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Das Gesicht der Liberalen : FDP-Newcomerin Annabell Krämer im Sommerinterview

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

In der dritten Folge der Serie kommt Newcomerin Annabell Krämer (FDP) zu Wort.

Kreis Pinneberg | Vor drei Monaten hat Schleswig-Holstein gewählt. An der Spitze des Landes steht nun Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), der gemeinsam mit Grünen und FDP eine Koalition einging. Fünf Landtagsmitglieder aus dem Kreis Pinneberg gehören jetzt einer an der Regierung beteiligten Partei an – zum Teil weiter wie Erika von Kalben und Ines Strehlau (beide Grüne) oder wieder wie Barbara Ostmeier und Peter Lehnert (beide CDU). Ganz neu dabei ist Annabell Krämer (FDP). In unserer Interview-Serie sprechen wir mit ihnen über ihre politische Motivation, ihren zum Teil neuen Alltag und die bevorstehenden Aufgaben.

Annabell Krämer, am 12. April 1971 in Bad Bramstedt geboren, ist seit 46 Jahren Quickbornerin. Die Mutter zweier Kinder ist studierte Kauffrau und arbeitete zuletzt als Spezialistin für Konzernrechnungswesen. 1998 trat sie der FDP bei, seit Mai 2017 ist sie Mitglied im schleswig-holsteinischen Landtag. Dort ist die Ex-Bürgermeisterkandidatin aus Quickborn Mitglied im Finanzausschuss. Zudem ist Krämer Mitglied im Aufsichtsrat der Stadtwerke Quickborn.

Frau Krämer, Sie sind in diesem Jahr erstmals als Abgeordnete in den Landtag Schleswig-Holstein eingezogen. Worauf freuen Sie sich bei Ihrer Tätigkeit als Parlamentarierin am meisten und vor welchen Aufgaben haben Sie den größten Respekt?
Annabell Krämer: Ich fahre jedes Mal erwartungsfroh und dankbar nach Kiel. Selbst die Staus auf der A7 und in Kiel können hier keinen Abbruch tun. Die Tätigkeiten als Landtagsabgeordnete geben mir die Chance, unser Land mitzugestalten. Dieses ist mit einer großen Verantwortung verbunden. Aus diesem Grund habe ich vor allen Aufgaben, die mit dem Landtagsmandat verbunden sind, großen Respekt.

Sie gehören dem Finanzausschuss des schleswig-holsteinischen Landtags an. Können Sie uns kurz skizzieren, was dessen Aufgaben sind?
Kernaufgaben sind die Beratung des Landeshaushalts und die Kontrolle der Regierung beim Haushaltsvollzug. Gemäß diverser Verordnungen muss die Landesregierung, hier das Finanzministerium, den Finanzausschuss in einer Reihe von Fällen unterrichten und darf erst mit seiner Zustimmung Haushaltsmittel ausgeben. Des Weiteren befasst sich der Ausschuss insbesondere mit den Themen Steuern und Beteiligungen des Landes an Unternehmen. Zudem bin ich Mitglied in der Arbeitsgruppe „Haushaltsprüfung“, die grundsätzlich mit den finanzpolitischen Sprechern der Fraktionen besetzt ist. Hier werden die von der Landesregierung vorgelegte Haushaltsrechnung und die Prüfungsbemerkungen des Landesrechnungshofes beraten und Stellungnahmen für den Landtag erarbeitet. Ergänzend bin ich Mitglied im Beteiligungsausschuss. Hier unterrichten die Finanzministerin und gegebenenfalls der Wirtschaftsminister die finanzpolitischen Sprecher der Fraktionen über die Unternehmensbeteiligungen, die Garantien und Bürgschaften des Landes. Hier steht natürlich insbesondere die HSH Nordbank im Fokus. Die beiden letztgenannten Ausschüsse tagen nichtöffentlich.

Und mit welchem Thema befasst sich der Finanzausschuss aktuell am meisten?
In der letzten Sitzung haben wir den Nachtragshaushalt auf den Weg gebracht, der 15Millionen Euro Sportförderung zum Gegenstand hatte. Dauerhafter Beratungsgegenstand ist die HSH Nordbank.

 

Sie sind Betriebswirtin. Welche Stärken bringen Sie durch diese Ausbildung in Ihre Arbeit als Politikerin mit?
Grundsätzlich glaube ich nicht, dass ein bestimmtes Studium oder eine bestimmte Ausbildung einen besonders befähigt, in der Politik tätig zu sein. Wichtig ist der Wunsch, gestaltend tätig zu sein, die Bereitschaft unregelmäßige Arbeitszeiten und ad hoc Pflichten zu akzeptieren und die Fähigkeit und Bereitschaft mitzubringen, auf die Menschen zuzugehen. Für mich ist es wichtig, mir immer wieder vor Augen zu führen, dass ich eine Dienstleistung erbringe und der Wähler mein Auftraggeber ist. Mein Interesse für die Politik war schon früh vorhanden. Deshalb habe ich auch „Strukturpolitik“ als ein Schwerpunktfach während des Studiums gewählt. Der Grundgedanke der Ordnungspolitik, dass die Freiheit des Einzelnen nicht eingeschränkt werden sollte, so lange die Freiheitsrechte eines anderen Menschen nicht beeinträchtigt werden, hat mich sehr geprägt. Damit verbunden ist das Vertrauen der Liberalen in die Selbstständigkeit des Menschen, sein eigenes Leben unabhängig von Bevormundung und Zwang führen zu können. Ein weiteres Schwerpunktfach während des Studiums war das Rechnungswesen. Dieser Ausbildungsschwerpunkt hat mich beruflich in den Bereich Finanzen geführt und auch zu meiner finanzpolitischen Spezialisierung.

Wie sieht ein typischer Tag in Kiel für Sie aus?
Diese Frage kann ich eigentlich noch gar nicht beantworten, denn Routine ist noch nicht wirklich eingekehrt. Zu Beginn durfte ich gleich an der großen Koalitionsrunde teilnehmen und Mitglied der Arbeitsgruppe Finanzen sein. Die Zeit der Sondierung und Koalitionsverhandlung war sehr spannend. Aufgrund der neuen politischen Verhältnisse standen auch diverse Umzüge im Landeshaus an. Mein endgültiges Büro habe ich zum Beispiel erst vorletzte Woche bezogen. Grundsätzlich startet der Tag mit der Sichtung der umfangreichen Post. Danach tausche ich mich mit meiner Referentin und anderen Kollegen zu aktuellen Themen aus. In der Regel stehen Faktions- oder Koalitionsarbeitskreise an, in denen die Ausschusssitzungen vorbereitet werden. An Tagen, an denen Ausschüsse oder Plenarsitzungen stattfinden, wird ein Teil der Mittagspause für die Bearbeitung von Anfragen und für Terminkoordinationen genutzt. Den Rest der Mittagspause verbringe ich gerne mit einem Fischbrötchen an der Förde. Da sehr viele Sitzungen anstehen, nutze ich diese Zeit gern für ein bisschen Bewegung.

Was war das bislang spannendste Thema, über das Sie politisch entscheiden mussten – egal ob auf Landes- oder Stadtebene?
Nicht gerade das spannendste, aber ein prägendes Thema war der einer Bürgschaftsgewährung. Zu Beginn meiner politischen Tätigkeit vor knapp 20 Jahren habe ich als Neuling nicht den Mut gehabt, mich gegen eine kommunale Bürgschaft zu stemmen, obwohl ich bereits damals das Gefühl hatte, dass der Begünstige den Schuldendienst nicht würde stemmen können. Heute spreche ich Bedenken bei Sachverhalten mit großer finanzieller Tragweite deutlicher aus – auch wenn es nicht populär ist. Spannend war auf kommunaler Ebene die mit allen Fraktionen bereits sehr früh getroffene Entscheidung, ein Glasfasernetz in kommunaler Eigenregie aufzubauen. Dieses hat sich im Nachgang als zukunftsweisend erwiesen. Oft ist es das Spannendste zu hoffen und darauf hinzuwirken, dass die eigene Position mehrheitsfähig wird.

Wie möchten Sie als Landtagsabgeordnete dafür sorgen, dass Sie weiter einen guten Kontakt zu den Bürgern aus Ihrem Wahlkreis halten?
Bürgernähe ist sehr wichtig! Wir können uns in Kiel nur für Belange einsetzten, die uns bekannt sind. Hierfür ist es auch wichtig zu wissen, wo kommunal der Schuh drückt. Aus diesem Grund bin ich weiterhin Ratsfrau und Fraktionsvorsitzende der FDP in Quickborn.

 

Wie sieht ein typischer Tag in Ihrem Wahlkreis aus?
Im Normalfall habe ich nicht durchgängig Termine. Ich freue mich jedoch, dass mittlerweile immer mehr Bürger mit ihren Sorgen und Wünschen auf mich zukommen. Ich versuche immer zu vermitteln, dass wir uns nur um Sachverhalte kümmern können, die uns bekannt sind. Ich bearbeite Anfragen, versuche zwischen Bürgern und Behörden zu vermitteln, mache Ortsbegehungen und besuche Bürger sowie Firmen, Vereine und Verbände. Da die Termine in der Regel nicht tagfüllend sind, lese ich an diesen Tagen die Ausschussunterlagen zu Hause und bereite mich auf die Sitzungen vor.

Sie sind im vergangenen Jahr als Gegenkandidatin von Thomas Köppl (CDU) bei der Bürgermeisterwahl in Quickborn angetreten. Mit 49,2 Prozent der Stimmen haben Sie das Rennen um den Posten knapp verloren. Haben Sie durch den vorangegangenen Wahlkampf etwas für Ihren Wahlkampf bei der Landtagwahl gelernt?
Es ist richtig und wichtig die Bedarfe der Bürger zu kennen, um Programme und Ideen glaubhaft zu vermitteln. Ein Politiker hat die Sorgen, Nöte und Wünsche seiner Wähler ernst zu nehmen. Wir dürfen nie vergessen, dass der Wähler unser Auftraggeber ist. Die Bürgermeisterwahl hat mir gezeigt, dass unsere Bürger es honorieren, wenn Bürgernähe nicht nur eine Floskel ist, sondern ernsthaft praktiziert wird. Dieses wurde mir durch mein tolles Erststimmenergebnis bei der Landtagswahl bestätigt. Viele unserer Bürger vertrauen mir. Das macht mich stolz und zeigt mir, dass der eingeschlagene Weg richtig ist.

Sie sind seit fast 20 Jahre FDP-Mitglied und waren lange Zeit im Quickborner Stadtrat. Gibt es außer der Politik noch weitere Bereiche, in denen Sie sich engagieren? Womit verbringen Sie Ihre Freizeit?
Bei dieser Frage muss ich zunächst schmunzeln. Es gibt viele Dinge, die ich gern unternehme. Ich gehe gern mit meinen Kindern schwimmen, besuche Fußballspiele, liebe es zu lesen und kann wunderbar beim stundenlangen Unkrautrupfen entspannen. Leider kann ich nichts in dem Umfang ausüben, wie ich es gern machen würde. Es fehlt einfach die Zeit.

Angenommen, Sie hätten einen Wunsch frei. Wie lautete der?
Ich bin unverschämt und äußere zwei Wünsche: An erster Stelle Gesundheit für meine Familie und Freunde, und es wäre schön, wenn der Tag ein paar Stunden mehr hätte, um allen und allem gerecht werden zu können.

Mit wem würden Sie gern – vielleicht auch nur für einen Tag – tauschen?
Mit einem Vogel, denn wie es ist, fliegen zu können, würde ich gern einmal erleben. Allerdings sollte es ein großer Gleiter sein, damit ich nicht am Ende des Tages von meinen eigenen Katzen gefressen werde.

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