Feldmuehle produziert unter Volldampf

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Die Zukunft des Uetersener Unternehmens ist ungewiss. Während die Insolvenzexperten nach einer Lösung für die Papierfabrik suchen, läuft der Betrieb mit Hochdruck weiter.

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06. Februar 2018, 16:00 Uhr

Die Feldmuehle Uetersen GmbH führt ihren Geschäftsbetrieb im vorläufigen Insolvenzverfahren unverändert fort. Davon zeugt das jetzt eingeführte Produkt EmbaSet – ein qualitativ hochwertiges und hochglänzendes Papier für Standardetiketten. Die Produktentwicklung der Papierfabrik arbeitet also weiter auf Hochtouren und hat weitere Innovationen für das laufende Geschäftsjahr angekündigt.

„Wir setzen den bereits Ende 2017 begonnenen Sanierungsprozess fort. Unser Insolvenzantrag vom 24. Januar ist nicht das Ende eines Weges, sondern markiert vielmehr die Abzweigung in eine wirtschaftlich erfolgreichere Zukunft“, sagt Geschäftsführer Heiner Kayser im Gespräch mit unserer Zeitung. Und er fügt hinzu: „Lieferanten, Kunden und Mitarbeiter halten uns die Treue. Täglich gehen neue Aufträge und Warenlieferungen ein.“

Mit mehr als 50 Jahren Erfahrung zählt Feldmuehle zu den weltweit führenden Anbietern von Etikettenpapieren und bietet mit EmbaSet nun auch ein nicht nassfestes Papier an. „EmbaSet eignet sich für Standardetiketten für Einweggebinde im Food- und Non-Food-Bereich. Durch seine hochweiße und hochglänzende Oberfläche ermöglicht das Papier hervorragende Druckergebnisse“, erklärt Martin Mönke, verantwortlich für den Feldmuehle-Bereich Labelling Applications. Zudem bietet EmbaSet große Vorteile in der Verarbeitung: Es erlaubt durch optimierte Laufeigenschaften hohe Geschwindigkeiten beim Drucken und Etikettieren und zeichnet sich durch seine Planlage sowie Festigkeit aus. „Mit der Einführung von EmbaSet bieten wir unseren Kunden nun ein Komplettsortiment bei Etikettenpapieren für jede denkbare Anwendung“, sagt Kayser. Feldmuehle stellt in diesem Segment mit mehr als 30 Produkten das branchenweit umfangreichste Portfolio zur Verfügung.

Im Februar 2015 hatte sich die traditionsreiche Papierfabrik von dem finnisch-schwedischen Großkonzern Stora Enso losgelöst. Damit führt es die über 100-jährige Tradition der Papierherstellung am Standort Uetersen unter dem Namen Feldmuehle fort. Vor drei Jahren wurde nach der Übernahme ein Businessplan erstellt, der vorgesehen hatte, das Unternehmen bis 2017 wieder in die Gewinnzone zu führen. Dass dies nicht im gesetzten Zeitrahmen erfolgte, ist jetzt offensichtlich. Denn am 24. Januar 2018 hat die Feldmuehle Uetersen GmbH beim Amtsgericht Pinneberg Insolvenzantrag gestellt und befindet sich nun im vorläufigen Insolvenzverfahren.

Zum vorläufigen Verwalter wurde der Hamburger Sanierungsexperte Tjark Thies von Reimer Rechtsanwälte bestellt. „Die Feldmuehle wird die begonnene strategische Neuausrichtung mit den insolvenzrechtlichen Mitteln fortführen. Wir werden in insbesondere prüfen, inwiefern diese wirtschaftliche Sanierung ganz aus eigener Kraft in Frage kommt“, heißt es von der zuständigen Unternehmensberatung Ruppert Fux Landmann. Eine Alternative sei demnach auch die Übernahme durch einen Investor. „Es gab bereits zahlreiche Anfragen. Diese werden gerade von meinem Team sondiert. Gleichzeitig gehen wir aktiv auf Marktteilnehmer zu, für die eine Investition in Frage kommen könnte“, sagt Thies auf Anfrage unserer Zeitung. Aber auch die jetzigen Gesellschafter könnten den Betrieb durch eine Nachfinanzierung wieder auf Kurs bringen. „Der Kapitalbedarf hält sich für ein Unternehmen dieser Größe im Rahmen, da es der Feldmuehle bislang gelungen ist, ohne Banken- und Gesellschafterfinanzierung auszukommen“, erläutert der Insolvenzverwalter.

Für die 420 Beschäftigten in Uetersen wäre es von Vorteil, wenn bis Ende März eine Lösung gefunden wird, denn bis dahin sind sie über Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit abgesichert. Thies ist zuversichtlich, eine zeitnahe Lösung zu finden.

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