Bürgermeisterwahl in Tornesch : Fachfrau schlägt Quereinsteiger: Sabine Kählert folgt auf Roland Krügel

Sabine Kählert (parteilos) hat am Sonntag die Stichwahl um das Bürgermeisteramt mit 58,8 Prozent der Stimmen gewonnen.
Sabine Kählert (parteilos) hat am Sonntag die Stichwahl um das Bürgermeisteramt mit 58,8 Prozent der Stimmen gewonnen.

Der Verlierer Bernhard Janz wünscht Sabine Kählert alles Gute für ihre Amtszeit. Mit Kommentar.

shz.de von
28. Mai 2018, 14:00 Uhr

Tornesch | Am Ende waren es mehr als 900 Stimmen Vorsprung: Mit deutlichem Abstand hat Sabine Kählert die Stichwahl um das Bürgermeisteramt der Stadt Tornesch für sich entscheiden können. Mit dem Sieg gegen Bernhard Janz (CDU) tritt die parteilose Kandidatin die Nachfolge von Roland Krügel (CDU) an, der nach 32 Jahren an der Verwaltungsspitze in den Ruhestand geht. Doch der gestrige Wahltag kannte einen weiteren Gewinner: Die Bürgermeisterdirektwahl als Form der politischen Mitbestimmung. Denn mit fast 47 Prozent lag die Wahlbeteiligung deutlich höher als erwartet.

Richtung vorgegeben

Exakt 18.16 Uhr zeigte die Uhr, als der erste Stimmbezirk ausgezählt war. Und der Wahlbezirk „Awo-Wohnpflege 1“ sollte direkt die Richtung für den Wahlabend vorgeben. 60,9 Prozent der Wähler hatten in dem Wahllokal an der Friedrichstraße ihr Kreuz bei Kählert gemacht. Eine deutliche Führung, die die parteilose Kandidatin nicht mehr aus der Hand gab. Denn die weiteren Ergebnisse aus den Stimmbezirken bestätigten die erste Tendenz. Und so gratulierte Janz der Siegerin bereits bevor das vorläufige Endergebnis feststand zu ihrem Erfolg bei der Stichwahl. Zu klar war der Wille der Tornescher Wähler.

Beifall gab es für Wahlsiegerin Sabine Kählert als der letzte von 13 Wahlbezirken ausgezählt war.
Bastian Fröhlig
Beifall gab es für Wahlsiegerin Sabine Kählert als der letzte von 13 Wahlbezirken ausgezählt war.
 

„Es hat nicht sollen sein“, sagte Janz. Zwei Systeme hätten zur Wahl gestanden, so der 55-Jährige. „Weiter so oder Veränderung.“ Und die Tornescher hätten sich eindeutig entschieden. „Das finde ich schade“, sagte der CDU-Kandidat. Er sei zwar enttäuscht, doch ein klares Ergebnis sei besser, als wenn der Sieger lediglich wenige Stimmen Vorsprung hätte, betonte der 55-Jährige. „Ich hoffe, dass Frau Kählert in Tornesch etwas bewegen kann und wünsche ihr alles Gute“, sagte Janz.

Strahlende Siegerin

Die 57-jährige Kählert strahlte über das ganze Gesicht. „Ich bin überwältigt darüber, dass mir so großes Vertrauen entgegengebracht wurde“, sagte sie. Das Ergebnis sei gleichzeitig eine Verpflichtung, betonte Kählert. „Jetzt gilt es, die Ärmel hochzukrempeln und die Stadt im Sinne der Bürger zu gestalten.“ Dafür wolle sie sich mit Herz und Kompetenz einsetzen. Die 57-Jährige freute sich insbesondere darüber, dass ihr Vertreter aller politischen Parteien gratuliert und eine gute Zusammenarbeit versprochen hätten.

Bürgermeister Roland Krügel (CDU) gratulierte seiner Nachfolgerin Sabine Kählert (parteilos) zum Wahlsieg. Für ihn ist mit der Amtsübergabe in fünf Wochen nach 32 Jahren als Verwaltungschef Schluss.
Bastian Fröhlig
Bürgermeister Roland Krügel (CDU) gratulierte seiner Nachfolgerin Sabine Kählert (parteilos) zum Wahlsieg. Für ihn ist mit der Amtsübergabe in fünf Wochen nach 32 Jahren als Verwaltungschef Schluss.
 

Mit Kählert übernimmt ein Verwaltungsprofi den Chefsessel im Tornescher Rathaus. Seit 37 Jahren ist sie bereits dort beschäftigt, seit mittlerweile 20 Jahren ist sie Leiterin des Amts für soziale Dienste. Im Wahlkampf hatte sie stets auf ihre Erfahrung und eine Fortführung der Arbeit der vergangenen Jahre gesetzt. Unterstützung erhielt die parteilose Kandidatin dafür von Seiten der SPD und der FDP. CDU-Kandidat Janz betonte stets, für frischen Wind sorgen zu wollen. Er stehe für Veränderung, neue Ideen und habe keine Schranken im Kopf, so der 55-Jährige.

58,8 Prozent für Kählert, 41,2 Prozent für Janz. Das waren die wesentlichen Zahlen des Abends. Doch für Freude sorgte eine weitere: 46,9 Prozent. So hoch war die Wahlbeteiligung. Noch-Bürgermeister Krügel bezeichnete die Tornescher Bürger entsprechend als weitere Sieger des Urnengangs.

Die Stichwahl war notwendig geworden, da bei der Abstimmung am 6. Mai keiner der drei Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit erhalten hatte.

Ein Votum für Kontinuität

Ein Kommentar von Philipp Dickersbach

Die Tornescher haben entschieden. Und das Ergebnis ist mit  fast 59 Prozent für Sabine Kählert eindeutig.  Mit der Wahl der 57-Jährigen  setzen die Tornescher auf Kontinuität. Denn das Rad wird sie nicht neu erfinden. Vielmehr steht Kählert für die Fortsetzung der Arbeit von Roland Krügel. Eine Arbeit, die Tornesch zu einer wachsenden Stadt mit Einkaufsmöglichkeiten, Naherholung und kulturellen Angeboten gemacht hat.
Doch Aufgaben und Herausforderungen sind genügend vorhanden. Sie reichen von der allzu häufig katastrophalen Verkehrssituation auf den Straßen über fehlende Zughalte bis zur mittlerweile prekären Haushaltslage. Nicht zu vergessen sind der enorme Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen und die vielen offenen Fragen rund um den See im gleichnamigen Neubaugebiet. Alles Themen, in denen es einer starken Führung bedarf. Kählert wird sich hier an ihrem Vorgänger messen lassen müssen, der nie vor parteipolitischen Linien halt machte und stets für offene Worte stand.
Deutlich gescheitert, aber dennoch erhobenen Hauptes kann sich Bernhard Janz aus der Bürgermeisterwahl verabschieden. Dem 55-Jährigen ist es mit viel Einsatz gelungen, für einen spannenden Wahlkampf zu sorgen. Ob beim Klinkenputzen oder an Ständen im Stadtgebiet − gefühlt war Janz ständig präsent, um die Wähler von seinen Ideen für Tornesch zu überzeugen. Doch letztlich dürfte seine fehlende Verwaltungserfahrung den Ausschlag gegeben haben. Die konnten auch kreative Ideen und „frischer Wind“ nicht wettmachen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen