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Gefahr für Rollstuhlfahrer : Fiese Falle am Harksheider Weg

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Ein Anwohner ist innerhalb eines Jahres schon mehrfach gestürzt.

von
erstellt am 12.Okt.2017 | 13:00 Uhr

Quickborn | Ganz langsam und vorsichtig steuert Hans-Werner Mommsen seinen elektrischen Rollstuhl an der Ladenzeile des Harksheider Wegs in Quickborn vorbei. „Dort, sehen Sie mal genau hin“, zeigt er auf das Ende des Fußwegs vor dem Ladengeschäft eines Pizzalieferanten.

Was zunächst nach einer unscheinbaren kleinen Kuhle zwischen Bordstein und Straße aussieht, ist für den Rolli-Fahrer eine tückische Stolperfalle, wie der 78-Jährige demonstriert: Sobald das linke Vorderrad über den Kantstein gefahren ist, gerät der Rollstuhl in eine Schieflage und nur mit Mühe und viel Fingerspitzengefühl kann Mommsen sein Gefährt aus der Kuhle herausbugsieren.

„Vor etwa einem Jahr bin ich das erste Mal gestürzt“, berichtet er. So heftig, dass seine Jacke dabei beschädigt worden war, sei der Aufprall gewesen. Sechs Monate später kippte Mommsen erneut an dieser Stelle um, ein weiteres Mal stürzte er vor wenigen Wochen.

Sein Dilemma: Um die Gefahrenstelle zu umgehen, müsste er einen Umweg in Kauf nehmen. „Ich war schon zwei, drei Mal bei der Stadtverwaltung“, berichtet der Rentner. Dort sei ihm versichert worden, dass man sich des Schadens annehmen würde. „Gar nichts ist passiert“, empört sich Mommsen. Auch sein jüngster Besuch kurz vor der Bundestagswahl habe bis heute keine Wirkung gezeigt.

„Hier wohnen viele ältere Herrschaften, die auch mit ihren Rollatoren Schwierigkeiten haben, aber offenbar sagt keiner was“, sagt Mommsen. Auf der Straße zu fahren, sei keine Option. „Erstens ist der Straßenbelag ein Flickenteppich und zweitens werde ich dann von Autofahrern angehupt und bepöbelt“, weiß er aus leidiger Erfahrung.

Uwe Scharpenberg, Leiter des Fachbereichs Tiefbauten und Kommunalbetriebe bei der Stadt Quickborn, ist die schadhafte Stelle bekannt. „Allerdings handelt es sich bei dieser Fläche um ein Privatgrundstück“, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Hier dürfe die Stadt nur mit Einverständnis des Eigentümers tätig werden. „Wir werden uns mit dem Besitzer in Verbindung setzen und darum bitten, gemeinsam eine Lösung zu finden“, kündigte Scharpenberg an. Dass der für Rollstuhlfahrer gefährliche Zustand entschärft werden müsse, stehe außer Frage.

Ob allerdings tatsächlich der Eigentümer erst gefragt werden muss, ist in diesem Fall durchaus fraglich: Ein Urteil des Bundesgerichtshof aus dem Jahr 1962 besagt, dass nicht immer der Besitz einer Fläche dafür entscheidend ist, ob ein Weg öffentlich ist oder nicht: „Ein Weg ist – ohne Rücksicht auf die Eigentumsverhältnisse [...] – öffentlich im Sinne des Verkehrsrechts, wenn er entweder ausdrücklich oder mit stillschweigender Duldung des Verfügungsberechtigten
für jedermann zur Benutzung zugelassen ist und auch so benutzt wird“, heißt es darin. Dabei sei nicht der tatsächliche Zugang für die Allgemeinheit entscheidend, sondern die stillschweigende Duldung der tatsächlichen Nutzung seitens des Eigentümers. Dies trifft am Harksheider Weg durchaus zu: Der Weg ist nicht als Privatweg gekennzeichnet und erweckt darüber hinaus mit den Parkbuchten samt Beschilderung den Anschein einer öffentlichen Straße.

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