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Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz : Feierstunde gegen das Vergessen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Pinneberger Kreistag gedenkt der Opfer des Nationalsozialmus: Europa soll mehr Verantwortung für die Welt übernehmen

„Nach Auschwitz ist nichts mehr wie vorher. Deshalb haben wir Lebenden nicht das Recht zu vergessen. Und deshalb verneigen wir uns in Ehrfurcht vor den Opfern.“ Mit diesen Worten beendete Kreispräsident Burkhard Tiemann sein Grußwort. Anlässlich der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 hatte der Pinneberger Kreistag am Dienstagabend zu einer Gedenkveranstaltung eingeladen, zu der zahlreiche Vertreter der politischen, kulturellen, sozialen sowie religiösen Vereine, Verbände und Organisationen in die Drostei gekommen waren.

Gemeinsame Wachsamkeit gefordert

Tiemann ging in seiner Rede nicht nur auf die Grauen ein, die während des Zweiten Weltkriegs an Juden, an Sinti und Roma, an Homsexuellen, an Behinderten und an psychisch Kranken begangenen wurden. Er betonte auch die Wichtigkeit des „Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus’“, als Zeitpunkt, um innezuhalten, sich der Geschichte zuzuwenden, sie nicht zu vergessen und nicht zu verdrängen, um einer Wiederholung vorzubeugen. Er rief zur gemeinsamen Wachsamkeit auf, denn „Neo-Nazis sind in diesem Lande noch oder wieder aktiv“, sagte er. Ein Zeugnis davon sei der Anschlag auf die Pinneberger Synagoge im November vergangenen Jahrens. An Wolfgang Seibert, den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Pinneberg gewandt, fügte Tiemann hinzu: „Seien Sie uns im Kreis Pinneberg willkommen. Wir stehen hinter Ihnen.“

Auch Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg ging in ihrem Grußwort auf die Bedeutung des Gedenktags für zukünftige Generationen ein. Es sei eine ethische und politische Verpflichtung eines Jeden, immer wieder zu fragen, wie es zu den Schreckenstaten des Zweiten Weltkriegs kommen konnte. Diese fortdauernde Auseinandersetzung sei wichtig, für eine Demokratie. Denn auch wenn sich alle einig seien, dass sich die Grauen nie wiederholen sollten, bestimme doch jeder Einzelne die letzte Instanz seines moralischen Handelns. „Das können wir nicht delegieren“, sagte Steinberg und deshalb müsse jeder aus der Geschichte lernen.

Weihbischoff Hans-Jochen Jaschke erwähnte das Versagen der christlichen Kirche. „Die Kirchen haben in einer großen Koalition mit dem deutschen Geist geschwiegen oder sich in Ausreden geflüchtet“ sagte er. Doch es habe Ausnahmen gegeben – Christen, die nicht geschwiegen und dafür ihr Leben verloren hätten. „Heute bleiben wir wach für Unrecht und Schrecken“, sagte Jaschke. Europa sei aus der großen Katastrophe neu auferstanden und habe jetzt ein politisches Verantwortungsbewusstsein für die Welt zu übernehmen. „Wir können uns nicht abschotten“, so der Weihbischoff. Die Einsichten, die Europa und die Deutschen in den vergangenen Jahren neu gewonnen hätten, dürften sie nicht für sich behalten, sondern müssten sie weitergeben.

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erstellt am 29.Jan.2014 | 12:00 Uhr

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