Abschied ohne Bedauern : „Farben-Kegel“ im Quellental macht dicht

Hans-Jürgen Kegel freut sich bereits auf seine Rente. Er möchte viel Reisen und Motorrad fahren.
Hans-Jürgen Kegel freut sich bereits auf seine Rente. Er möchte viel Reisen und Motorrad fahren.

Mit dem „Farben-Kegel“ im Quellental verschwindet Ende des Monats der letzte Laden seiner Art aus Pinneberg. Eigentümer geht in Rente.

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15. Juni 2015, 10:00 Uhr

Pinneberg | Ein Farbengeschäft mit integrierter Post. So etwas hat Seltenheitswert. In Pinneberg gibt’s das. Seit vier Jahrzehnten führt Hans-Jürgen Kegel sein Geschäft an der Richard-Köhn-Straße/ Ecke Bodderbarg. Es ist eine Institution in der Kreisstadt. Doch Ende Juni ist nun Schluss mit dem „Farben-Kegel“. Der 67-Jährige geht in den Ruhestand. Einen Nachfolger gibt es nicht.

Als der gebürtige Pinneberger seinen Laden 1975 eröffnete, sah die Welt hierzulande noch anders aus. „Es gab alleine in Pinneberg sechs Farbenläden. Über die Jahre hinweg bin nur ich übrig geblieben“, erzählt er. Die Konkurrenz durch Baumärkte habe für das schleichende Verschwinden gesorgt.

Besonders viel Wehmut ist aus seinen Worten nicht herauszuhören. Kegel ist mit sich im Reinen. Den Gang in die Rente hat der gelernte Maler, der sich nach einer Tätigkeit als Farbenverkäufer selbstständig gemacht hat, lange vorbereitet. Noch bis Ende dieses Monats werden die letzten Farben, Tapeten, Rollos und Fußbodenbeläge verkauft. Die seit acht Jahren integrierte Post, um die sich Kegels Ehefrau Angelika hauptsächlich kümmert, zieht dann in den Zeitschriftenladen in der Edeka-Filiale in der Saarlandstraße um.

Dass der Schlussstrich irgendetwas mit den langen und für viele Anwohner wie Geschäfteinhaber zermürbenden Straßenbaumaßnahmen in der Richard-Köhn-Straße zu tun hat, bestreitet der 67-Jährige energisch. Der Entschluss sei vorher gefallen. „Natürlich hatten wir gerade bei der Post in dieser Zeit Umsatzeinbußen von annähernd 30 Prozent. Aber letztlich war die Verschiebung der Kanalarbeiten, die ja ursprünglich im August letzten Jahres beginnen sollten, sogar gut für uns. Denn so haben sie uns nicht mit voller Härte getroffen“, schildert er.

Mit der Aufgabe ihres Geschäfts beginnt für Kegel und seine Frau nun ein neuer Lebensabschnitt. Früh aufstehen, nie nach sieben Uhr, will der 67-Jährige weiterhin, allerdings falle der Arbeitsweg von Elmshorn, wo das Ehepaar wohnt, nach Pinneberg weg. Und an Hobbys und Zukunftsplänen mangele es ohnehin nicht. Schon gleich im kommenden Monat soll es mit dem Wohnmobil nach Nordeuropa gehen. Außerdem besitzt Kegel diverse Oldtimer, darunter einen Hanomag Trecker und ein Motorrad der Marke „Reh“ mit einem in Pinneberg hergestellten Ilo-Motor. „Außerdem haben wir nun endlich mehr Zeit für unseren Garten“. „Langweilig“, fügt er an, „wird uns nicht.“

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