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Virtuoser Auftakt in Pinneberg : Festival „Barocker Herbst“ in der Drostei

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Streicher-Ensemble Marais Consort begeistert die Zuschauer und macht Lust auf die weiteren Veranstaltungen.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2014 | 16:00 Uhr

Pinneberg | Das Festival „Barocker Herbst“ in der Pinneberger Drostei ist gestartet. Bereits zum neunten Mal findet das Event statt. Den Auftakt machte das Marais Consort mit Werken von Frühbarockkomponist Hans Leo Haßler, der dieses Jahr seinen 450. Geburtstag feiern würde und dessen Arbeit einen Schwerpunkt bildet.

Stefanie Fricke, Kuratorin, eröffnete das Festival in dem Pinneberger Rokokobau von 1765 mit einleitenden Worten: „Nahegelegen hätte Bach, der 300 Jahre alt ist, aber wir haben uns überlegt, was wir stattdessen machen können, da wahrscheinlich ganz Deutschland schon das ganze Jahr über Bach gehört hat. Und da ist uns aufgefallen, dass auch Haßler Jubilar ist.“

Das Marais Consort präsentierte sie dem Publikum als „eines der führenden Ensembles der Alten Musik in Deutschland, wenn nicht sogar Europa“. Danach überließ sie den Musikern Hans-Georg Kramer, Brian Franklin, Hermann Hickethier und Irene Klein, die allesamt Gamben unterschiedlicher Größen spielen, sowie Ingelore Schubert am Cembalo die Bühne.

Der Leiter des Ensembles, Kramer, leitete mit Infos zu den Werken und zu Haßlers Leben durch den Abend: „Als 20-Jähriger kam Haßler nach Venedig und wurde eingestellt von den Fuggern, was eigentlich unmöglich war, denn Haßler war protestantisch.“ Er wies auch auf musikalische Unterschiede hin, stellte die Nürnberger Schule der Venezianischen gegenüber, zum Beispiel mit Haßlers Suite aus dem „Lustgarten“ und seinen Madrigal-Canzonetten.

Dabei demonstrierten die Musiker ihr fein vermischtes, ausgewogenes und virtuoses Spiel: Jeder wird gehört, keiner dominiert zu stark. Sie setzten rhythmische Akzente und ließen sich Raum in den stark voneinander abgesetzten Phrasen der Barockmusik. Gamben, gebaut nach Renaissance-Vorbildern, und historische Spielpraxis ohne Vibrato machen ihren dumpfen und leisen Ton im Vergleich zu modernen Streichern aus. Auch Cembalistin Schubert glänzte solo mit der flinken Toccata in der Tonart d-moll.

Gerahmt wurden Haßlers Werke von italienischen Zeitgenossen: den Gabrielis, Aurelio Bonelli, Adriano Banchieri und Cesario Gussago.
Das Publikum freute sich an diesem Abend nicht nur über die erstklassige Musik, sondern auch über Wein und Flammkuchen, die ihren Duft in der gesamten Drostei verströmten. Geliefert von dem neuen Restaurantpächter, der nächstes Jahr eröffnen wird und schon einmal eine Kostprobe bot.

Dienstag, 4. November, 18.30Uhr: Vernissage „Mein Haupt ist voll verwirret – bildnerische Schülergedanken zu Hans Leo Haßler“; Mittwoch, 5.November, 19.30 Uhr: Vortrag „Hans Leo Haßler: Universalgenie des Frühbarock“ von Dr. Wolfgang Doebel; Donnerstag, 6. November, 19.30Uhr: Konzert „Verleih uns Frieden gnädig“ von der Hamburger Ratsmusik; Sonnabend, 8. November, 14 bis 18Uhr: Kinderprogramm „Was war los in der Drostei“, Anmeldung unter assistenz@drostei.de; Donnerstag, 13. November, 19.30 Uhr: Abschlusskonzert „Schöne Jungfrauen in grünen Auen“.
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