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Pinneberger Tageblatt

21. Oktober 2017 | 13:04 Uhr

Flower-Power und ein Playmobil-Luther

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Portrait Solveig Nebl ist jung, unheimlich lebenslustig und seit gut einem Jahr Pastorin in der Gemeinde Quickborn-Heide/ Ihre Energie macht sich dort bemerkbar

Nicht nur aktive Mitglieder der Gemeinde Quickborn-Heide werden den frischen, fröhlichen Wind bemerkt haben, der seit dem vergangenen Jahr spürbar durch die Lornsenstraße weht. Es fallen der farbenfrohe Schaukasten an der Straße und immer öfter viele geparkte Autos vor der Kirche auf. Häufig sind abends die Fenster in den Gemeinderäumen lange erleuchtet und darin viele Menschen zu sehen. Die Grünfläche vor der Kirche wirkt gepflegter und irgendwie lebendiger. Das alles hängt mit der jungen Frau zusammen, gerade Anfang 30, die samt Freund und Hund Mailo das Pfarrhaus bezogen hat: Pastorin Solveig Nebl ist seit Februar 2016 im Amt.

Das Leben in einer quirligen Gemeinde wurde ihr in die Wiege gelegt. In Hamburg-Wilhelmsburg wuchs Nebl als zweitjüngstes unter sechs Geschwistern auf. „Ich war das fünfte Kind“, sagt sie lachend und spielt damit auf den Roman von Doris Lessing an, in dem sich das fünfte Kind als entartetes Horrorkind entpuppt. „Durch die große Familie habe ich gelernt, in einer Gemeinde zu leben“, sagt sie. „Auch mein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn kommt daher“, vermutet die Pastorin: „Zum einen mussten wir als Großfamilie oft gegen Vorurteile kämpfen, zum anderen war es eine Herausforderung, dass es zu Hause gerecht zugeht“.

Nebls Vater war Schuhmacher, die Mutter Erzieherin, später Hausfrau und Mutter. Die Familie war zwar christlich, aber es handelte sich um einen weniger reflektierten „selbstverständlichen, bürgerlichen Grundglauben, über den man nicht sprach und der im Alltag kaum in Erscheinung trat“, erinnert sie sich. Nebl hatte nicht vor, Pastorin zu werden – sie entdeckte mit 13 die Leidenschaft zu Pferden und war auf dem Reiterhof zu Hause. Nach einem Schulwechsel kam sie eher zufällig auf eine evangelische Schule und fühlte sich zu einem sozialen Beruf hingezogen. „Ich wollte Soziale Arbeit oder Diakonie studieren, aber bei dem NC war das nicht ohne weiteres möglich“, erinnert sie sich. Als Alternative studierte sie Religion auf Lehramt, doch bevor sie weitere Fächer hinzunahm, stellte sie fest: „Irgendwie ist das meins. Die Fragen nach Gerechtigkeit, Frieden und danach, wie Versöhnung möglich ist.“ Nebl begann, sich bewusst mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen. „Ich möchte auch mit den Gemeindemitgliedern über ihren Glauben sprechen, mit jedem für sich klären, was er eigentlich glaubt und warum“, sagt sie. „Als Pastorin gerät man schnell in den Kirchen-Singsang, weil es nicht leicht ist, Worte für den Glauben zu finden. Aber es ist Übungssache. Je mehr man miteinander spricht und das Formulieren praktiziert, desto bewusster wird man sich und muss sich nicht hinter Floskeln verstecken.“

Für Nebl ist Glaube Gemeinschaftssache und er ist lebensbejahend. „Gottes Liebe spüre ich, wenn ich mit anderen Menschen fruchtbar zusammen bin und man merkt, dass man etwas zusammen erreicht und Schönes erlebt. Dieses Gefühl von Gottes Liebe möchte ich anderen weiter geben.“ Die Jugendarbeit ist ihr besonderes Interesse geblieben: „Da geht es darum, die krisengeschüttelten Pubertierenden zu nehmen wie sie sind und ihnen zu vermitteln, Selbiges auch mit anderen zu tun. Wenn wir das lernen, ist das ein Ansatz für eine friedlichere Welt,“ so Nebl. Das Fußballspielen auf dem Gelände begrüßt sie, unter Einhaltung einiger Regeln. „Der christliche Glaube ist ja genau das, das Leben“, sagt sie.

Zwar ist Nebl noch Pastorin auf Probe, aber sie fühlt sich in der Gemeinde angekommen, plant langfristig: „Hier war Handlungsbedarf, nach zwei Jahren Vakanz.“ So machte sie sich ans Werk und fasste schnell Fuß. „Mit dem Amt bekomme ich sehr viel Offenheit geschenkt“, berichtet sie über ihre Begeisterung für den Beruf. „Man darf im Leben der Menschen dabei sein. Richtig emotional wird es, wenn ich ein Kind taufen, konfirmieren und nachher auch trauen werde“, stellt sie fest.

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