Feuerwehrauto mit Kindern umgekippt

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Vier Jungen und ein Mädchen sowie die Fahrerin bei Unfall auf dem Betriebsgelände eines Auslieferungslagers verletzt / Helfer werden auch betreut

shz.de von
21. Juni 2018, 16:00 Uhr

Laut Plan hätte der Dienst der Jugendfeuerwehr Horst am Dienstagabend noch eine Viertelstunde dauern sollen. Es wurde ein Ende mit Schrecken. Bei einer Fahrt auf dem Aldi-Betriebsgelände ist das große Tanklöschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr mit einer Fahrerin und fünf Kindern – vier Jungs und einem Mädchen im Alter von zehn bis zwölf Jahren – an Bord umgestürzt. Alle Insassen wurden verletzt – die meisten Kinder eher leicht, ein Junge und die 30 Jahre alte Fahrzeugführerin aber schwer. An dem 15-Tonnen-Lkw entstand erheblicher Sachschaden.

Gestern morgen hat der Horster Wehrführer Jens Steenbock den ersten Schock verdaut. „Es geht wohl allen gut“, sagte er. Bis auf zwei Kinder hätten alle Beteiligten das Krankenhaus noch am Abend verlassen können, die beiden anderen sollten gestern aus der Klinik entlassen werden. Es habe aufbauende Rückmeldungen gerade auch von betroffenen Eltern gegeben, die ihm mitteilten: „Mein Kind hat gut geschlafen.“ Steenbock weiß aber auch: Die blauen Flecken vom angelegten Sicherheitsgurt heilen einfach, mögliche seelische Trauma aber schwerer.

Das gilt auch für die eingesetzten Feuerwehrleute, die den Kindern und ihrer Kameradin hinter dem Lenkrad zur Hilfe eilten. Noch am Abend war ein Team aus dem Bereich Psychosoziale Unterstützung in Horst, um den Helfern Unterstützung anzubieten. „Es ist für alle Einsatzkräfte eine sehr schwierige Situation“, sagte Daniel Meinike, Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Steinburg. Es habe aber, so Jens Steenbock, von allen Seiten einen großen Zuspruch und Hilfsangebote gegeben. Auch Landesbrandmeister Frank Homrich aus Wedel hatte sich gemeldet.

Nach der Alarmierung um 19.45 Uhr waren außer allen verfügbaren Kräften der Horster Wehr insgesamt zehn Rettungswagen und drei Notärzte auf das Firmengelände an der Gewerbestraße geeilt. Nach der ersten unübersichtlichen Lage konnte ein wenig Entwarnung gegeben werden. „Wir können von Glück sagen, dass dieser Unfall sehr glimpflich abgegangen ist“, sagte Rolf Ruhnke von
der Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH). Feuerwehrkräfte waren über Steckleiterteile auf das Fahrzeug geklettert, um die Kinder über die Türen zu retten.

Für die Ermittlung der Unfallursache hat die Polizei einen TÜV-Sachverständigen hinzugezogen. Allem Anschein nach hatte das TLF auf der Umfahrt um das Auslieferlager des Discounters eine Linkskurve vollzogen und war dann auf die rechte Seite gekippt. Dort schlitterte der rote Riese noch einige Meter weiter und kam an der Böschung zur Bahnlinie Elmshorn-Neumünster zum Stehen. Ein Schwerlastkran der Elmshorner Firma Kühl richtete das Fahrzeug auf und schleppte es ab. Die Höhe des Sachschadens vermochte Steenbock gestern noch nicht abzuschätzen. Der Neupreis dieses Tanklöschfahrzeugs lag vor fünf Jahren bei 250 000 Euro.

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