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Pinneberger Tageblatt

17. Dezember 2017 | 15:40 Uhr

Familienkredit statt Vollzeitjobs

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Professor Manfred Drews betont, Deutschland brauche mehr Kinder / 40- bis 60-Jährige sollten ihren Nachwuchs finanziell unterstützen

shz.de von
erstellt am 15.Jan.2014 | 16:00 Uhr

Als Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) in der vergangenen Woche andeutete, dass sie sich eine 32-Stunden-Woche für junge Familien vorstellen könne, wurden zahlreiche kritische Stimmen laut. Manfred Drews aus Tornesch, emeritierter Professor am Institut für Betriebswirtschaft und Marktforschung der Bundesforschungsanstalt für Ernährung in Kiel, vertritt jedoch die Meinung, „dass viele, wenn nicht sogar alle vernünftigen Argumente für diesen Vorschlag sprechen, zumindest was die Richtung betrifft“. Daher wandte er sich gestern mit einem Schreiben an diese Zeitung.

In seiner aktuellen Studie „Freiheit für Familie – Ihr Weg aus Deutschlands Armutsfalle“ hat Drews sich mit dem aktuellen Geburtenrückgang in Deutschland auseinandergesetzt und seine Lösung vorgestellt, um diesem entgegenzuwirken. Denn für den 82-jährigen Vater von vier Kindern sei klar, dass Kinder nötig seien, um den Wohlstand der Gesellschaft zu erhalten.

„Das einzige, was mit Sicherheit nicht an Wert verliert und leistungsfähig bleiben wird, sind die eigenen Kinder“, schreibt Drews. Er kritisiert, dass es in zahlreichen Diskussionen darum gehe, jungen Eltern möglichst schnell den Wiedereinstieg in den Beruf zu erleichtern. Doch Drews meint: „Die Freiheit des unregulierten Wettbewerbs hält uns ein Leben lang in der Unfreiheit der
40 Stunden-Woche gefangen, sodass wir nicht einmal Zeit für Nachwuchs haben.“

Durch technischen Fortschritt wären zahlreiche Arbeitsschritte inzwischen erleichtert worden. Man brauche weniger Arbeitskräfte, um die für den Wohlstand notwendigen Produkte zu schaffen und der Markt sei eigentlich gesättigt, schreibt Drews. Eine Konsequenz wäre, die Arbeitszeit aller zu reduzieren, doch das werde nicht gemacht. Stattdessen seien zahlreiche Maßnahmen der Bundesregierung darauf angelegt, die Konjunktur dadurch anzukurbeln, dass man möglichst viele Menschen in Erwerbstätigkeit bringe, um jetzt höhere Einnahmen zu erwirtschaften. „Man kann es auch ‚Ausbeutung statt Nachhaltigkeit‘ nennen“, so Drews.

Statistische Daten würden belegen, dass vollerwerbstätige Frauen durchschnittlich weniger Kinder hätten als Teilzeitbeschäftigte Frauen. Daraus folgert Drews: „Wir brauchen in der Rushhour unseres Lebens, also in der generativen Phase vom 20. bis zum 40. Lebensjahr mehr Zeit für Familie anstelle der Erwerbsarbeit.“ Dass die deutsche Politik zu Schritten gelange, mit denen dieses Ziel erreicht werden könne, halte Drews jedoch für unwahrscheinlich. Er fordert deswegen, dass „jeder für sich im Generationenverbund mit der eigenen Familie den Weg geht“.

Da sich langfristige Anlagen aufgrund des niedrigen Zinssatzes nicht lohnen würden, schlägt Drews vor, dass die Generation der 40- bis 60-Jährigen ihre eigenen Kinder finanziell unterstützen solle, damit diese ihre Arbeitszeit reduzieren können, um eigene Kinder zu erziehen. Dieser zinslose Familienkredit solle nach zirka 20 Jahren zurückgezahlt werden, wenn die Kreditgeber in Rente gehen. Was getan werden sollte, wenn für den Familienkredit keine finanziellen Mittel da seien, beschreibt Drews nicht. Und er bezieht sich bei der Arbeitszeitreduzierung auf Deutschland, auch wenn er schreibt, dass es hilfreich wäre, „wenn sich beizeiten auch andere Volkswirtschaften anschließen würden“.

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