Kabinettssitzung im Laser-Labor : European XFEL in Schenefeld stößt jetzt schon an seine Grenzen

In den Labor-Modulen erläuterte Adrian Mancuso (links) Regierungschef Daniel Günther (CDU) und Wissenschaftsministerin Karin Prien (CDU) die Arbeit mit dem weltgrößten Röntgenlaser.

In den Labor-Modulen erläuterte Adrian Mancuso (links) Regierungschef Daniel Günther (CDU) und Wissenschaftsministerin Karin Prien (CDU) die Arbeit mit dem weltgrößten Röntgenlaser.

Wissenschaftler warnen davor, den Anschluss nicht zu verlieren. Erste auswärtige Sitzung der Landesregierung.

shz.de von
07. März 2018, 16:00 Uhr

Schenfeld | Die Mitglieder der Landesregierung unter Führung von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) haben sich am Dienstag zu ihrer ersten auswärtigen Sitzung im Schenefelder Forschungszentrum European XFEL getroffen. Dort diskutierten sie mit Kreispräsident Burkhard Tiemann (CDU), Landrat Oliver Stolz (parteilos) und Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof (SPD) über Verkehr und Wirtschaft. Anschließend besuchten sie die Labors in einem Tunnelsystem unter der Erde.

„Für die erste Kabinettssitzung außerhalb von Kiel haben wir uns bewusst für XFEL entschieden“, sagte Günther. „XFEL hat riesige Strahlkraft für Schleswig-Holstein. Und wir haben gerne Geld dafür gegeben.“ Schleswig-Holstein hat 31 Millionen der insgesamt 1,2 Milliarden Euro für den Bau der Anlage übernommen. XFEL mit seinem kilometerlangen Tunnel zwischen Hamburg und Schenefeld ist der weltweit leistungsfähigste Röntgenlaser. Internationale Forscherteams untersuchen dort atomare Strukturen, um etwa die Medizintechnik voranzubringen.

Anlage stößt bereits an Grenzen

Während des Rundgangs wurde deutlich, dass die Vorzeige-Einrichtung bereits ein Jahr nach Beginn ihrer Arbeit an Grenzen stößt. Es ist kaum noch Platz für neue Labormodule. Und die Wissenschaftler in Schenefeld stehen im Wettbewerb mit Kollegen im Ausland. „Dieser Laser ist der größte seiner Art. Aber die Amerikaner entwickeln schon wieder einen neuen und wir müssen aufpassen, dass wir den Anschluss nicht verlieren“, sagte XFEL-Geschäftsführer Robert Feidenhans’l.

Wie Feidenhans’l berichtete, hatten sich im vergangenen Jahr 340 Wissenschaftler aus aller Welt erfolgreich um Forschungszeit an der Anlage in Schenefeld beworben, darunter einige aus Schleswig-Holstein. Die Gesamtinvestition für den European XFEL beträgt 1,22 Milliarden Euro. Deutschland (Bund, Hamburg und Schleswig-Holstein) trägt 58 Prozent der Kosten.

Im High-Tech-Tunnel unter Schenefeld: Ingenieurin Janni Eidam (links) erläutert Ministerpräsident Daniel Günther und Wissenschaftsministerin Karin Prien den Mega-Laser im Forschungszentrum European XFEL .
Mustafa Qayumi
Im High-Tech-Tunnel unter Schenefeld: Ingenieurin Janni Eidam (links) erläutert Ministerpräsident Daniel Günther und Wissenschaftsministerin Karin Prien den Mega-Laser im Forschungszentrum European XFEL .
 

Günther sagte zu, sich für den Wissenschaftsstandort Schleswig-Holstein einsetzen zu wollen. In einer Pressemitteilung hieß es, das Land arbeite an einer Gesamtstrategie. Wie diese im Detail aussehen könnte, verriet Wissenschaftsministerin Karin Prien (CDU) am Dienstag nicht. Sie sagte aber auf Nachfrage: „Wir investieren deutlich mehr in Hochschulen und Forschung.“ Die Ministerin verwies auf 100 Millionen Euro, welche für die kommenden fünf Jahre den Hochschulen zugute kommen sollen. Auch für den Standort Schenefeld könnte etwas herausspringen. Die XFEL -Forscher hatten um Fördergeld für ein Gästehaus gebeten. „Wir werden das wohlwollend prüfen“, sagte Prien.

Stolz, Tiemann und Küchenhof hatten den Kabinettsmitgliedern vor dem Rundgang noch einen Wunschzettel für den Kreis Pinneberg mit auf den Weg gegeben. Darauf standen eine zügige Bewilligung für den Ausbau der K22, mehr Druck beim Bund für das dritte Bahngleis zwischen Pinneberg und Elmshorn sowie die Verlängerung der S21 bis Kaltenkirchen, ein Förderprogramm für E-Ladestationen und E-Busse sowie eine Kompensation von möglicherweise nach dem Brexit wegbrechende EU-Regionalfördermitteln.

mit dpa

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