Trauma-Ambulanz Westholstein : Fallzahlen steigen – „Ein Boom, der uns Schachmatt setzt“

So bewirbt der Verein Wendepunkt die Trauma-Ambulanz Westholstein in Elmshorn mit einem Flyer.
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So bewirbt der Verein Wendepunkt die Trauma-Ambulanz Westholstein in Elmshorn mit einem Flyer.

Die Trauma-Ambulanz in Elmshorn hat 2014 bereits 70 Fälle verzeichnet. Der Verein Wendepunkt gerät in Finanzierungsnot.

shz.de von
11. April 2014, 06:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Die Trauma-Ambulanz Westholstein in Elmshorn boomt. Seit Anfang des Jahres sind in der Einrichtung, die vom Verein Wendepunkt gemeinsam mit den Regio-Kliniken 2013 ins Leben gerufen wurde, 70 Fälle aufgelaufen. Im gesamten vergangenen Jahr waren es nur 77 Fälle.

„Es ist ein Boom, der uns Schachmatt setzt“, sagte Vereinsgeschäftsführerin Ingrid Kohlschmitt, während sie die Zahlen aus dem Tätigkeitsbericht 2013 vorstellte. Grund dafür: Noch immer ist die Finanzierung nicht geklärt. Nur wenige Fälle können derzeit durch das Land über das Opferentschädigungsgesetz abgerechnet werden. Bereits jetzt seien schon „nicht mehr finanzierte Fälle dabei“. Sie verdeutlichte: „Wir sind unbedingt und dringend auf Spenden angewiesen.“ Ihre Hoffnung setze sie auch auf die neue Regierung. Deutlich machte sie jedoch: Niemand müsse sich Sorgen machen, keine Hilfe zu erfahren.

Zum Arbeitsumfang erläuterte sie, dass der Fall der getöteten 18-jährigen Lisa Marie B. aus Tornesch lediglich als einer gewertet wurde. „Ich weiß gar nicht, mit wie vielen Kindern wir da gesprochen haben.“ Die Klassen von Opfer und Täter hätten Betreuung gebraucht, die Feuerwehrgruppe, die Eltern und Lehrkräfte. „Alle hatten Gesprächsbedarf darüber, mit einem mutmaßlichen Mörder gesprochen und es nicht gemerkt zu haben.“

In Deutschland seien Kinder und Jugendliche Jahr für Jahr in ganz erheblichem Ausmaß sehr belastenden Lebensereignissen wie Missbrauch, schwerer Vernachlässigung, sexueller oder häuslicher Gewalt , schweren Unfällen, Krankheiten oder schweren psychischen Erkrankungen eines Elternteils ausgesetzt. Wichtig sei es, die Betroffenen zu stabilisieren, so Kohlschmitt. „Durch die Arbeit der Trauma-Ambulanz kann in 80 Prozent der Fälle vermieden werden, dass es zu Traumafolgen kommt.“ Dabei helfen die Kinder- und Jugendpsychiatrie der Regio-Kliniken, des UKE und ab Sommer voraussichtlich auch Fachleute aus der Erwachsenenpsychiatrie aus dem Kreis Steinburg.

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