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Ernst Staub, Daniela Klette und Burkhard Garweg : Ex-RAF-Terroristen sollen Supermarkt in Elmshorn überfallen haben

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Das Trio soll eine Reihe von Raubüberfällen begangen haben. Von den Verdächtigen fehlt bislang jedes Spur.

shz.de von
erstellt am 08.Jun.2016 | 11:30 Uhr

Elmshorn | Die ehemaligen RAF-Terroristen Ernst-Volker Staub, Daniela Klette und Burkhard Garweg sollen für den Überfall auf einen Marktkauf-Supermarkt in Elmshorn am 23. August 2014 verantwortlich sein, bei dem damals 46.000 Euro erbeutet wurden. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Verden in Niedersachsen am Dienstag mit.

Ermittlungen des Landeskriminalamts Niedersachsen zu zwei Geldtransporterüberfällen im vergangenen Jahr hätten ergeben, dass die ehemaligen RAF-Terroristen wahrscheinlich mit insgesamt sechs Überfallen auf Supermärkte in Verbindung stehen. Die drei Ex-Terroristen sollen im vergangenen Sommer zudem in Suhr sowie im Dezember in Wolfsburg mit Schnellfeuerpistolen und Panzerfäusten Geldtransporter überfallen, dabei jedoch kein Geld erbeutet haben. DNA-Spuren hätten später ergeben, dass es sich bei den Tätern um die drei Ex-Terroristen handele.

Die Fluchtwagen hätten die Ermittler schließlich auf eine Spur geführt, denn die Täter sollen immer auf die gleiche Weise vorgegangen sein: Etwa drei Monate vor der Tat sei einer von ihnen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu einem Autohändler gefahren, um dort eine Probefahrt zu machen, bei der er allerdings nicht selbst am Steuer sitzen wollte. Im Anschluss seien die Fahrzeuge, die bis zu 3000 Euro kosteten, bar bezahlt, aber nicht gleich mitgenommen worden. Stattdessen seien sie außerhalb der Geschäftszeiten vom Grundstück des Verkäufers oder von einem frei zugänglichen Parkplatz in der Nähe abgeholt worden.

Dieses besondere Vorgehen bei der Fluchtwagenbeschaffung habe die Polizei schließlich dazu veranlasst, den Verdächtigen auch die Überfälle auf Supermärkte zuzuschreiben. Inzwischen seien mehr als 4000 Autohändler befragt worden, von den Verdächtigen fehle bislang aber immer noch jede Spur, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Rückblick: Der Überfall auf den Elmshorner Supermarkt

Sonnabend, 23. August 2014: Eine Angestellte des Marktkaufs in Elmshorn will gegen elf Uhr gerade das Büro des Geschäfts aufschließen, als sie von einem vermummten Mann in den Raum gedrängt wird. Während die Tür des Büros, in dem sich bereits ein weiterer Angestellter befindet, offensteht, zwängt sich auch ein zweiter Vermummter in den Raum. Die beiden Männer sind bewaffnet. Sie bedrohen die Angestellte, verlangen, dass diese ihnen Geld aus dem Tresor holt. Sobald dies geschehen ist, raffen die Täter das Geld zusammen, verlassen den Einkaufsmarkt durch den Notausgang und flüchten mit ihrer Beute in Höhe von 46.000 Euro in einem dunkelblauen VW Golf III. Der Überfall blieb von den Kunden unbemerkt.

Diese Tat liegt inzwischen fast zwei Jahre zurück. Doch jetzt hat das Landeskriminalamt ermittelt, dass es sich bei den Tätern wahrscheinlich um ehemalige RAF-Terroristen handelt. Denn das Fluchtfahrzeug wurde auf die gleiche auffällige Art erworben, wie Fluchtfahrzeuge für weitere fünf Überfälle auf Supermärkte in Celle (September 2011), Stade (Dezember 2012), Osnabrück (Januar 2015), Northeim (Oktober 2015)  und Hildesheim (7. Mai) sowie für zwei Überfälle auf Geldtransporter im vergangenen Jahr.

Die anderen Supermarktüberfälle seien auf ähnliche Weise verübt worden. Jedes Mal seien die Täter ruhig und besonnen vorgegangen, hätten die Geschäfte über Neben- oder Notausgänge verlassen und das Fluchtfahrzeug später in Tatortnähe zurückgelassen, um mit einem weiteren Fahrzeug ihre Flucht fortzusetzen.

RAF-Terrorist Ernst-Volker Staub.

RAF-Terrorist Ernst-Volker Staub.

Foto: Staatsanwaltschaft

Über den Aufenthaltsort der drei per Haftbefehl Gesuchten sei bislang nichts bekannt, teilte die Staatsanwaltschaft Verden am Dienstag mit. Die Polizei gehe davon aus, dass sich die Ex-Terroristen entweder in Deutschland oder in den angrenzenden Staaten aufhalten – ein Handy, mit dem Kontakt zu einem Autohändler aufgenommen wurde, sei in den Niederlanden abgeschaltet worden.

Dank der umfangreichen Befragung gebe es allerdings erstmals seit den 1980er Jahren Fotos, die wahrscheinlich die drei Ex-Terroristen zeigen. Zwar seien nach deren Veröffentlichung bislang 60 Hinweise eingegangen, eine „heiße Spur“ habe sich darunter jedoch nicht befunden. „Trotz der sehr guten Aufnahmen und der markanten Details scheinen die Personen wie vom Erdboden verschluckt. Wenn das mein Nachbar wäre, würde ich ihn doch erkennen. Das ist schon sehr verwunderlich“, sagte dazu ein Fahnder des Landeskriminalamts Niedersachsen.

Staatsanwaltschaft und Polizei bitten insbesondere Fahrzeughändler und private Autoverkäufer, sie bei der Suche nach den drei Ex-Terroristen zu unterstützen und sich mit der Polizeidienststelle zu wenden, wenn ein Käufer während der Probefahrt nicht selbst am Steuer sitzen möchte, bar bezahlt und das Fahrzeug später außerhalb der Geschäftszeiten oder auf einem öffentlichen Parkplatz abholen möchte.

Da die Täter bei den beiden jüngsten Überfällen kein Geld erbeuten konnten, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass sie in Geldnot sind und weitere Taten verüben werden. Für entscheidende Hinweise, die zur Aufklärung der Taten sowie zur Verurteilung führen, habe ein Geldtransporterunternehmen eine Belohnung in Höhe von bis zu 20.000 Euro ausgesetzt. Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen, die Beamten warnen eindringlich davor, sich den Ex-Terroristen zu nähern, da diese sehr wahrscheinlich bewaffnet sind.

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