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Aus Hilfe wurde Freundschaft : Familie sammelte in den 1990er Jahren für russischen Jungen

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Familie Dreier sammelte in den 1990er Jahren Spenden für einen herzkranken russischen Jungen. Bis zum heutigen Tage besteht der Kontakt mit der Familie.

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erstellt am 26.Aug.2015 | 14:00 Uhr

Pinneberg | Ein Paket mit einer Lebensmittelspende, die 1990 über den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) nach Russland geschickt wurde, verbindet die Familie Burmistrov in St. Petersburg und Familie Dreier in Pinneberg. Noch immer ist der Kontakt zwischen den Familien eng. „Es ist ein bisschen so, wie zwischen Schwestern oder Enkeln, wenn es Neuigkeiten gibt, sprechen wir miteinander“, sagt Bärbel Dreier. Gerade kommt Ehepaar Dreier aus St. Petersburg wieder. Der Anlass der Reise: Die Hochzeit von Vera, der Tochter der Burminstrovs.

In den 1990er Jahren geht es vor allem um Gury, das älteste Kind der Burmistrovs, wenn die Familien Kontakt miteinander haben. Mit einem lebensbedrohlichen Herzfehler auf die Welt gekommen schätzen Experten seine Lebenserwartung nur noch auf weitere zwei Jahre. Der damals Vierjährige hat statt eines Zwei-Kammer-Herzens nur eine Herzkammer. Dadurch wird das Herz ständig überlastet und kann nicht genug Sauerstoff durch den Kreislauf transportieren.

Die lebensrettende Operation, die weltweit nur von wenigen Spezialisten gemacht werden kann: Viel zu teuer für die russische Familie. Die Eltern arbeiten als Kunstmaler. Zwischen den St. Petersburgern und Pinnebergern entsteht Kontakt, weil die Dreiers in ein Hilfspaket mit Grundnahrungsmitteln einen Zettel mit der Adresse gelegt haben. „Igor hat uns dann geschrieben“, sagt Bärbel Dreier. Kurze Zeit später macht Sohn Oliver eine Klassenreise nach St. Petersburg. Mit einem Lehrer besucht er die Burmistrovs und berichtet zuhause in Pinneberg von den blauen Fingern und Lippen des kleinen Gury.

Für Bärbel Dreier steht nun erst recht fest: Da muss geholfen werden: „Wenn einer in Not ist und man helfen kann, dann sollte man das tun.“

Die Dreiers fangen an Spenden für die lebensrettende Operation zu sammeln. „Es kam eins zum anderen“, sagt Bärbel Dreier. Zur Spendensammlung holen sie den Lions Club Pinneberg mit ins Boot. „Als Privatperson konnte ich ja schließlich keine Spendenbescheinigung ausstellen“, sagt Bärbel Dreier. Der Verein hilft nicht nur mit einem Spendenkonto, sondern auch bei der Spendensammlung.

Hilfe für Russland: Bärbel und Horst Dreier sammelten Spenden für den kleinen Gury. (Foto: Meyer)
Hilfe für Russland: Bärbel und Horst Dreier sammelten Spenden für den kleinen Gury. (Foto: Meyer)
 

Insgesamt 120.000 DM kommen innerhalb von zwei Jahren zusammen. Von Privatpersonen, Firmen und auch Spendenaktionen an Schulen kommt Hilfe. Es werden Spendendosen aufgestellt. Das gesammelte Geld wird für die Krankenhausaufenthalte, Flüge und Medikamente genutzt. Der Kontakt zu einem Kölner Herzspezialisten, Professor Rainer de Vievie, kommt ebenfalls über den Lions Club. „Die Hilfsbereitschaft war enorm“, sagt Bärbel Dreier rückblickend. Noch immer sei die Familie Burmistrov den Pinnebergern für die Hilfe für ihr Kind sehr dankbar.

Nach der notwendigen Operation 1992, die eigentlich gut verlaufen war, wacht Gury nicht auf. Der Junge muss an die Herz-Lungen-Maschine. Die Ärzte sagen Gurys Mutter Marina und den Dreiers, dass es nicht gut aussieht und der Vater kommen solle. Auf dem Weg zum Flughafen, um Igor Burmistrov abzuholen, erhalten die Dreiers die Nachricht: Gury ist über den Berg.

Trotzdem benötigt der Junge knapp ein Jahr später einen Herzschrittmacher, auch dieser kann aus den Spenden finanziert werden. Auch diesen Eingriff, diesmal in der Charité in Berlin übersteht Gury gut. Danach kann er genau wie andere Kinder in seinem Alter Sport treiben, schwimmen, spielen. Die Medikamente, die er jeden Tag einnehmen muss, schicken die Dreiers direkt nach St. Petersburg.

Vor zehn Jahren, nachts, ein Anruf. „Wir hatten schon geschlafen, da riefen sie an und erzählten uns, dass Gury an einem Herzinfakt gestorben ist. Er hatte keine Chance mehr“, sagt Bärbel Dreier. Es würde sie immer noch sehr berühren. Auch die Bereitschaft zu Helfen sei berührend. „Es ist doch toll, wenn die Hilfe ankommt. Egal ob beim direkten Gegenüber, oder in Russland“, sagt Bärbel Dreier.

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