Kreis Pinneberg : Fleißig wie die Bienen

Regelmäßige Kontrolle: Christa Kluxen prüft ein Rähmchen, in dem die Bienen ihre Waben bauen. Den Honig vermarktet Kluxen in der Nachbarschaft oder im Dezember auf dem Halstenbeker Weihnachtsmarkt.
Regelmäßige Kontrolle: Christa Kluxen prüft ein Rähmchen, in dem die Bienen ihre Waben bauen. Den Honig vermarktet Kluxen in der Nachbarschaft oder im Dezember auf dem Halstenbeker Weihnachtsmarkt.

Holsteiner Imker wollen Nachwuchs gewinnen und Kinder mit der Biologie der Insekten faszinieren. Die Zahl der Mitglieder wächst.

shz.de von
03. Juni 2014, 15:00 Uhr

Halstenbek | Sowohl die Zahl der Imker als auch die Zahl der Bienenvölker hat in Schleswig-Holstein während der vergangenen 15 Jahre deutlich abgenommen. Seit dem vergangenen Herbst versucht nun ein neuer Verein, Nachwuchs für die Imkerei zu gewinnen: die Holsteiner Imker.

Der Verein wurde im vergangenen Herbst gegründet. In diesem Frühjahr bietet er in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule (VHS) Halstenbek die ersten beiden Kurse für Jungimker an. Und der Bedarf scheint überraschend groß zu sein. „Wir hatten zunächst einen Kurs mit maximal 15 Teilnehmern geplant. Aber plötzlich waren es fast doppelt so viele Interessenten“, sagt Christa Kluxen. Sie ist Vorsitzende des Vereins und leitet die Schulungen.

Das Seminar umfasst sechs Unterrichtstage zwischen März und Juli – der Hauptsaison für die Imker. Los geht es im Frühjahr mit einer Erstkontrolle: Lebt die Königin? Ist Brut da? Wenn die Kirschbäume blühen, wird der Honigraum aufgesetzt. Das ist der Teil des Binenkastens, in dem die Insekten später den Honig einlagern. Im Mai folgt der Drohnenschnitt. Indem ein Teil der männlichen Brut entfernt wird, sinkt das Risiko eines späteren Befalls mit der gefährlichen Varroamilbe. „Anschließend lassen sich Ableger ziehen“, sagt Kluxen. Die Imker entnehmen zwei bis drei Brutwaben, um damit ein neues Volk aufzubauen. Danach steht die erste Ernte an. Obstblüten oder Löwenzahn etwa geben dem Honig sein Aroma. Wenn spät im Jahr ein zweites Mal geerntet wird, sind es oft Linden oder Klee.

Im Sommer behandeln die Imker ihre Stöcke mit Ameisensäure, um die Milben zu bekämpfen. Am Ende der Saison setzen sie Oxalsäure ein. Danach werden die Bienenstöcke winterfest gemacht. Sie bekommen Futtersirup. So geht die Seminargruppe fast alle Stationen einer Imkersaison durch. Der Kurs endet mit einer Prüfung, welche als Sachkundenachweis für den Deutschen Imkerbund (DIB) gilt.

Der gemeinnützige Verein, seit September von 19 auf 29 Mitglieder aus dem Kreis Pinneberg und Hamburg gewachsen, will nicht nur Erwachsene für das Hobby begeistern, sondern auch Kindern Lebensumfeld und ökologische Bedeutung der Bienen näherbringen. „Wenn Grundschulen Interesse haben, können sie mich kontaktieren“, sagt Kluxen. Sie freut sich über die Neugier der Kleinen. „Wenn wir am Bienenkasten sind, verlieren sie die Angst vor den friedlichen Tieren.“

Sperrbezirk für Bienen

Seitdem in einem Rellinger Bienenstand die Amerikanische Faulbrut (AFB), ausgelöst von Bakterien, ausgebrochen ist, gelten Halstenbek, Rellingen und Ellerbek als Sperrbezirk. „Die Abschlussuntersuchungen können in den kommenden Wochen erfolgen“, teilte die Kreisverwaltung auf Anfrage mit. Es sei der einzige gemeldete Fall der vergangenen zehn Jahre. Seit dem 11. Dezember dürfen mobile Bienenstände nicht mehr bewegt sowie Bienen, Wachs, Wabenteile, Futtervorräte und benutzte Geräte nicht aus den Kästen entfernt werden. Die Imker können ihren Honig laut Verwaltung aber weiter vermarkten, weil Faulbrut für Menschen ungefährlich ist.

Heimisches Giftkraut belastet Honig

Immer häufiger macht eine beunruhigende Nachricht die Runde: Gift in heimischem Honig gefunden! Wenn Bienen das Jakobskreuzkraut anfliegen, nehmen sie toxische Pyrrolizidinalkaloide (PA) auf. Über den Honig gelangt es in den menschlichen Körper und kann dort Leberzirrhose und Krebs verursachen.

Jakobskreuzkraut wächst nicht nur an Straßenrändern und auf Weiden, sondern auch auf Brachflächen und in Naturschutzgebieten. Für den Kreis Pinneberg gibt die Kreisverwaltung Entwarnung: „Es ist keine großflächige Ausbreitung bekannt. Es besteht kein Grund zur Beunruhigung“, teilte Verwaltungssprecher Marc Trampe auf Nachfrage mit. Untere Naturschutzbehörde und Lebensmittelaufsicht stünden Landwirten und Imkern beratend zu Verfügung. Die Verwaltung gibt zudem folgenden Tipp: Jakobskreuzkraut solle nicht abgemäht sondern ausgestochen werden.

Zahl der Bienenvölker nimmt stetig ab

Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein veröffentlicht jährlich Zahlen zu von Kammermitgliedern gehaltenen Tieren. Seit 1990 ist die Zahl der Imker in der Landwirtschaftskammer von 3500 auf 2600 (Stand 2012) gesunken. Die Zahl der Bienenvölker ist im gleichen Zeitraum von 36.000 auf 21.000 gesunken.

Die saisonal stark schwankende Produktionsmenge von Honig lag 1990 bei 772.100 Kilogramm. Nach guten Jahrgängen 2005 und 2006 mit jeweils etwa 1,2 Millionen Kilogramm Honig produzierten die Imker 2012 748.000 Kilogramm. Zum Vergleich: Deutschlandweit produzieren laut dem Deutschen Imkerbund (DIB)  100.000 Imker mit etwa 700.000 Völkern bis zu 25 Millionen Kilogramm Honig jährlich – etwa 20 Prozent des inländischen Verbrauchs.

Doch nicht nur der Honig ist ein Wirtschaftsfaktor. Die Biene ist laut DIB das drittwichtigste Nutztier nach Rind und Schwein, weil etwa 80 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzen auf die Tiere als Bestäuber angewiesen sind. Den volkswirtschaftlichen Nutzen daraus beziffert der DIB mit etwa zwei Milliarden Euro jährlich in Deutschland. Das ist auch für den Obstanbau in der Region Pinneberg und im benachbarten Alten Land von großer Bedeutung. Drei bis vier Bienenvölker sind laut DIB pro Hektar für eine gründliche Bestäubung von Kernobstbäumen nötig.

 
Holsteiner Imker: Christa Kluxen, Domänenweg 33, 25469 Halstenbek, Telefon 04101-473366, vorstand@holsteiner-imker.de, holsteiner-imker.de, Landesverband Schleswig-Holsteinischer und Hamburger Imker: Hamburger Straße 109, 23795 Bad Segeberg, Telefon 04551-2436, info@imkerschule-sh.de, imkerschule-sh.de, Imkerverein Uetersen und Umgebung: Hans Ossenbrüggen, Wedeler-Chaussee 105, 25436 Moorrege, Telefon 04122-82235
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