Tornesch: Trauer um Lisa Marie : Feuerwehrkamerad gesteht Mord an 18-Jähriger

Zahlreiche Menschen trauern in Tornesch gemeinsam um die ermordete Lisa Marie.
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Zahlreiche Menschen trauern in Tornesch gemeinsam um die ermordete Lisa Marie.

Lukas M. (16) hat gestanden, Lisa Marie erwürgt zu haben. Der Tornescher sitzt in Untersuchungshaft. Er sah sich Gewaltvideos im Internet an.

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26. März 2014, 16:00 Uhr

Sie sieht glücklich aus. Verliebt. Tauscht auf Fotos innige Küsse mit ihrem Freund aus Appen aus. Lisa Marie B. aus Tornesch. Auf ihrem Facebook-Profil ist sie noch lebendig. So als hätte es die schreckliche Tat am Mittwoch voriger Woche nicht gegeben. Dem Tag, als sie aus dem Leben gerissen wurde. Der mutmaßliche Täter: Ein Freund. Gerade einmal 16 Jahre alt. Ein Feuerwehrkamerad.

„Wir werfen ihm Mord vor“, sagte Oberstaatsanwalt Uwe Dreeßen am Montag im Gespräch mit dem Pinneberger Tageblatt. Lukas M. habe „im Wesentlichen“ gestanden, die junge Frau von hinten erfasst und sie dann gewürgt zu haben. Mit seinen bloßen Händen soll er Lisa Marie getötet und dann hinter seinem Elternhaus an der Ahrenloher Straße auf einem Stoppelfeld verscharrt haben. Der Haftrichter am Amtsgericht Itzehoe erließ gegen 12 Uhr auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl. Lukas M. wurde in die Jugendstrafanstalt Schleswig gebracht.

Lukas M. scheint erstaunlich kaltblütig zu sein. Er machte keinen Hehl daraus, dass Lisa Marie am vorigen Mittwoch zuletzt bei ihm war. „Wir haben eine Stunde lang gequatscht“, berichtete der 16-Jährige im Gespräch mit einer Hamburger Zeitung. „Sie erzählte mir, dass sie ein bisschen Stress zu Hause und mit ihrem Freund hat.“ Gegen 16.30 Uhr, so erzählt er weiter, verabschiedete sich Lisa und ging. Was aus heutiger Sicht unerklärlich scheint: Lukas M. berichtet, dass er die junge Frau nicht hätte gehen lassen sollen. Er mache sich Vorwürfe. Und Lukas fleht: „Lisa, bitte, komm zurück! Es ist mein allergrößter Wunsch.“ Und dabei war er der Einzige, der wusste, dass dieser Wunsch nie in Erfüllung gehen wird. Nur er wusste, dass Lisa Marie wenige Meter hinter dem Haus verscharrt liegt. Tot.

Lukas und Lisa Marie kennen sich von der Freiwilligen Feuerwehr Tornesch-Ahrenlohe. Lukas stammt aus einer Feuerwehrfamilie. Sein Vater ist Feuerwehrmann in Tornesch. Lukas ist seit zwei Jahren Kassenwart der Jugendfeuerwehr. Lisa Marie wird 2012 zur Probe in die Jugendfeuerwehr aufgenommen. Ein Jahr später wird sie reguläres Mitglied. Im Januar folgte die Übernahme in die aktive Wehr.

„Lisa war das wunderbarste Mädchen, das ich kannte und wir sind alle zutiefst erschüttert“, sagte gestern eine ihrer Freundinnen, die gemeinsam mit weiteren Freundinnen vor der Wache der Feuerwehr um den Verlust trauern. Auch andere waren dort. Kerzen brennen. Blumensträuße mit Rosen, Tulpen und anderen Blumen liegen auf dem Boden. Ein Plakat mit Worten des Abschieds ist gegen die Wand gelehnt.

Fassungslosigkeit. Ratlosigkeit. Tornesch im Schockzustand. Niemand mag über das reden, was in dem Haus an der Ahrenloher Straße geschehen ist. Zu tief sitzt der Schmerz. Feuerwehrkameraden treffen sich. Versuchen zu begreifen. Der Kreis Pinneberg hat ihnen psychologische Unterstützung zur Seite gestellt. Um zu versuchen, zu begreifen. „Wir sind alle bestürzt und tief traurig über Lisa Maries Tod. Leider haben sich alle unsere Hoffnungen, unsere Kameradin lebend wieder zu sehen, am Montagnachmittag in Luft aufgelöst. Wir bedanken uns bei allen, die sich an der Suche beteiligt haben oder nach unserem Facebook-Aufruf in den vergangenen Nächten ein Licht in ihr Fenster als Zeichen der Hoffnung gestellt haben. Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie“, so Gemeindewehrführer Dirk Lolies in einer schriftlichen Erklärung. Für den Kreisfeuerwehrverband Pinneberg sprach Kreiswehrführer Bernd Affeldt den Angehörigen seine Anteilnahme aus. „Wir wünschen ihnen viel Kraft für die Bewältigung dieser schrecklichen Ereignisse.“ Eine Antwort auf das Warum haben auch sie nicht.

Lisa Marie und Lukas. Der Junge und die junge Frau. Was verband die beiden? Und was führte schließlich dazu, dass Lukas vermutlich das Leben von Lisa Marie auslöschte? Dass er zu dem wurde, was die Staatsanwaltschaft einen Mörder nennt? Wollte er erleben, was er sonst nur im Internet sah? Lukas M. hat nach Recherche des Pinneberger Tageblattes auf Youtube einige Kanäle abonniert, die vor dem Hintergrund der Tat erschaudern lassen. Unter „Positiv bewertet“ sind Videos zu finden, in denen Frauen gewürgt werden. Bis zur Bewusstlosigkeit. Frauen, die stranguliert werden. Frauen, die in der Badewanne ertränkt werden. Kleine Horrorstreifen, in denen Frauen die Opfer sind. Wurde Lisa Marie Opfer der perversen Gelüste eines gerade einmal 16-Jährigen?

Antworten kann nur Lukas selbst geben. Angehörigen und Freunden bleibt die Erinnerung. Auf dem Plakat, das an der Wand der Feuerwache Tornesch-Ahrenlohe lehnt, schreibt Kamilla : „Aus unserem Leben bist Du gegangen. In unserem Herzen bleibst Du.“

Trauer überall im Kreis Pinneberg

Ein riesiges rotes Herz auf dem Fußboden, erleuchtet von unzähligen Kerzen und  Fackeln. Auf dem Gelände der Feuerwehr in  Tornesch-Ahrenlohe  ist es gestern Abend um  19.05 Uhr fast gespenstisch still. Immer  mehr Menschen strömen herbei, aus allen Richtungen. Sie trauern schweigend.  Sie halten sich an den Händen. Sie umarmen sich.  Sie weinen. Sie zünden ihre Kerzen an und   stellen sie in das große Herz. Tornesch gedenkt  Lisa Marie. Nur einen Steinwurf von der Feuerwache entfernt wurde am Montagabend die Leiche der 18-Jährigen gefunden.  Etwa 1000 Tornescher trauern um  ihr  Feuerwehr-Mädchen.

Auch vor der Pinneberger Drostei versammeln sich ab 20 Uhr Menschen. Sie reden – wenn überhaupt – nur leise. Einzeln oder in kleinen Gruppen gehen sie zu den Stufen des Pinneberger Wahrzeichens. Knien nieder, zünden Kerzen an. Verharren schweigend. Etwa 100 Menschen waren einem Aufruf – wie auch in Tornesch  –   über das soziale Netzwerk Facebook gefolgt.

Fünf Tage lang galt Lisa Marie als vermisst

Wie berichtet, wurde Lisa Marie seit dem vorigen Mittwoch vermisst. Die Polizei suchte mit Hundertschaften und unter Einsatz von Hubschraubern nach der 18-Jährigen. Auch über Facebook und mit Plakaten wurde nach der jungen Frau gesucht. Am Montag nahmen Einsatzkräfte das Elternhaus von Lukas M. ins Visier, durchsuchten die Räume und die nähere Umgebung. Gegen Abend fanden sie die Leiche. Lukas M. wurde festgenommen.

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