DKMS-Spenderaufruf : Familienvater an Krebs erkrankt: Jens Imbeck-Schlegel sucht weiter nach einem Lebensretter

Glücklich wieder zuhause zu sein: Jens Imbeck-Schlegel (60) ist zurück aus dem Krankenhaus. Die letzte Chemotherapie war nicht erfolgreich. Nun hofft er auf einen Stammzellenspender.
Glücklich wieder zuhause zu sein: Jens Imbeck-Schlegel (60) ist zurück aus dem Krankenhaus. Die letzte Chemotherapie war nicht erfolgreich. Nun hofft er auf einen Stammzellenspender.

Der Pinneberger ist an Leukämie erkrankt und braucht dringend eine Stammzellen-Transplantation – noch ist kein Spender gefunden.

Deborah Dillmann - Presseausweis.JPG von
26. Juni 2020, 12:45 Uhr

Pinneberg | Die Chemotherapie schlägt nicht mehr an. Jetzt kann nur noch eine Stammzellenspende sein Leben retten. Jens Imbeck-Schlegel wurde im März mit Leukämie diagnostiziert – zudem mit einer seltenen und aggressiven Form. „Das war natürlich ein ziemlicher Schock“, sagt der zweifache Familienvater aus Pinneberg.

Aber es kam noch schlimmer: Auf der Krebsstation des Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) infizierte sich der 60-Jährige mit Covid-19.

Ich habe gedacht, jetzt sterbe ich. Mein Immunsystem war da ja schon runtergefahren durch die erste Chemotherapie. Und da hab ich tatsächlich gedacht: Jetzt ist Schluss. Jens Imbeck-Schlegel
 

Eine Woche hat der Diplom-Psychologe auf der Intensivstation mit Fieber und Luftnot gekämpft. Dann die Entwarnung – zumindest die erste: Er hat das Virus überwunden. Und: „Mein Körper hat sogar Antikörper gebildet. Das war so der Sechser im Lotto.“

Weiterlesen: Stammzellenspende für Familienvater aus Pinneberg gesucht

Imbeck-Schlegel hat aber noch einen weiteren Kampf vor sich, denn überstanden hat er seine Krankheit noch lange nicht. Die Chemotherapie habe schon im ersten Anlauf nicht das erwünschte Ergebnis erzielt und die dritte überhaupt keinen Rückgang der Krebszellen mehr bewirkt, sagt seine Frau Andrea Schlegel.

Andrea Schlegel ruft Menschen dazu auf sich als potentielle Spender bei der DKMS zu registrieren. Das könne nicht nur ihrem schwer kranken Ehemann helfen den Blutkrebs zu besiegen, sondern auch anderen Erkrankten.
Privat

Andrea Schlegel ruft Menschen dazu auf sich als potentielle Spender bei der DKMS zu registrieren. Das könne nicht nur ihrem schwer kranken Ehemann helfen den Blutkrebs zu besiegen, sondern auch anderen Erkrankten.

Letzte Hoffnung: Stammzellen-Transplantation

Seit vergangener Woche ist der 60-Jährige wieder zuhause, um Kraft für die Stammzellen-Transplantation zu tanken. Die ist unumgänglich und für Anfang Juli geplant. Einen idealen Spender gibt es allerdings noch nicht. Der müsste in zehn von zehn Merkmalen mit dem 60-Jährigen übereinstimmen. „Sie haben jetzt in Chile einen gefunden, der neun von zehn hat“, sagt Schlegel. Das ist eher eine Notlösung. Für ihren Mann heißt das:

Ich werde mit Nebenwirkungen rechnen müssen. Also mit Autoimmunreaktionen zum Beispiel. Jens Imbeck-Schlegel
 

Registrierungsaufruf der DKMS

Um die Suche nach einem Menschen mit nahezu identischen Gewebemerkmalen zu unterstützen, rufen die Familie und Freunde gemeinsam mit der DKMS, ehemals Deutsche Knochenmarkspendedatei, weiter dazu auf, sich als Stammzellenspender zu registrieren. Seine Kinder Lea (19) und Rasmus (15): „Wir hoffen einfach, dass sich viele Menschen registrieren lassen, damit unser Papa wieder gesund wird.“

Bislang sind dem etwa 460 Menschen gefolgt, sagt Stefanie Doss von der DKMS. „Es haben sich viele Leute registriert“, ergänzt Schlegel erfreut über die Resonanz. Aber:

Die Leute müssen die Stäbchen auch zurückschicken, sonst nützt das nämlich gar nichts. Andrea Schlegel
 

Spender werden - so funktioniert's und das kommt auf einen zu

Wie läuft die Registrierung ab? Aufgrund der Corona-Pandemie erfolgt die Registrierung  derzeit online.  Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann sich das Registrierungsset über  www.dkms.de/Jens  nach Hause bestellen. Mithilfe von drei medizinischen Wattestäbchen und einer genauen Anleitung  kann jeder selbst einen Wangenschleimhautabstrich vornehmen und das Set danach per Post zurücksenden, damit die Gewebemerkmale im Labor bestimmt werden können.

Das ist besonders wichtig: Die Wattestäbchen müssen nach dem erfolgten Wangenschleimhautabstrich zeitnah zurückgesendet werden. Erst wenn die Gewebemerkmale im Labor bestimmt wurden, stehen Spender für den weltweiten Suchlauf zur Verfügung.  Die Rücksendequote liegt derzeit bei nur 60 Prozent – zu wenig findet Stefanie Doss von der DKMS, die Jens Imbeck-Schlegel bei der Suche nach seinem Lebensretter unterstützt.

Wie werden die Stammzellen entnommen? Es gibt zwei mögliche Verfahren: Bei der peripheren Stammzellentnahme (Apherese) – einem Verfahren, das in rund 80 Prozent der Fälle angewendet wird – werden die Stammzellen der Blutbahn entnommen. Das dauert drei bis fünf Stunden, in seltenen Fällen ist eine Nachspende notwendig. Der Spender kann die Entnahmeklinik noch am selben Tag verlassen. Die Knochenmarkentnahme aus dem Beckenknochen findet heute in  20 Prozent der Fälle statt. Dabei wird dem Spender unter Vollnarkose mit einer Punktionsnadel Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenkamm entnommen. Darin befinden sich rund fünf Prozent des Gesamtknochenmarks, das sich innerhalb von etwa zwei bis vier Wochen wieder vollständig im Körper regeneriert. Für die Entnahme genügen in der Regel zwei kleine Einschnitte im Bereich des hinteren Beckenknochens. Das Risiko beschränkt sich im Wesentlichen auf die Narkose. Anschließend sollte der Spender nach Rücksprache mit der Entnahmeklinik zur Erholung für ein paar Tage zu Hause bleiben.

Was sonst noch möglich ist: Auch Geldspenden helfen, denn für jede Neuaufnahme entstehen der DKMS Kosten in Höhe von 35 Euro. DKMS-Spendenkonto: DE64 641 500 200 000 255 556; Verwendungszweck: LPS 268.

 

Drei Monate in Isolation

Im Moment ist Imbeck-Schlegel zur Kontrolle und für Infusionen zweimal die Woche im Krankenhaus. Dann darf er wieder nach Hause zu seiner Familie. Für ihn ein enormer Gewinn, denn während der vorigen drei Monate im Krankenhaus war er isoliert, durfte keinen Besuch empfangen.

Es ist einfach zermürbend, wenn man nie jemanden sieht. Sprechen konnten wir zwar übers Telefon, aber menschliche Nähe hat komplett gefehlt. Eine heftige Zeit. Jens Imbeck-Schlegel
 

Auch zurück in Pinneberg ist nicht alles wieder beim Alten. Zu viel Nähe ist verboten. Dafür ist die Ansteckungsgefahr zu groß und Imbeck-Schlegels Abwehrkräfte zu schwach. „Umarmen und Küssen, das dürfen wir nicht. Aber einfach beieinander zu sein, zusammen zu essen, das genießen wir schon sehr“, sagt Schlegel. Und weiter:

Ich glaube, wir haben das bisher nur so durchgehalten, weil wir zusammenhalten. Als Familie und mit den Freunden. Alle sind einfach ganz nett und kümmern sich. Andrea Schlegel
 

Der gleichen Meinung ist auch ihr Mann: „Mir ist wirklich klar geworden, wie wichtig mir meine Familie und meine Freunde sind. Und wie wichtig ich Beziehungen finde – und dass alles andere, wie Stress im Job, alles so Kleinkram ist. Das, was mich vorher gestresst hat, hat für mich jetzt gar nicht mehr diese Wichtigkeit, merke ich. Und das ist auch wieder etwas sehr Beruhigendes.“

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