Erschreckende Zahlen : Ferienaktion für Kinder aus suchtbelasteten Familien

Sind bei der Suchtberatung Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche: Marei Theunert (30, l.) und Wenke Klüßendorf.
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Sind bei der Suchtberatung Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche: Marei Theunert (30, l.) und Wenke Klüßendorf.

Jeder sechste junge Mensch ist betroffen. Deshalb organisiert die Suchtberatung Pinneberg eine Ferienaktion für Kinder aus suchtbelasteten Familien.

shz.de von
02. Juli 2015, 10:00 Uhr

Pinneberg | Etwa 2,6 Millionen Kinder in Deutschland leben in einer Familie, in der ein oder beide Elternteile zumindest zeitweise suchtkrank sind. Damit ist jeder sechste junge Mensch davon betroffen. Die Gefahr ist groß, dass sie später selbst eine Sucht entwickeln. Deshalb ist es wichtig, den Teufelskreis früh zu durchbrechen. Bei der Suchtberatung Pinneberg finden Kinder aus suchtbelasteten Familien Hilfe. Marei Theunert und Wenke Klüßendorf, die seit Februar dieses Jahres diesen speziellen Bereich in der Einrichtung leiten, wollen sich und ihre Angebote mit einer Ferienaktion vom 20.bis zum 22. Juli bekannter machen.

Was Marei Theunert und Wenke Klüßendorf während ihrer täglichen Arbeit erleben, lässt sich nur erahnen. Einblicke geben sie nicht. Wer ihre Tür betritt, darf sich sicher fühlen. Denn Sucht ist ein Tabuthema. Häufig wird darüber selbst in den Familien nicht gesprochen.

Seit Februar dieses Jahres sind die beiden 30-Jährigen Ansprechpartnerinnen für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien, ein Betreuungsangebot der Suchtberatung Pinneberg. Für die Ferien organisieren sie von Montag bis Mittwoch, 20. bis 22. Juli, drei Aktionstage, zu denen Mädchen und Jungen im Alter von sieben bis zwölf Jahren jeweils von 10 bis 13 Uhr in die Räume der Familienbildung, Bahnhofstraße 20, eingeladen sind.

Hintergrund: Theunert, Diplom-Pädagogin, und Klüßendorf, Diplom-Sozialpädagogin, wollen sich und das Angebot bekannter machen. Denn der Bedarf sei da, betont Theunert, die Angebote würden aber noch zu wenig angenommen. 32 Kinder und Jugendliche suchten im vergangenen Jahr die Pinneberger Beratungsstelle auf. Zum Vergleich: In Deutschland wachsen der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler zufolge etwa 2,6 Millionen Kinder in einer Familie auf, in der ein oder beide Elternteile zumindest zeitweise suchtkrank sind. Damit ist jedes sechste Kind betroffen. Eine Zahl, die Theunert und Klüßendorf senken wollen.

Das geht nur, indem der Teufelskreis durchbrochen wird. Denn etwa ein Drittel der betroffenen Kinder entwickelt selbst eine Abhängigkeitserkrankung. Ein weiteres Drittel zeigt psychische Auffälligkeiten wie Depressionen, Ängste oder aggressives Verhalten. Das letzte Drittel, sagt Theunert, profitiere vor allem von Angeboten wie ihrem. Was können die beiden tun? Sie können Ansprechpartnerinnen sein. „Die Kinder erleben bei uns Regelmäßigkeit und werden in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt“, sagt Theunert.

Die 30-Jährige betreut zurzeit bis zu vier Kinder im Alter von zehn bis elf Jahren. Die Mädchen und Jungen besuchen dienstags das Gruppenangebot „Die Spürnasen“. „Das schafft Verbindlichkeit und Vertrauen“, so Theunert. Sie wisse, dass sie die Eltern oder Angehörige nicht davon abhalten kann, zur Flasche zu greifen. „Aber wir können den Kindern helfen, Selbstschutz zu entwickeln und sie kehren anders in ihre Familien zurück.“ Wer die Betreuerinnen und ihre Art der Hilfe kennenlernen möchte, kann sein Kind für die Ferienaktion anmelden, unter Telefon 04101-408870. Ein Vorgespräch ist vorgesehen.

„Die Spürnasen“ ist ein Gruppenangebot der Suchtberatung Pinneberg für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien. Sie kommen immer dienstags von 16.30 bis 18 Uhr in den Räumen der Einrichtung des Diakonischen Werks Hamburg West/Südholstein in der Bahnhofstraße 29-31 zusammen. Weitere Informationen geben Marei  Theunert und Wenke Klüßendorf unter Telefon 04101-408870 oder per E-Mail an suchtberatung.pinneberg@diakonie-hhsh.de. Bei der Suchtberatungsstelle finden Betroffene und Angehörige von unterschiedlichen Suchtkrankheiten Hilfe. Mehr Informationen zu den Angeboten der Suchtberatungsstelle gibt es im Internet unter www.suchtberatungs-pinneberg.de
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