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Deutsch als Zweitsprache : Es fehlen Lehrer und IT-Ausstattung

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Berufsschulen können adäquaten Unterricht ohne Einschränkung des Regelbetriebs derzeit nicht leisten.

shz.de von
erstellt am 11.Mär.2016 | 12:30 Uhr

Pinneberg/Elmshorn | Den Berufsschulen in Pinneberg und Elmshorn mangelt es derzeit an Räumen, Personal und IT-Ausstattung, um die Schüler der Daz-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) entsprechend der Vorgaben zu beschulen. Etwa 1000 Flüchtlingskinder werden aktuell im Kreis Pinneberg beschult. Während 750 von ihnen in 52 Daz-Klassen an allgemeinbildenden Schulen unterrichtet werden, sind die beiden Berufsschulen für 250 Schüler verantwortlich – davon sind 172 in Daz-Klassen untergebracht. 131 Schüler hätten keine und 33 rudimentäre Kenntnisse der Deutschen Sprache. Laut der aktuellen Zahlen der Beruflichen Schulen müssten 20 Schüler zunächst alphabetisiert werden.

Ende Februar gab es in Schleswig-Holstein 406 Daz-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) in 170 Daz-Zentren. 6087 Schüler wurden in den Basisstufen der allgemeinbildenden Schulen unterrichtet. Die berufsbildenden Schulen betreuten 3611 Flüchtlinge. Für diese werden aktuell im Übergangssystem sogenannte Berufsintegrationsklassen mit dem Schwerpunkt Deutsch konzipiert.

„Für unsere Schulen sind die vielen Flüchtlinge eine große Herausforderung. Mit diesen Qualifikationsangeboten wollen wir sie unterstützen und zugleich dafür sorgen, dass die Kinder, die zu uns kommen, eine faire Chance auf eine gute Schulbildung erhalten“, sagte die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). Doch zeichnen die Berufsschulen des Kreises ein anderes Bild: „Die Stundentafel sieht eine Beschulung von 20   Stunden vor. Dieses ist unter den aktuellen Rahmenbedingungen für die Berufsschule Elmshorn nicht leistbar“, teilte die Berufsschule Elmshorn auf Anfrage des Ausschusses für Schule, Kultur und Sport des Pinneberger Kreistags mit. Eigentlich solle in den Daz-Klassen 20    Stunden pro Woche Sprachunterricht geleistet werden. „Eine Erhöhung der Stunden pro Klasse ist aktuell nicht möglich, ohne dass der Regelbetrieb erkennbar eingeschränkt wird. Eine Ausweitung auf drei Wochentage bei gleicher Stundenzahl ist aus räumlichen Gründen nicht umsetzbar“, informiert die Schulleitung die Politik in einer schriftlichen Stellungnahme, die der Redaktion vorliegt.

Seit Jahresbeginn seien binnen sechs Wochen sechs Daz-Klassen eingerichtet worden, in denen 86 Schüler unterrichtet würden. Tendenz steigend. Planungen für weitere Klassen hätten bereits begonnen. „Nach Rücksprache mit der Schulaufsicht ist mit Einrichtung einer siebten Klasse die Kapazität zur Beschulung von Flüchtlingen in der Berufsschule Elmshorn erreicht und die Berufsschule Pinneberg würde wieder neu aufnehmen müssen“, teilte die Schulleitung den Politikern in dem Schreiben mit. Durch die Fertigstellung der neuen Lehrwerkstatt sollen künftig aber weitere Räume zur Verfügung stehen.

Außer Raummangel mache den Schulen auch der Lehrkräftemangel zu schaffen. Das Land Schleswig-Holstein hat im vergangenen Jahr 365 zusätzliche Stellen geschaffen, um die Arbeit der Daz-Zentren zu unterstützten. Im Haushalt 2016 wurden bis zu 280 zusätzliche Lehrerstellen zur Besetzung vorgesehen. „Es ist schwierig, geeignetes Personal für die Beschulung von Flüchtlingen zu bekommen. Im Hamburger Rand wird alles, was Eignung zeigt, von Hamburg abgeworben“, schreibt aber die Schulleitung aus Elmshorn in ihrer Stellungnahme. Künftig soll das Lehramtsstudium Daz-Elemente enthalten. Zudem werde der Anreiz für das Zertifikat „Deutsch als Zweitsprache“ erhöht, da es die im Rahmen der Staatsprüfung anzufertigende Hausarbeit ersetzen könne.

In Pinneberg ist die Situation etwas anders: „Aktuell gibt es keine Raumprobleme. Es fehlen lediglich Fachpraxisräume, um in konkreten Arbeitssituationen Sprache zu erlernen und um die Jugendlichen auf eine berufliche Tätigkeit vorzubereiten“, sagte Ulrich Krause (Foto), Schulleiter an der Kreisberufsschule in Pinneberg. Allerdings würden neu ankommende Jugendliche derzeit Elmshorn zugewiesen. Krause sehe die Probleme derzeit eher im technischen Bereich: „Es fehlen aktuell zirka 40 bis 60 Tablets für die individuelle Sprachförderung. Die dafür erforderlichen Mittel stehen aufgrund der Aktualität in der laufenden Investitionsplanung nicht zur Verfügung.“ Tablets und Laptops, deren Anschaffung bereits geplant sei, würden für andere Verwendungszwecke benötigt. „Sachmittel werden vor allem für technische Unterstützung beim Spracherwerb benötigt“, heißt es auch aus Elmshorn. Dort sei die Anschaffung von CD-Playern für den Sprachunterricht geplant.

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„Es fehlen aktuell zirka 40 bis 60
Tablets für die individuelle Sprachförderung.“

Ulrich Krause
Berufsschule Pinneberg
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Krause kritisiert in seiner Stellungnahme an die Politik zudem die fehlenden Kapazitäten bei der Schulsozialarbeit. „Die neu zur Verfügung gestellten personellen Ressourcen der Schulsozialarbeit werden noch im März ausgeschrieben“, verspricht indes Andrea Pinzek, stellvertretende Fachdienstleitung Jugend und Bildung bei der Pinneberger Kreisverwaltung.

Zur Kritik der Schulen an langen und oft umfangreichen Anfahrtswegen sowie der Betreuung der jugendlichen Flüchtlinge, teilte Pinzek dem Ausschuss mit: „Beide Aspekte obliegen der Verantwortung der jeweils aufnehmenden Kommune.“

Die stellvertretende Fachdienstleitung bei der Kreisverwaltung bilanzierte abschließend: „Beiden Stellungnahmen ist die besondere Belastung der Schulen zu entnehmen, die jedoch im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten derzeit noch umfassend bewältigt werden.“

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