Feuriger Auftritt mit Fantasien

Sabine Meyer (von links), William Youn und Nils Mönkemeyer ernteten mit ihrem Programm „Märchenbilder“ anhaltenden Applaus in Rellingen.
Sabine Meyer (von links), William Youn und Nils Mönkemeyer ernteten mit ihrem Programm „Märchenbilder“ anhaltenden Applaus in Rellingen.

SHMF: Sabine Meyer, Nils Mönkemeyer und William Youn spielen in der Rellinger Kirche / Kontrastprogramm bei „Märchenbildern“

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10. August 2018, 16:00 Uhr

Wedelnde Fächer und Programmhefte so weit das Auge reichte – beim Schleswig-Holstein Musik Festival in der Rellinger Barockkirche am Mittwochabend war es heiß. Die Besucher füllten den Kirchraum bis unters Dach. Sie alle wollten die diesjährige Porträtkünstlerin Sabine Meyer (Klarinette), Nils Mönkemeyer (Viola) und William Youn (Klavier) hören. Die drei Musiker kamen mit ihrem Programm „Märchenbilder“.

Wer passt zu diesem Titel besser als Robert Schumann? Seine Werke bestimmten die erste Programmhälfte. Als Trio spielten Meyer, Mönkemeyer und Youn seine „Märchenerzählungen“ op. 132. Ein Werk der Kontraste, in dem lyrische Phrasen und leise Seufzer auf hartes Marcato und Staccato-Triolen trafen. Vor allem Klarinette und Viola teilten sich die Melodieführung – mal im Dialog, mal im Zwiegesang, aber immer untermauert durch große Gesten und wiegende Bewegungen. Ein emotionaler und ausdrucksstarker Vortrag, der perfekt zum märchenhaften Charakter der Musik passte.

Während Meyer dabei auch mit dem Publikum interagierte, schien Mönkemeyer ganz in seine eigene Welt versunken. So auch im Duett mit Youn, der seine Solo-Passagen fein herausarbeitete, in den namensgebenden „Märchenbildern“ op. 113. Ohne Noten – meist mit geschlossenen Augen – ließ Mönkemeyer sich in den sanften ersten Satz fallen, atmete die Phrasen. Nur um danach richtig los zu legen. Mit dem volkshaften zweiten Satz und dem rasanten dritten Satz zeigte er die Bandbreite seines Instruments: fliegender Bogen, Pizzicato-Akzente, wirbelnde Wellen, die fast an den „Hummelflug“ erinnerten. Kein Wunder, dass er sich danach erstmal den Schweiß von der Stirn tupfen musste. Der langsame vierte Satz wirkte daraufhin wie ein Schlaflied – und so mancher Zuschauer merkte wohl, dass die Luft in der Kirche knapper wurde.

Etwas, was sich die Musiker nicht anmerken ließen, auch nicht Meyer, die es mit einem Blasinstrument nicht ganz einfach hatte. In den „Fantasiestücken“ op. 73 holte sie zum Rundumschlag aus, begleitet von perlenden Arpeggien Youns. Im ersten Satz präsentierte sie eine Fülle an Klangfarben, von strahlend und hell bis matt-gedämpft, wechselte fliegend zwischen piano und forte. Der zweite Satz brachte Läufe so flink, dass es schien, als würden die Töne von alleine entstehen – Meyer schien kaum die Finger zu bewegen. Mit dem dritten „feurigen“ Satz entließ sie das Publikum in die Pause zum Durchatmen.

Eine völlig andere Welt erwartete die Gäste im Anschluss. Zwar ist György Kurtágs Stück eine Hommage an Robert Schumann, davon war allerdings nicht viel zu hören. Heulende Glissandi, kreischendes Flageolett, dissonante Cluster – die „Hommage à R. Sch.“ ist ein Werk der Moderne. Zerfallen in Fragmente, scheinbar wildes Chaos oder so leise, dass das Knacken der Kirche zu hören war. Das Stück verlangte Musikern und Zuhörern, die fasziniert lauschten, einiges an Konzentration ab. Langanhaltender Applaus folgte dem kurzen Werk.

Den Abschluss bildete Mozarts Kegelstatt-Trio KV 498. Quirlig, locker, Mozart: Die Musiker lebten nochmal auf, spielten sich Einsätze zu und schienen fast miteinander zu tanzen – besonders in den Sechser- und Dreier-Rhythmen. In den Mozart’schen Läufen kaum Youns klarer Anschlag sehr gut zur Geltung und die Freude des verspielten Vortrags übertrug sich sofort aufs Publikum, das auf zwei Zugaben bestand. Ein gelungener Konzertabend im Wechselbad der Stimmungen – trotz Affenhitze.

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