Feuer: Das konnte nicht gut gehen

Ortstermin: Niels, Gudrun und Hans-Günther Reinke zusammen mit Bewohner Kai Buerhoop, Bürgermeistern Anja Radtke und Wehrführer  Jürgen Timm (von links).  Rossel
Ortstermin: Niels, Gudrun und Hans-Günther Reinke zusammen mit Bewohner Kai Buerhoop, Bürgermeistern Anja Radtke und Wehrführer Jürgen Timm (von links). Rossel

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12. Januar 2013, 01:14 Uhr

Rellingen | Kai Buerhoop ist eher ein pessimistischer Mensch. Das fordert zumindest sein Beruf von ihm. Er berät Flugsicherungen. Risiken zu berechnen, gehört zu seinem Job. In der Silvesternacht war Buerhoop mal wieder vorbereitet. Bevor die große Knallerei los ging, packte er in seiner Rellinger Wohnung, in der er mit seiner Lebensgefährtin und seinem Hund lebte, seine wichtigsten Habseligkeiten und Unterlagen zusammen. Menschen, die auch in einem Reetdachhaus wohnen, kennen seine Sorgen.

Das Jahr 2013 war gerade 18 Minuten alt, als Buerhoop im Garten stand, sein Handy nahm und den Notruf alarmierte. Im Dachfirst des Hauses an der Dorfstraße steckte eine Silvesterrakete. Das lodernde Reeth verursachte bereits einen orangenen Schein. Buerhoop wohnt nun in einem Hotel in Hamburg. Wann er wieder in die Wohnung kann, steht noch nicht fest.

Bei einem Ortstermin, zu dem sich Jürgen Timm, Wehrführer der Feuerwehr Rellingen, Bürgermeisterin Anja Radtke, Buerhoop und die Eigentümer Gudrun, Hans-Günther und Niels Reinke trafen, wurde die Silvesternacht an der Dorfstraße gestern noch einmal verarbeitet. Dabei wurde vorallem die Arbeit der Wehren aus Rellingen, Egenbüttel Ellerbek und Pinneberg gelobt. Mit 90 Einsatzkräften waren diese in der Nacht vor Ort und kämpften gegen die Flammen. Nachbarn kochten Kaffee für die Helfer, schmierten Brote und nahmen die Bewohner des Mehrfamilienhauses auf.

Bei Hans-Günther Reinke, der in Pinneberg das neue Jahr feierte, klingelte um 0.31 Uhr das Telefon. Eine Stimme sagte zum ihm: "Dein Haus brennt." "Zuerst will man das gar nicht glauben", so Reinke, der selbst Feuerwehrmann ist. "Als ich dann eintraf, war schon Schaum auf dem Dach." Die Wehren arbeiteten ruhig und konzentriert. Schlimmeres konnten sie verhindern. Wäre das ganze Dach in Brand geraten, wären umliegende Häuser ebenfalls betroffen gewesen. Sechs bis sieben Wochen soll es allein dauern bis die durchnässten Mauern getrocknet sind. "Drin wird nichts stehen bleiben, aber alles soll wieder genauso aufgebaut werden." Für die Reinkes hat das Haus hohen ideellen Wert. Der Schaden wird auf mindestens 500 000 Euro geschätzt.

Die vergangenen Jahre ist Reinke an Silvester nachmittags durch das Wohngebiet gegangen und hatte den Leuten gesagt, dass sie beim Böllern berücksichtigen müssen, dass in der Gegend Reetdachhäuser stehen. Sein Haus ist 200 Jahre alt. In diesem Jahr sammelte er im Garten allein 14 Raketen ein. Laut Aussagen von Beobachtern seien sie ein paar Straßen weiter abgefeuert worden. "Das kann nicht gut gehen", war die Einschätzung von Anwohnern und Buerhoop. "Es ist schon schwierig, nicht wütend zu sein, wenn man bedenkt, dass man nicht mehr in seiner Wohnung lebt, weil andere beim Feuerwerk nicht nachdenken", sagt er.

In der Nähe eines Reetdachhauses dürfen keine Silvesterraketen gezündet werden. Fünf Reetdachäuser stehen in Egenbüttel, zwölf in ganz Rellingen. "Eigentlich dürfen hier gar keine Raketen abgeschossen werden", sagt Bürger meisterin Radtke, die in der Nacht selbst bis fünf Uhr morgens vor Ort war. In Zukunft will man in der Gemeinde über das Risiko deutlicher infor mieren. Briefe zum Thema sollen an alle Haushalte verteilt werden.

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