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200.000 Tonnen Müll pro Jahr : Experte warnt vor Müllverbrennung

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Mehr als 200.000 Tonnen Müll, das zweieinhalbfache der Menge, die in der MVA in Tornesch-Ahrenlohe verbrannt wird, sollen in einer neuen Anlage in Bützfleth jährlich durch den Ofen gejagt werden.

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2017 | 10:00 Uhr

Pinneberg/Stade | Der Kieler Toxikologe Herrmann Kruse hat während eines Vortrags eindringlich vor möglichen Gefahren als Folge der geplanten Müllverbrennungsanlage in Bützfleth bei Stade (Niedersachsen) gewarnt. Er forderte die Zuhörer auf, sich für eine Ermittlung der Vorbelastungen mit problematischen Stoffen der Region einzusetzen.

Wie berichtet, soll in Bützfleth eine gigantische Müllverbrennungsanlage (MVA) entstehen. Mehr als 200.000 Tonnen Müll, das zweieinhalbfache der Menge, die in der MVA in Tornesch-Ahrenlohe verbrannt wird, soll dort jährlich durch den Ofen gejagt werden.

Kruse, der an der Kieler Uni tätig ist, machte deutlich, dass, um die Zunahme der Gesamtbelastung als Folge der MVA bewerten zu können, Kenntnisse der schon vorhandenen Vorbelastung notwendig seien. Derartige Kenntnisse gebe es in Stade derzeit aber nicht, da keine Messstationen vorhanden seien, die gezielt die Schadstoffe der Industrie und der wesentlichen Stoffeinträge erfassen könnten. Die Stationen der Luftüberwachung Niedersachsen in Jork und Cuxhaven sind laut Kruse auf die allgemeine Hintergrundbelastung abgestellt, daher zu unspezifisch und zu weit entfernt.

Kruse war auf Einladung der „Bürgerinitiative (BI) Bützfleth für eine umweltverträgliche Industrie“ nach Stade gekommen. Die BI macht seit Monaten gegen die MVA-Pläne mobil. Die Klage der Initiative gegen die Verbrennungsanlage unterstützen im Kreis Pinneberg mehrere Kommunen finanziell, darunter Seestermühe und Uetersen.

Von den Schadstoffen der Stader MVA sind laut Kruse für die Menschen in erster Linie die Stickoxide, Stäube mit zahlreichen Schwermetallen sowie chlororganische Verbindungen gefährlich. Für die meisten dieser Stoffe müsse allein schon vom Schiffsverkehr der Elbe eine erhebliche Vorbelastung der Region angenommen werden.

Bei der Verbrennung entstünden Feinstäube, an denen sich die toxischen Metalle Blei, Cadmium, Nickel, Chrom, Antimon und weitere Elemente anheften würden. Sie würden vom Abgasstrom in die Umgebung transportiert und könnten deshalb direkt eingeatmet oder in die Nahrungskette geschleust werden, so der Toxikologe. Das hochgefährliche Quecksilber komme zudem frei vor und docke nicht an Staubteile an.

 

Feinstäube mit sehr geringen Teilchengrößen, so genannte Schwebstäube, können nach Angaben der BI mehr als 20 Kilometer weit transportiert werden, also weit über die Grenzen von Stade hinaus. Bützfleth ist lediglich 19 Kilometer von Pinneberg und 15 Kilometer von Elmshorn entfernt.

„Mit den Ausführungen wurden die Dringlichkeit und Wichtigkeit unterstrichen, genaue Daten zur Vorbelastung zu beschaffen, um mit deren Einbeziehung in das Verfahren eine Müllverbrennungsanlage bei uns zu verhindern“, sagte anschließend Jochen Witt, Vorsitzender der Bürgerinitiative. Laut BI hat Kruse zudem angeboten, bei der Einrichtung einer effizienten und zielgerichteten Planung einer Vorbelastungsmessung für Stade zu helfen.

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