberger Tageblatt

19. August 2017 | 19:20 Uhr

Flucht und Vertreibung

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Rellingen: Günter Rasinski und Geschwister legen Familienchronik vor / 77 Seiten Notizen des Vaters als Grundlage

Er kannte Dietrich Bonhoeffer (1906-1945), den populären Theologen und Aktiven im deutschen Widerstand. Auch Kontakte mit der Widerstandsgruppe um die Familie von Kleist sorgten dafür, dass Ewald Rasinski (1903-1983) sich, seine Frau Ilse (1897-1971) und seine vier Kinder während der NS-Zeit in große Gefahr brachte. Rasinski – geboren im pommerschen Kolberg, Apotheker im Nachbarort Belgard – ist der Vater von Günter Rasinski, Mitbegründer des Rellinger Maifestivals von 1986. Gemeinsam mit seinen drei Geschwistern legte Rasinski nun eine bewegende Familiengeschichte vor.

Das 255 Seiten starke, reich illustrierte Werk „Maikäfer Flieg. Flucht und Vertreibung der Familie Rasinski aus Hinterpommern 1945“ ist vorerst im Selbstverlag erschienen. „Als Vermächtnis reichen wir die Erinnerungen unserer Eltern als Zeitzeugen an unsere nächste Generation weiter“, heißt es dazu auf Seite 254.

Für Günter Rasinski und seine Geschwister Jürgen, Renate und Klaus war es eine Herzensangelegenheit, aus den 1977 auf 77 Seiten getippten Erinnerungen ihres Vaters – der Kunst- und Musikfreund, Poet, Fotograf und Historiker – dieses voluminöse Zeitzeugen-Werk in drei Jahren zu produzieren.

Es dürfte für Günter Rasinski auch ein Herauferinnern von selbst Erlebtem gewesen sein. An seine Kindheit in großbürgerlicher Atmosphäre, an die Begegnung mit Adolf Hitler während dessen Besuchs in Kolberg, an tragische Momente wie der Untergang der „Wilhelm Gustloff“ – „Die Leichen habe ich am Strand von Kolberg gesehen“ – am 30.      Januar 1945 mit mehr als 9000 Menschen an Bord.

Es ist für Günter Rasinski auch ein Erinnern an die aufreibende Flucht gen Westen im letzten Lazarettzug. „Ich lag tagelang auf zwei toten Lanzern. Da war es warm“, erinnert sich Rasinski. Der 1935 Geborene sieht und fühlt Parallelen zur Flucht von Millionen in der Gegenwart. „Maikäfer flieg“ – das ist eine „Must have“-Lektüre. Schon allein aus diesem Grund sollte es bei der limitierten Ausgabe im Selbstverlag nicht bleiben.

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erstellt am 19.Mär.2016 | 16:00 Uhr

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