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Sturmbilanz im Kreis Pinneberg : Feuerwehr zählt 25 Einsätze

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Brisant war der Sturz einer großen, alten Buche auf das Dach eines Reihenhauses. Der Baum hatte auf dem Schulhof der Helene-Lange-Schule in Pinneberg gestanden.

shz.de von
erstellt am 28.Dez.2016 | 12:30 Uhr

Pinneberg | Es ist die Nacht zum 27. Dezember. Draußen tobt Orkantief Barbara. Das Ehepaar Kachel liegt im Bett und schläft. Um 2.30 Uhr reißt ein lauter Schlag sie aus dem Schlaf. Ursula Kachel will nachsehen und öffnet die Tür zum Balkon im oberen Stockwerk – doch dieser ist nicht mehr begehbar: Er liegt voller Astwerk.

Es sind die Äste eines Baumes, der auf das Dach des Hauses gestürzt ist. Der Baum hat dem Ehepaar Kachel schon länger Kummer bereitet. Bis zu seinem Sturz stand er auf dem an das Grundstück des Endreihenhauses angrenzenden Schulhof der Helene-Lange-Schule. Wegen seiner weit über das Dach ragenden Krone hatten sich die Kachels an das Grünflächenamt der Stadt Pinneberg gewandt. Im Mai dieses Jahres wurden dem Baum deshalb zwei Äste entfernt. Da die Eheleute sich aber weiterhin von dem Baum bedroht fühlten, hakten sie nach. Wenige Tage später habe der Baumkontrolleur der Stadt Pinneberg dann eine Kontrolle durchgeführt und den Baum als sicher eingestuft, berichten die Eheleute. Jetzt stürzte die Buche um und richtete erheblichen Sachschaden am Dach des Hauses an.

„Hätten wir nichts gesagt und wäre der Baum nicht beobachtet worden, wäre alles gut. Aber nachdem wir ihn haben begutachten lassen, ärgert uns die Sache“, berichtet Ursula Kachel und Jörg Kachel glaubt: „Es wäre vermeidbar gewesen.“

Dieser Ansicht ist Dirk Blank, technischer Abteilungsleiter und Stellvertretender Werkleiter beim Grünflächenamt der Stadt Pinneberg, nicht: „Bei Windstärke acht und aufgeweichtem Boden können auch gesunde Bäume umstürzen. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es auch mit Kontrollen nicht.“ Den gesunden Eindruck des Baumes bestätigt auch Henning Bendfeldt, Fachberater beim THW (Technisches Hilfswerk), der zusammen mit der Feuerwehr vor Ort im Einsatz war. Auch er verweist auf den aufgeweichten Boden, der den Sturz des Baumes begünstigt habe.

Zufrieden sind die Kachels aber mit den Einsatzkräften: Fünf Minuten nach der Alarmierung der Feuerwehr sei diese eingetroffen und habe dann das THW dazu geholt. Bis gestern Mittag waren 20 Mann von Feuerwehr und THW im Einsatz: Der Baum wurde stückweise abgetragen, um weitere Schäden am Dach zu vermeiden.

Die Kachels haben den Schaden ihrer Gebäudeversicherung gemeldet, die ihn noch begutachten muss. Nach derzeitigem Stand wird die Stadt Pinneberg dafür aufkommen, denn der Baum stand auf dem Schulgelände und damit auf städtischem Grund.

Überall in Schleswig-Holstein und Hamburg hat das Sturmtief „Barbara“ hat zum Ende der ruhigen Weihnachtstage für Verwüstung gesorgt und ein Todesopfer gefordert. Der Todesfall ereignete sich nahe Westensee im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Eine 34-Jährige Autofahrerin  starb, als ein  Baum auf ihren Wagen  fiel. Der 24-jährige Beifahrer wurde  lebensgefährlich verletzt. Den Rettungskräften gelang es erst nach einer Stunde, ihn aus dem Auto zu befreien.

In Schleswig-Holstein gab es am Montag und in der Nacht zu Dienstag insgesamt rund 200 Feuerwehreinsätze, 25 davon  im Kreis Pinneberg. Die Helfer waren in Pinneberg, Quickborn, Schenefeld, Seestermühe, Tornesch, Uetersen und Halstenbek im Einsatz. Im Kreis waren  nur Sachschäden zu verzeichnen: Unter anderem lösten sich Teile des  Dachs eines Hochhauses in Pinneberg und fielen auf mehrere Autos.

Hamburg hatte durch das Sturmtief mit Überschwemmungen zu kämpfen. Dem Lagezentrum der Polizei zufolge lag der Scheitelpunkt des Hochwassers   2,73 Meter über dem mittleren Hochwasser: Der Hamburger Fischmarkt in St. Pauli wurde überschwemmt und eine Tiefgarage in der Hafencity  lief voll Wasser.   Die Überschwemmungen waren bis gestern Morgen weitgehend wieder abgelaufen. Insgesamt gab es in Hamburg mehr als 80 wetterbedingte Feuerwehreinsätze: „Hierbei handelte es sich überwiegend um umgestürzte Baugerüste, Bäume oder abgebrochene Äste“, teilte die Feuerwehr mit.

Auf dem Weg von Dagebüll nach Amrum strandete ein Fährschiff der Wyker Dampfschiffs-Reederei auf Föhr. Die 40 Passagiere mussten die Nacht an Bord verbringen.

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