Gegen den rechtsradikalen Terror : Filmpreis für Schüler aus Uetersen

Laudator Berbn Brauer von der Freimaurerloge Roland gratuliert den Jugendlichen zum Bertini-Preis. Im Hintergrund ist der verstorbene Ralph Giordano. Auf ihn geht der Preis für Zivilcourage zurück.
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Laudator Berbn Brauer von der Freimaurerloge Roland gratuliert den Jugendlichen zum Bertini-Preis. Im Hintergrund ist der verstorbene Ralph Giordano. Auf ihn geht der Preis für Zivilcourage zurück.

Schüler aus Uetersen werden für Dokumentation über einen Lehrer aus Kellinghusen mit dem Hamburger Bertini-Preis ausgezeichnet.

shz.de von
28. Januar 2015, 16:00 Uhr

Uetersen/hamburg | Die Aufforderung ist eindeutig: „Kill Viezen Kill!“ Aufkleber mit dieser Morddrohung klebten überall an einer Grundschule in Kellinghusen. Mehr als ein Jahr lang wurde Walter Vietzen immer wieder von Rechtsextremisten schikaniert, bedroht und terrorisiert. Eine Gruppe Schüler vom Uetersener Ludwig-Meyn-Gymnasiums drehte eine Dokumentation über den Fall. Gestern haben sie für “Widerstand gegen Rechtsextremismus in Kellinghusen” den Bertini Preis für Zivilcourage in Hamburg bekommen. Die Auszeichnung geht auf den Roman des Hamburger Schriftstellers Ralph Giordano, „Die Bertinis“ zurück. Giordano verstarb im Dezember 2014. Er hatte mehr als 40 Jahre an dem Buch gearbeitet, in dem er vom dramatischen Schicksal seiner Familie in der NS-Zeit berichtete.

Bereits in den ersten Minuten des Clips, der im Internet unter uetersentv.de zu finden ist, wird klar, welches Martyrium der Lehrer in den Jahren 2008 und 2009 durchleben musste. Nachts warfen Neonazis mit Gegenständen auf das Haus des Kellinghusener Lehrers, brüllten dabei „Sieg Heil!“ und zerstörten seinen Gartenzaun. Drohanrufe wurden Teil seines Lebens. Einen Mitschnitt der Beschimpfungen haben die Nachwuchsfilmer für ihre Dokumentation benutzt. Am Ende ist zu hören: „Ruf mich zurück, meine Nummer ist 1488“. In der rechtsradikalenen Szene gehören die Zahlen zu einem Code: 88 steht für „Heil Hitler“. Viezen war den Rechtsradikalen wohl ein Dorn im Auge, weil er sich stark engagierte in der Präventionsarbeit. Der Pädagoge arbeitete die Geschichte mit den Grundschülern auf und beschäftigte sich auch mit der Nazi-Vergangenheit von Kellinghusen. Letztlich war die Aufklärung des Terrors der Polizei zu verdanken, die ohne die Öffentlichkeit zu informieren, ermittelt hatte. Die Täter wurden verurteilt.

Die Laudatio bei der Preisverleihung hielt Bernd Brauer von der Freimaurerloge Roland in Hamburg. Er lobte den Mut des Lehrers und das Engagement der Schüler sowie das vorbildliche Verhalten der Behörden. Auch Erinnerung an die Verbrechen der Nazis könne Widerstand sein. „Wir alle wissen, dass Furcht oder Angst das Haupthindernis ist, Courage zu zeigen, wo Courage nötig wird. Möge Euer Film auch helfen, solche Furcht zu mildern und dadurch Zivilcourage zu stärken!“

Und Action: Die Schüler drehten eine Dokumentation über rechten Terror in Kellinghusen.
Und Action: Die Schüler drehten eine Dokumentation über rechten Terror in Kellinghusen.
 

Mehr als ein Jahr lang hatte die Schülergruppe mit ihrem Lehrer Sönke Zankel an dem Dokumentarfilm gearbeitet. Die Jugendlichen haben sich mit der Technik beschäftigt, recherchiert und mit allen Beteiligten lange Zeit gesprochen. Der siebzehnjährige Tobias Schubring war beeindruckt von dem Widerstand des Lehrers, der trotz allem mit seiner Präventionsarbeit fortfuhr: „Ich habe definitiv gelernt, dass es wichtig ist, sich nicht immer sofort kleinkriegen zu lassen, sondern im Gegenteil, aufzustehen und sich zu wehren.“

Die 16-jährige Kimberly Lindemann ist dankbar, dass sie Teil des Projekts war: „Es muss jedem bewusst sein, dass die Neonazis auch in unserer Region vertreten sind.“ Rebekka Kewitsch hofft darauf, dass auch andere aktiv werden: „Ich freue mich, dass unsere Arbeiten und Anstrengungen belohnt werden und wir so anderen Schülerinnen und Schülern zeigen, dass es sich lohnt, sich für solche Projekte einzusetzen.“

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