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Prozess : Exhibitionist zu Geldstrafe verurteilt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Mann aus Hamburg soll im Fahlt und in der Nordbahn vor Teenagern masturbiert haben. Geldstrafe von 350 Euro verhängt.

Pinneberg | Die Fälle machten Schlagzeilen: Ein Exhibitionist treibt sich im Pinneberger Stadtwald Fahlt herum. Er entblößt sich vor Frauen. Auch in der Nordbahn gibt es einen Zwischenfall. Gestern wurde deswegen ein 29-Jähriger aus Hamburg zu einer Geldstrafe von 350 Euro verurteilt.

Laut Staatsanwaltschaft war im vergangenen Jahr Folgendes passiert: Am 29. Juli saß der Angeklagte, der damals noch in Tornesch wohnte, im Fahlt auf einer Bank. Als eine 42 Jahre alte Frau vorbeikam, entblößte er sein Geschlechtsteil und masturbiert. Am 5. September war er ebenfalls im Fahlt unterwegs. Dort begegnete er einer 17-Jährigen. Wieder griff er sich in den Schritt, öffnete seine Hose und zeigte dem Teenager seinen Penis. Zwei Tage später wiederholte sich ein ähnlicher Fall in der Nordbahn zwischen Hamburg und Elmshorn. Eine 17-Jährige beobachtete, wie der Angeklagte, der schräg vor ihr saß, sein Geschlechtsteil aus der Hose holte.

Der Angeklagte äußerte sich unmittelbar nach der Anklageverlesung zu den Vorwürfen und gab alle drei Taten zu. Der verheiratete Vater von zwei Kindern sagte, ihm hätte damals intimer Kontakt in der Beziehung gefehlt. In allen Fällen habe er spontan begonnen, zu masturbieren. Er habe dies nicht bewusst vor den betroffenen Frauen getan. Es sei nicht seine Absicht gewesen, andere zu belästigen. So habe er etwa im Zug eine Tasche auf dem Schoß gehabt, um sich vor den Blicken anderer Passagiere zu schützen.

Die drei betroffenen Frauen sagten gestern als Zeugen aus. Während die 42-Jährige das Verhalten des Angeklagten zwar als sonderbar beschrieb, gab sie jedoch an, sich nicht persönlich belästigt gefühlt zu haben. „Er war mehr mit sich selbst beschäftigt und hat nicht weiter auf mich reagiert. Ich habe erst gezögert, bin dann aber doch zur Polizei gegangen. Schließlich sind im Fahlt auch Kinder unterwegs“, sagte sie im Pinneberger Amtsgericht.

Ganz anders empfand das die 17-Jährige, die dem Mann in dem Wald über den Weg gelaufen war. „Er kam mir entgegen. Etwa einen Meter vor mir griff er sich in die Hose und holte seinen Penis heraus. Er wollte, dass ich ihn sehe, und ich fühlte mich belästigt.“

Schaffner soll nichts unternommen haben

Auch der 17-Jährigen im Zug war unwohl: „Er hat an sich rumgefummelt. Er hatte zwar eine Tasche so abgestellt, dass nicht alle sehen konnten, was er da macht. Ich habe es trotzdem bemerkt. Und er hat Blickkontakt zu mir gehabt. Das war beängstigend. Deswegen habe ich den Platz gewechselt.“ Der Angeklagte sei in Tornesch ausgestiegen. Sie habe geweint und einem Schaffner von dem Vorfall erzählt. Der habe aber nichts unternommen. In Elmshorn sei sie dann zur Polizei gegangen.

Im juristischen Sinne handelt es sich um Exhibitionismus, wenn sich andere Menschen belästigt fühlen. Nach den Zeugenaussagen forderte der Vertreter der Staatsanwaltschaft deswegen nur eine Strafe für den zweiten und dritten Fall: insgesamt 40 Tagessätzen à zehn Euro. Der Verteidiger des Angeklagten sah eine Straftat im zweiten Fall zwar als erwiesen an. Der Vorfall im Zug sei dagegen allenfalls als Ordnungswidrigkeit zu werten. Es sei nicht Ziel seines Mandanten gewesen, von anderen gesehen zu werden. Dies habe er schließlich mit einer Tasche verhindern wollen. Er plädierte für eine Geldstrafe „am unteren Rand des Möglichen“. Der Angeklagte selbst sagte: „Ich bereue die Taten. Das wird nicht wieder vorkommen.“

Richter Marcel Grapow folgte Ankläger sowie Verteidigung und sprach den Mann aus Hamburg im ersten Fall frei. Im zweiten Fall sah er die Straftat des Exihibitionismus als bewiesen an. 30 Tagessätze à zehn Euro sind die Strafe dafür. Den dritten Fall wertete er als Ordnungswidrigkeit, für die er ein Bußgeld von 200 Euro ansetzte. Gesamtstrafe: 350 Euro. Grapow sagte: „Sie sind nicht vorbestraft, haben gestanden und Reue gezeigt. Ich gehe davon aus, dass das nicht wieder passiert.“

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erstellt am 01.Jun.2017 | 14:00 Uhr

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