„Es muss sich etwas ändern“

Prisdorfs Bürgermeister Rolf Schwarz darf seinen Schreibtisch im Gemeindebüro für weitere fünf Jahre besetzen.
Prisdorfs Bürgermeister Rolf Schwarz darf seinen Schreibtisch im Gemeindebüro für weitere fünf Jahre besetzen.

Prisdorfs Bürgermeister Rolf Schwarz spricht über die Kommunalwahl im Mai sowie seine zurückliegende und kommende Amtszeit

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28. Juli 2018, 16:06 Uhr

Rolf Schwarz (Bürger Bewegen Prisdorf, BBP) hat seine Amtszeit in der vorigen Wahlperiode erst 2016 als Nachfolger von Wilfried Hans Hans begonnen. Entsprechend stand er nun bei der Kommunalwahl 2018 schon nach zwei Jahren vor einer möglichen Ablöse. Wieder war sein Herausforderer Holger Splettstößer (CDU). Wieder gewann Rolf Schwarz die Wahl mit nur einer Stimme Differenz. Und wieder war die SPD das Zünglein an der Wage. Schwarz ist darüber erleichtert: „Ich wäre sehr enttäuscht gewesen, wenn ich schon nach zwei Jahren wieder abgewählt worden wäre. Ich habe das Amt schon mit der Absicht übernommen, längerfristig für Prisdorf tätig zu sein – wenigstens eine ganze Wahlperiode.“

Dass es wieder nur eine Stimme gewesen ist, die Schwarz den Vorteil gegenüber Splettstößer sicherte, sei „etwas schwach“, aber der geringen Größe des Prisdorfer Gemeinderats geschuldet. „Sehr große Enttäuschung gab es bei der CDU“, sagt Schwarz. „Aber umgekehrt wäre ich genauso enttäuscht gewesen.“ Dabei seien die Stimmen der CDU bei der Kommunalwahl weitgehend gleich geblieben. Die BBP hingegen hat zwei Prozent gewonnen: „Das sind Stimmen der SPD – die haben zwei Prozent verloren.“ Das führt Schwarz aber nicht nur auf die eigene Politik, sondern auch auf den „sehr dezenten Wahlkampf der SPD“ zurück. In jedem Falle freue sich Schwarz, dass die Zusammenarbeit mit der SPD in der vergangenen Legislaturperiode gut funktioniert habe und hofft auf Fortsetzung. „Wichtig ist vor allem nun die Akzeptanz der Aufgabenverteilung“, sagt Schwarz. „Da muss insbesondere die CDU klar kommen.“ Das sei, seit die BBP den Bürgermeister stelle, noch nicht gelungen. „Natürlich muss die Opposition die Arbeit des Bürgermeisters kritisch sehen. Aber es geht auch darum, wie sie das tut.“ Wichtig ist Schwarz: „Es muss sich etwas ändern. Einen absoluten Führungsanspruch kann es für keine Partei geben.“

Gemeinsam müssen nun große Projekte weitergeführt werden. „Este Priorität für uns Prisdorfer Bürger hat unser Einkaufszentrum“, so Schwarz. Er sei mit allen Beteiligten Parteien in nicht öffentlichen Gesprächen, könne aber noch kein Ergebnis verkünden. „Es sind einfach sehr viele Interessenslagen zu berücksichtigen.“ Die Stadt Pinneberg hatte gegen den Bebauungsplan des Areals des Einkaufszentrums Am Prisdorfer Ortseingang erfolgreich geklagt. Nach dem freiwilligen Umzug von Toom und Takko nach Pinneberg, hatten die Prisdorfer Bürger befürchtet, dass infolge des Rechtstreites immer mehr Gewerbe dort abwandert.

Zweitwichtigstes Thema ist aus Schwarz Sicht die Sanierung der Eisenbahnunterführung. „Aufgrund des Baugrundes ist es schwieriger als angenommen“, erläutert der Bürgermeister. Es sei eine belastende Situation, dass aktuell niemand genau wisse, welche Kosten am Ende auf die Gemeinde zukommen. „Es kursiert eine Zahl von ungefähr 800 000 Euro“, erläutert Schwarz. Diese stamme aber aus Zeiten vor Baubeginn, als die neuen Schwierigkeiten noch nicht bekannt waren. Neue Zahlen wolle die Bahn nicht nennen. Zudem sei die von der Gemeinde getragene Summe auch förderungsfähig. Wie hoch die Summe ausfalle, sei aber auch noch nicht zu beziffern. „Wir sind sehr unglücklich, dass wir nicht einmal im Ansatz wissen, wie das unseren Haushalt für das Jahr 2019 belasten wird.“

Dritte Priorität habe aktuell die Park-and-Ride- und Bike-and-Ride-Anlage. Die Arbeiten für Letztere können laut Schwarz im August beginnen. Die Ausschreibung für Park-and-Ride war nicht erfolgreich: „Wir haben kein Angebot erhalten, das unserer realistischen Kostenkalkulation entsprochen hätte“, sagt Schwarz. An der Schätzung zweifelt er aber nicht. Durch eine Förderoffensive des Landes sei der Markt im Baugewerbe ruckartig überschwemmt worden. „Das treibt momentan die Preise hoch“, so Schwarz. Wir werden den Markt beobachten und neu ausschreiben, wenn er sich beruhigt hat.“

Der Bedarf für die Kita-Erweiterung sei mittlerweile genehmigt worden. „Das heißt aber auch wieder: Geld in die Hand nehmen“, so Schwarz. Bei Baukosten von 600 000 Euro und einer 75-prozentigen Förderung aus Landes- und Bundesmitteln, koste das die Gemeinde noch 150 000 Euro. Schwarz wolle den vor zwei Jahren ermittelten Bedarf noch einmal aktualisieren und die neuen Mitglieder in den Ausschüssen mit dem Thema vertraut machen. Dann könne man entscheiden. Weiterhin stehe die Übertragung der Unterhaltung des Abwasserverbandes an den AZV auf Schwarz’ Agenda. Dort dürfte wieder einiger Zündstoff mit der CDU in der neuen Wahlperiode anstehen.

Schlechte Nachrichten hat Schwarz allerdings für die Prisdorfer Sportvereine: „Die Sportvereine können wir aus Gemeindemitteln leider zusätzlich zur Standartbezuschussung aktuell nicht fördern.“

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