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Experte: Direktvermarkter müssen professionelle Unternehmer sein

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Osterrönfeld | Der Einstieg in die Direktvermarktung lässt sich nicht aus dem Ärmel schütteln. Dieser Meinung ist Professor Martin Braatz. Er ist Agrarexperte an der Fachhochschule Kiel, die eine Außenstelle im Agrarzentrum Osterrönfeld unterhält. Dort beschäftigt er sich unter anderem mit der ökonomischen Seite der Direktvermarktung.

"Viele versuchen, einen Hofladen nebenher zu betreiben. Die Hausfrau steht in der Küche und bedient spontan, wenn jemand in den Laden kommt", sagt Braatz. Doch die Direktvermarktung müsse auf sicheren wirtschaftlichen Füßen stehen und dürfe nicht zur Selbstausbeutung werden. "Meine Botschaft an die Bauern: Es funktioniert nur mit professioneller Unternehmensführung", sagt Braatz.

Die Perspektiven für Direktvermarkter seien gut. Gestartet als Nischenangebot in der Nachbarschaftsversorgung während der 1980er nähme sie weiter zu. Bundesweit verkauften etwa acht Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe Waren etwa in Hofläden oder auf dem Wochenmarkt. In Schleswig-Holstein seien es noch unter fünf Prozent.

"Vor allem in Süddeutschland ist der Verkauf regionaler Produkte stark. Das Nord-Süd-Gefälle wird bleiben. Aber der Norden legt weiter zu", sagt Braatz. Treibende Kräfte dürften ein stärkeres Qualitätsbewusstsein für Lebensmittel und die emotionale Verbundenheit der Kunden mit ihrer Region sein. Mit der Direktvermarktung könnten die Bauern ihre Wertschöpfung steigern, weil Kunden höhere Preise für regionale Spezialitäten zahlten.

Der Agrarexperte gibt den Bauern jedoch ein paar wichtige Tipps: "Holen Sie sich juristischen Rat." Hygienevorschriften der EU, Gewerbe-, Steuer- und Lebensmittelrecht hätten viele Fallstricke. Außerdem sollten die Bauern den Markt unter die Lupe nehmen. Wer soll Kunde werden? Reicht die Bevölkerungsdichte? Welche Produkte fragen möglicherweise Urlauber nach? Wann, wo und wie soll der Betrieb expandieren?

Ein Schlüsselwort ist für Braatz das Controlling. Der Fachmann sagt: "Prüfen Sie ständig, ob sich mit ihrem Geschäft überhaupt genug verdienen lässt."

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erstellt am 09.Aug.2013 | 03:14 Uhr

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