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Stadtfriedhof Pinneberg : Feierstunde anlässlich des Volkstrauertags

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Auf der Suche nach Menschlichkei: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge organisiert die Veranstaltung.

shz.de von
erstellt am 16.Nov.2015 | 10:00 Uhr

Pinneberg | Die terroristischen Anschläge von Paris haben gestern auch den Volkstrauertag geprägt. „Vorüberlegungen, die ich vorgestern zu dieser Ansprache angestellt hatte, wurden in der Nacht zu Samstag zunichte gemacht durch die Anschläge gegen die Menschlichkeit in Paris“, sagte Karl-Uwe Reichenbächer, Pastor der Evangelisch-Lutherischen Christuskirchengemeinde Pinneberg, während der Gedenkfeier in der Kapelle des Pinneberger Stadtfriedhofs.

Während eines Seminars mit Bestattern und Konfirmanden sei das Thema am Sonnabend omnipräsent gewesen. „Der jungen Generation wird ja oft nachgesagt, dass sie nur an Smartphones, Konsum und Vergnügen denkt. Das ist aber nicht so, wie wir nicht nur gestern festgestellt haben“, sagte Reichenbächer. Gerade unter den 13- bis 15-Jährigen habe er das Bedürfnis festgestellt, über den Tod zu reden, sich auszutauschen und Gefühle auszudrücken. „Am heutigen Tag bekunden wir, dass wir nicht genug getrauert haben“, sagte der Geistliche und betonte in Erinnerung an die beiden Weltkriege, aber auch die aktuellen Kriegsgeschehen weltweit: „Verbrechen an der Menschlichkeit verjähren nie.“ Dies gelte sowohl für die Schuld der Täter als auch für die Leiden der Opfer und deren Angehörige. „Die Verbrechen von damals stehen stellvertretend für alle Grausamkeiten gegen Einzelne, Gruppen und Nationen“, so Reichenbächer.

Der Geistliche erinnerte daran, dass bei Volkstrauertagen oft für die lange Zeit ohne Krieg in Europa gedankt worden sei. „Können wir heute noch unbekümmert danken?“, fragte Reichenbächer die etwa 50 Anwesenden aus Politik, Verwaltung und von Vereinen. „Ich bin da im Zwiespalt. Wir sitzen mit den Menschen in Paris in einem Boot, denn unsere Freiheit wurde verletzt“, erläuterte Reichenbächer seine Sichtweise und fuhr fort: „Menschen, die ihr Leben genießen wollten, wurden geplant und eiskalt ermordet.“

Viel Lob für engagierte Bürger

Die „Friedlosigkeit“ der Welt wirke sich direkt auf das alltägliche Leben aus – auch in Europa, Deutschland und Pinneberg. „Viele Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, kenne ich mittlerweile persönlich. Sie sind genau vor diesem Terror geflohen. Sie sind auf der Suche nach Menschlichkeit und geschütztem Leben.“ Reichen-bächer lobte das Engagement in der Betreuung von Flüchtlingen, betonte aber auch: „Bis die Mauer in den Köpfen in Ost und West fiel, dauerte es Jahrzehnte. Vielleicht ist dieser Prozess noch nicht abgeschlossen. Um die Flüchtlinge zu integrieren, brauchen wir auch einen sehr, sehr langen Atem.“ Der Geistliche der Christuskirche rief dazu auf, Nächstenliebe, Zuneigung und Dankbarkeit zu leben.

Nach der Totenehrung legte Reichenbächer zusammen mit Bürgermeisterin Urte Steinberg und Bürgervorsteherin Natalina di Racca-Boenigk (CDU) an der Gedächtnisstätte des Stadtfriedhofs einen Kranz nieder. Zudem legten die Freiwillige Feuerwehr Pinneberg, das Technische Hilfswerk (THW), das Rote Kreuz (DRK), der Bürger- und Schützenverein Pinneberg sowie der CDU Stadtverband Pinneberg Kränze nieder.

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