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Pinneberger Tageblatt

11. Dezember 2017 | 01:36 Uhr

Es geht um das gemeinsame Schulleben

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2014 | 16:00 Uhr

Das Schulamt des Kreises Pinneberg hatte für gestern die pädagogischen Mitarbeiter der Grund- und Gemeinschaftsschulen eingeladen, um an einer Fachveranstaltung mit dem Titel „Schüler mit störendem Verhalten im inklusiven Schulsystem“ teilzunehmen. Innerhalb einer Woche habe es bereits 100 Anmeldungen gegeben, zirka 160 Personen hätten teilgenommen, wie Ulrike Bendiks, Kreiskoordinatorin für Erziehungshilfen, in einem anschließenden Pressegespräch mitteilte.

„Das ist für Schulen das herausragende Thema“, sagte Schulrat Dirk Janssen. Er ergänzte aber, dass es keinen Zusammenhang zwischen störendem Schülerverhalten und Inklusion gebe. „Auch bevor die Inklusions-Idee aufkam, gab es Schüler, die den Unterricht gestört haben“, sagte er. Doch jetzt hätten viele den Eindruck, man werde durch die Inklusion mit Problemschülern überschüttet, auch wenn das gar nicht der Realität enstpreche. Da jedoch inzwischen das Schulsystem inklusiv sei, seien auch die Schüler mit einem störenden Verhalten im Unterricht ein Teil davon.

Insofern hatte Menno Baumann, der am Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg lehrt, während seines gestrigen Vortrags zwei Botschaften für die Teilnehmer. Eine davon war, dass Lehrer, die mit störenden Schülern konfrontiert seien, sich damit auseinandersetzen müssten, weshalb die Schüler dieses Verhalten an den Tag legten. „Warum ist es für ein Kind logisch, sich so zu verhalten, dass wir es als Störung wahrnehmen?“, fragte Bendiks. Erst wenn sich damit beschäftigt werde, könne man Lösungen entwickeln, sagte Baumann. Etwa wenn ein Kind Konflikte mit körperlicher Gewalt löse, weil ihm die sprachliche Ausdrucksfähigkeit fehlt.

Die andere Botschaft an die Schulmitarbeiter des Kreises lautete: Bei Inklusion geht es um das gemeinsame Schulleben. Das Ziel sei nicht, dass alle Schüler einer Klasse beim gemeinsamen Unterricht das gleiche Lernziel erreichten. „Wir erwarten von einem Kind mit geistiger Behinderung nicht, dass es nach Abschluss der Grundschule die gleichen Fähigkeiten hat wie Kinder ohne Behinderung“, bestätigte Janssen.

Den Kindern mit erhöhtem Förderbedarf die Möglichkeit zu geben, innerhalb der Regelschule ihr soziales Umfeld aufzubauen, sei wichtig. „Das Ziel der jeweiligen Schulentwicklung sollte sein, dass Kinder mit schwierigem Verhalten die Schule als Ort erleben, an den sie gehören, der ihnen Stabilität im Leben gibt und an dem sich um sie gekümmert wird“, sagte Baumann. Dies sei eine Aufgabe, die das gesamte Schulleben, nicht nur den Klassenverband, betreffe. „Schwer ist es für diese Schüler meistens nicht im täglichen Unterricht, sondern dann, wenn sie sich auf eine andere Situation einstellen müssen, also in der Pause, auf dem Schulweg oder bei einem Lehrerwechsel.“

Dafür sollten die Schulen Strukturen schaffen. Der Wille dazu sei jedenfalls da, so Janssen.

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