Initiative von Hamburger Familienrichtern : Essen für bedürftige Kinder in der Corona-Krise

Neben vorgekochten Mahlzeiten für zwei Tage werden frisches Obst und
Gemüse an die Haushalte geliefert.

Neben vorgekochten Mahlzeiten für zwei Tage werden frisches Obst und

Gemüse an die Haushalte geliefert.

Schon 1700 Kinder sind beim Verein „Mittagsrakete“ registriert und die Nachfrage wächst stündlich

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19. April 2020, 17:57 Uhr

Hamburg | Bedürftige Kinder, deren Familien am Existenzminimum leben, erhalten üblicherweise eine kostenlose warme Mahlzeit im Kindergarten oder in der Schule. Durch Schließung jener Einrichtungen während der Corona-Pandemie ist diese Grundversorgung weggefallen und viele Familien können ihre Kinder nicht ausreichend mit gesunder Nahrung versorgen. Der Verein „Mittagsrakete“ möchte dem entgegenwirken und liefert Kindern in belasteten Familiensituationen Essen an die Wohnungstür.

Ins Leben gerufen wurde der Verein von einer zehnköpfigen Gruppe bestehend aus Hamburger Familienrichter*innen, einem Notar, einer Rechtsanwältin sowie zwei Geschäftsführern aus der Wirtschaft. Sie werden bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit von weiteren Richterinnen und Richtern unterstützt. „Ich bin morgens mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren und hatte gerade einen Artikel darüber gelesen, dass Obdachlosen nunmehr wegen der Corona-Krise Lebensmittelpakete geliefert werden“, sagt Dr. Esther Rosenboom, die zu den Gründungsmitgliedern gehört. „Da musste ich an diejenigen Kinder denken, die auf entsprechende Angebote aufgrund unterschiedlicher familiärer Situationen angewiesen sein dürften. Den Gedanken wurde ich nicht mehr los.“

Schnell konnte Jörg Wieckenberg für die Idee gewonnen werden. Er ist Geschäftsführer der Schulcatering-Firma „Mammas Canteen“, die über 70 Hamburger Schulen mit Essen versorgt. Die Mitarbeiter von „mammas canteen“ kochen in zwei Schulkantinen und verpacken das Essen für die einzelnen Kinder. Neben vorgekochten Mahlzeiten für zwei Tage werden frisches Obst und Gemüse geliefert – kontaktlos natürlich, um Infektionen zu vermeiden. Die Auswahl der hilfsbedürftigen Familien erfolgt auf Vorschlag des Jugendamts und anderer staatlicher oder freier Träger und Einrichtungen.

Der Ansturm ist riesig: Am 2. April wurde das erste Mal Essen ausgeliefert, am dritten Tag versorgte das Team von Mittagsrakete bereits 650 Kinder. Inzwischen sind über 1.700 Kinder angemeldet. „Als Familienrichterin sind mir natürlich viele unterschiedliche Familienverhältnisse bekannt“, sagt Rosenboom. „Ich merke, mit welcher Dankbarkeit unsere Initiative von den jeweiligen Familien angenommen wird und wie notwendig sie in diesen Zeiten ist.“

Finanziert wird die Arbeit des Vereins durch Spenden. Auch wenn viele freiwillige Helfer eingebunden sind – neben Personal für die Zubereitung und die Auslieferung müssen auch Lebensmittel bezahlt werden: „Wir haben spontan von vielen Einzelpersonen und auch einigen Stiftungen finanzielle Unterstützung erhalten, so dass die ersten Tage gesichert waren“, so Rosenboom. „Aber der Bedarf ist so groß und wächst derzeit stündlich, dass wir dringend auf weitere Spenden angewiesen sind.“ Sollten nach Ende der Corona-Krise noch Spendengelder übrig sein, werden diese an gemeinnützige Einrichtung mit ähnlichen Zwecken weitergeleitet.


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