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Halstenbek : „Es hilft nicht, alles in Gut und Böse einzuteilen“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Umweltschützer Helmut Salinger, Gründer des BUND im Kreis Pinneberg, ist auch mit 88 Jahren noch voll bei der Sache.

Helmut Salinger, Gründungsmitglied des BUND-Kreisverbandes, ist selbst mit 88 Jahren noch aktiv und organisiert regelmäßige Wanderungen. Im Sonntagsgespräch berichtet er unter anderem von seiner Arbeit für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und erklärt, wie er Menschen für die Natur begeistern will.

Sie setzen sich schon seit Jahrzehnten für den Naturschutz ein. Was ist der Grund für Ihr Engagement?
Salinger: Ich bin in der Natur groß geworden. Die Märkische Heide in Brandenburg ist mit der Lüneburger Heide zu vergleichen. Die nächste Bahnstation war eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt. Der Bezug zur Natur war also schon in meiner Kindheit da. Für die meisten war ihre Umwelt bis in die 60er Jahre kein Thema. Die Menschen waren eher unbedarft und hatten keine Probleme, in der Nähe von Müllkippen oder unter Hochspannungsleitungen zu wohnen. Das Bewusstsein hat sich erst in den Siebzigern langsam entwickelt.

Wann ist dieses Bewusstsein bei Ihnen entstanden?
Ich war in Kriegsgefangenschaft, als die USA die erste Atombombe warfen. Zu den Gefangenen gehörten auch einige Physiker, die mir genau erklärten, was dort tatsächlich passierte. Seitdem war ich ein Gegner der Atomkraft.

Wie können die Menschen für den Umweltschutz sensibilisiert werden?
Es hilft nicht, aggressiv zu sein und alles in Gut und Böse einzuteilen. Dadurch bewirkt man nichts und macht sich nur selbst kaputt. Als BUND haben wir den Vorteil, gehört zu werden. Jedem ist bewusst, dass wir wissen, wovon wir sprechen. Meiner Meinung nach ist es außerdem wichtig, den Menschen vorzuleben, wie sie mit der Natur umgehen sollen. Ich habe immer versucht, ein einfaches und mit der Natur verbundenes Leben zu führen. Deshalb habe ich auch mein Haus bewachsen lassen. Dadurch schwitze ich im Sommer weniger und bin im Winter besser vor Kälte geschützt.

Was bedeutet Ihnen Ihre Arbeit?
Ich gehe darin auf und sie bringt mir riesigen Spaß. Es ist aber auch die Voraussetzung für ehrenamtliches Engagement, dass man Freude daran hat.

Konkurrieren die einzelnen Naturschutzverbände miteinander?
Das war früher vielleicht mal der Fall. Inzwischen ziehen alle an einem Strang und jeder hat seinen Bereich, um den er sich kümmert. So versucht der BUND eher, Einfluss auf die Politik zu nehmen, während der NABU stattdessen für die praktische Arbeit im Naturschutz zuständig ist.

Ist die Akzeptanz für den Umweltschutz größer geworden?
In der Bevölkerung nicht so sehr, auch wenn etliche Menschen das selbst vermutlich anders sehen. Viele betonen, dass sie etwas für die Natur tun, weil sie ihren Müll trennen. Dabei wurde die Trennung für die Verpackungsindustrie und nicht für den Umweltschutz eingeführt. Es sollte allen bewusst sein, dass in der Natur nichts verloren geht – das gilt auch für giftige Stoffe. Mit den Behörden gibt es übrigens keine Probleme. Dort wird inzwischen darauf geachtet, dass alle Umweltbestimmungen eingehalten werden.

Rücken wirtschaftliche Interessen den Umweltschutz in den Hintergrund?
Der Umweltschutz wurde jahrzehntelang ausgeklammert. Das hat sich zum Glück geändert. Umweltschützer müssen aber auch die Gesamtinteressen im Auge haben. Wichtig ist, Ökologie und Ökonomie miteinander zu verbinden.

 

Das Interview führte Lars Zimmermann für "Tageblatt am Sonntag".


 

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