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Gebäude aus der Eisenzeit : Experte bestätigt den Sensationsfund an der Westumgehung

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ein fast vollständiger Gebäudegrundriss aus der Eisenzeit ist freigelegt worden. Weitere Häuser einer germanischen Siedlung werden noch vermutet.

Pinneberg | Die Sonne scheint, aber es ist kalt. Wir stampfen durch Matsch, denn stellenweise ist der Boden aufgetaut. Doch der Weg hat sich gelohnt: Nicht weit vom Discounter Netto an der Elmshorner Straße in der Nähe des Ratsbergs, wo im Norden Pinnebergs ein Teil der geplanten Westumgehung verläuft, liegen die beiden etwa zwei Meter breiten Suchgräben im Trassenbereich, die das Archäologische Landesamt ausheben lassen hat. Und dort sind die Experten fündig geworden.

Bei Bauarbeiten an der Westumgehung ist ein Gebäuderiss aus der Eisenzeit gefunden worden. Dabei handele es sich um ein 23 Meter langes und 5,6 Meter breites Gebäude – in einem Teil sei gewohnt, in dem anderen das Vieh untergebracht worden.

Was sich vergangene Woche angedeutet hat, bestätigte gestern Ingo Lütjens vom Landesamt vor Ort: „Wir haben einen fast vollständigen Gebäudegrundriss einer Siedlung aus der Eisenzeit freigelegt“, sagt der Archäologe. Er datiere den historischen Fund auf die Zeit von 1000 vor bis 400 nach Christus. Dabei handele es sich um ein 23 Meter langes und 5,6 Meter breites Gebäude – in einem Teil sei gewohnt, in dem anderen das Vieh untergebracht worden.

Es ist wohl ein Sensationsfund, auch wenn Lütjens das Wort tunlichst vermeidet, denn: „Derartige Wohnstallhäuser waren in der Eisenzeit in Norddeutschland und Südskandinavien weit verbreitet. Sie konnten aber in Südholstein bislang nur sehr selten nachgewiesen werden. In der nördlich angrenzenden Grabungsfläche seien weitere Strukturen entdeckt worden, die allerdings eindeutig erhalten sind. Jenseits der Trasse werde sich die Siedlung vermutlich fortsetzen, so der Experte. Vielleicht liege dort sogar ein drittes Haus.

Noch in einer anderen Hinsicht ist der Fund der germanischen Siedlung aufsehenerregend: Auf und um den Ratsberg, der nur 100 Meter entfernt liegt, lag einst ein großes eisenzeitliches Gräberfeld, das durch Fundmeldungen seit den 1840er Jahren bekannt ist und mehr als 1000 Bestattungen aufwies. „Vermutet haben wir es. Jetzt aber haben wir den seltenen Nachweis, dass in der Nähe des Bestattungsplatzes die dazu gehörende Siedlung liegt“, sagt Lütjens.

Da alle guten Dinge drei sind, freut sich das Team des Archäologischen Landesamts auch über den Fund von Vorratsgefäßscherben in einer „Abfallgrube“. „Sie wurden von den Siedlern entsorgt“, sagt Joachim Schlick. Er und weitere Mitglieder des Freundeskreises Amateur-Archäologie Pinneberg haben das Landesamt bei den Grabungen tatkräftig unterstützt, die zunächst im Dezember stattfanden und Anfang Februar fortgesetzt wurden. „Es ist hochinteressant, dass nur der Mutterboden weggehoben wurde und die Pfosten auf der ganzen Fläche zutage traten“, sagt Schlick. Zwar sind zahlreiche Pfostengruben auf der Ausgrabungsfläche zu sehen, doch die Pfähle selbst sind längst verrottet. „Der Boden unterscheidet sich gewöhnlich in Farbe und Konsistenz deutlich von der an der Oberfläche liegenden Humusschicht“, sagt Grabungsleiter Steffen Haucke und zeigt auf eine dunkle Verfärbung in dem Schacht.

Anhand der dunklen Farbe des Bodens ist zu erkennen, dass in dieser Grube ein Pfosten stand. (Foto: Erdbrügger)
Anhand der dunklen Farbe des Bodens ist zu erkennen, dass in dieser Grube ein Pfosten stand. (Foto: Erdbrügger)
 

Weil es im eigentlichen Sinne nichts auszugraben gab, sondern nur ein Grundriss und Skizzen von den dort vermuteten Häusern erstellt wurden, die im Museum in Schleswig ausgestellt werden sollen, wird es auch keine Verzögerungen beim Bau der Westumgehung geben. Allerdings wurde aus ausgewählten Gruben Erde genommen. Die soll später auf Spuren von Holz und Getreide geprüft werden. „So erhalten wir Anhaltspunkte über das tatsächliche Alter der Siedlung“, sagt Lütjens.

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erstellt am 18.Feb.2016 | 16:00 Uhr

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