„Fang’ bei Vater Staat an“

Von 1986 bis 2018  im selben Büro: Uwe Grünefeldt in seinem Reich im zweiten Rathausstockwerk.
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Von 1986 bis 2018 im selben Büro: Uwe Grünefeldt in seinem Reich im zweiten Rathausstockwerk.

Von 1986 bis 2018: Halstenbeks Büroleitender Beamter Uwe Grünefeldt geht in Altersteilzeit / Lehre ab 1970 in Pinneberg

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17. April 2018, 16:00 Uhr

An die Nacht zum 5. Februar 1997 erinnert sich Uwe Grünefeldt genau. „Es war stürmisch. Mit dem Fahrrad fuhr ich noch abends an der Sporthalle vorbei.“ Wenige Stunden später stürzte das gläserne Kuppeldach des 15,6 Millionen Mark teuren Prestigebaus – das legendäre Knickei – in sich zusammen. Pfusch an der Statik, wie sich später herausstellte. Dass im Juni 1998 die Konstruktion zum zweiten Mal nachgab, sorgte für einen Ausnahmezustand, wie es ein Büroleitender Beamter wie Grünefeldt keinem wünscht. Es ist ein Moment des Erlebten von vielen während einer jahrzehntelangen Beamtenlaufbahn in der Verwaltung. Gestern zog der 63-Jährige Bilanz.

Denn es heißt für ihn: Nach 48 Jahren Berufsleben lockt das Private. „Passivphase Altersteilzeit“, sagt Grünefeldt ohne Pathos. Darauf freue er sich. Auf die Zeit mit der Familie. Ehefrau, Kinder, Enkelkinder. Auf Reisen in ferne Länder, das Tennisspielen mit seinem Team der Herren 55 und Konzertbesuche.

Denn eine so lange Leidenschaft im Job – vom Start der Lehre 1970 in Pinneberg bis zum Büroleiter von 1986 bis kommenden Montag in Halstenbek – fordert auch manchmal Verzicht auf Privates.

Doch missen möchte er keinen Tag. Und ist seinem Vater dankbar: „Als ich mit 15   Jahren die Realschule in Halstenbek mit Kurzschuljahren verließ, riet er mir zu einer Lehre mit den Worten ‚Mach’ was Vernünftiges. Fang bei Vater Staat an.‘“

Seine erste Station nach drei Azubi-Jahren? „Die war im Pinneberger Standesamt. Geburtsurkunden an der Schreibmaschine ausfüllen. Vertippen bedeutete, nochmal von vorn“, erinnert sich Grünefeldt schmunzelnd. 1974 schielte er dann nach Süden: „In Halstenbek war die Stelle eines Personalsachbearbeiters frei. Noch ohne Beamtenverhältnis. Die neunmonatige Ausbildung zum Inspektorenanwärter erfolgte dann 1977.“ Ein Schritt, den Grünefeldt nie bereute. Der Weg zu mehr Verantwortung war geebnet. Die ließ nicht lange auf sich warten. „Von 1978 bis 1986 folgte eine bewegte Zeit im Ressort Liegenschaften im Rathaus“, beschreibt das aktive Tennis-Ass seine weitere Laufbahn. Denn in diesen Zeitabschnitt – 1979 – fiel der Kauf des Krupunder Sees durch die Gemeinde. Die Begehrlichkeiten durch DLRG, Angler, Anwohner und Bauherrn hat Grünefeldt verwaltungstechnisch verantwortlich begleitet. Wohl so nachdrücklich, dass der damalige Bürgermeister Gerhard Flomm (1979-1989) Grünefeldt als künftigen Büroleitenden Beamten empfahl.

Stichwort Bürgermeister: Grünefeldt hat unter Wilhelm Kelting (1959-1979), Flomm, Bruno Egge (1989-2007), Linda Hoß-Rickmann (2007-2017) und Claudius von Rüden (seit 2017) „gedient“. Alle seien sehr unterschiedlich gewesen. „Aber ich bin mit allen gut ausgekommen“, betont Grünefeldt sein Verhältnis zu den Rathauschefs.

Über die Jahrzehnte habe sich selbstverständlich viel verändert. EDV, klar. Und: Gab es 1986 etwa 40 Mitarbeiter, denen Grünefeldt als Personalchef vorstand, sind es heute 65 im Haus. „Zählt man Kita, Schule und Bücherei dazu, sind es etwa 200“, sagt der Leiter des Inneren Service’.

Auf die Idee eines Tapetenwechsels sei er nie gekommen. „Ich war in Halstenbek zufrieden und glücklich. Wir sind ein nettes Team, wo jeder Ideen einbringen kann.“ Das zweimalige Angebot, sich auf den Bürgermeisterjob zu bewerben, dürfte ihm aber schon geschmeichelt haben.

Ideen will er ab dem 24.   April eventuell weiter pflegen. „Ehrenamt ja, aber nicht in einem politischen.“ Seinem Prinzip der Neutralität will er treu bleiben.

Am Montag, 23. April, wird Uwe Grünefeldt während der Ratssitzung ab 19 Uhr, Mensa der Schule an der Bek, offiziell verabschiedet.

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