70 Jahre Auschwitz-Befreiung : Erstmals im Kreis Pinneberg: Zentrale Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus in Elmshorn

Am Dienstag, 27. Januar, wird ab 18 Uhr im Saalbau der Freien Waldorfschule Elmshorn den Opfern und Verfolgten des Nationalsozialismus gedacht. Es ist das erste Mal, dass das Land Schleswig-Holstein die zentrale Gedenkveranstaltung im Kreis Pinneberg ausrichtet.
Foto:
Am Dienstag, 27. Januar, wird ab 18 Uhr im Saalbau der Freien Waldorfschule Elmshorn den Opfern und Verfolgten des Nationalsozialismus gedacht. Es ist das erste Mal, dass das Land Schleswig-Holstein die zentrale Gedenkveranstaltung im Kreis Pinneberg ausrichtet.

Am Dienstag, 27. Januar, jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau zum 70. Mal. Seit 1996 ist dieser Tag der offizielle zum Gedenken der Opfer und Verfolgten des Nationalsozialismus.

shz.de von
23. Januar 2015, 14:00 Uhr

Elmshorn | In diesem Jahr lädt der Landtag Schleswig-Holstein erstmals zu einer zentralen Gedenkfeier nach Elmshorn ein. Bislang wurden die Gedenkfeiern in Kiel oder Rendsburg abgehalten.

Die öffentliche Abendveranstaltung beginnt um 18 Uhr im Saalbau der Freien Waldorfschule Elmshorn, Adenauerdamm 2. Der Eintritt ist frei. Aufgrund der begrenzten Anzahl von Sitzplätzen – 420 insgesamt – werden Eintrittskarten ausgegeben. Restkarten sind ab sofort bei der Theaterkasse des Stadttheaters, Königstraße 56, sowie bei Konzert und Event, Kirchenstraße 8, in Elmshorn erhältlich. Eine gesonderte Vormittagsveranstaltung, die um 10.30 Uhr beginnt, ist Schülern vorbehalten.

Während des zweistündigen Abendprogramms werden Reden und Ansprachen des Landtagspräsidenten Klaus Schlie, des Kreispräsidenten Burkhard Tiemann und des Elmshorner Bürgervorstehers Karl Holbach gehalten. Besonders emotional wird es, wenn die Zeitzeugin Liesa Reuther (Jahrgang 1927) von ihrem Schicksal im Konzentrationslager Bergen-Belsen berichtet. Das interreligiöse Gebet wird von Weihbischof Hans-Jochen Jaschke und dem Landesrabbiner Dov-Levy Barilay gesprochen.

Unter der Federführung der Elmshorner Chanson-Sängerin Anna Haentjens haben Schüler aus weiterführenden Schulen ein abwechslungsreiches Programm aus darstellendem Spiel, szenischem Vortrag sowie musikalischer Beiträge vorbereitet. So werden die Streicherklasse der Elsa-Brändström-Schule, Schüler der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule Elmshorn, der Leibniz-Privatschule, der Erich Kästner Gemeinschaftsschule Elmshorn sowie der Boje-C.-Steffen-Gemeinschaftsschule auftreten.

Die Organisatoren: Sängerin Anna Haentjens (v. l.), Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje, Barbara Paulsen von der Stadt Elmshorn, Landesbeauftragter Heiko Vosgerau und Rita Schliemann von der Stadt Elmshorn.  (Foto: pt)
Die Organisatoren: Sängerin Anna Haentjens (v. l.), Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje, Barbara Paulsen von der Stadt Elmshorn, Landesbeauftragter Heiko Vosgerau und Rita Schliemann von der Stadt Elmshorn. (Foto: pt)
 

Die Gedenkfeier klingt mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Von guten Mächten treu geborgen“ von Dietrich Bonhoeffer aus. Moderiert wird die Gedenkfeier von den Schülern Johanna Schmieding und Lukas Huckfeldt. Bereits in den vergangenen Jahren gestalteten Schüler Elmshorner Schulen zusammen mit der Stadt Elmshorn und Mitgliedern der Arbeitsgruppe „Stolpersteine für Elmshorn“ die Feiern für diesen Gedenktag.

„Bei uns wird in diesem Bereich seit Jahren hervorragende Arbeit geleistet. Ich habe diese Feiern immer als besonders bewegend empfunden, insbesondere, wenn am Schluss der Veranstaltung alle zusammen singen“, sagt Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje. Er schickte vor zwei Jahren eine CD, auf der die städtische Gedenkfeier zu sehen war, sowie einen Bewerbungsbrief nach Kiel. „Wir wollten uns von den sehr getragenen Feiern lösen und künftig an verschiedenen Orten im Land feiern“, sagte Heiko Vosgerau, Landesbeauftragter für politische Bildung Schleswig-Holstein. Da kam die Berwerbung aus Elmshorn genau zur richtigen Zeit.

Der Ablauf

  • Musik der Streicherklasse der Elsa-Brändström-Schule Elmshorn
  • Landtagspräsident Klaus Schlie spricht
  • Musik des Orchesters der Bismarckschule Elmshorn
  • Zeitzeugin Liesa Ruether spricht
  • Gemeinsame Schülervorführung der Bismarckschule, der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule, der Leibniz Privatschule, der Boje-C.-Steffen-Gemeinschaftsschule und der Erich Kästner Gemeinschaftsschule Elmshorn
  • Interreligiöses Gebet des Weihbischofs  Hans-Jochen Jaschke und des Landesrabbiners Dov-Levy Barsilay
  • Musik der Rockband der Erich Kästner Gemeinschaftsschule
  • Kreispräsident Burkhard Tiemann spricht
  • Elmshorns Bürgervorsteher Karl Holbach spricht
  • Gemeinsames Abschlusslied: „Von guten Mächten treu und still umgeben“ des Theologen Dietrich Bonhoeffer
Der Begriff Holocaust ist abgeleitet vom griechischen Wort „holokaustos“ für „völlig verbrannt“. Die Schätzungen zur Zahl der ermordeten Juden reichen von mindestens 5,1 Millionen bis zu mehr als 6 Millionen. Den Nazis fielen auch Hunderttausende Sinti und Roma zum Opfer sowie Zehntausende Behinderte, Homosexuelle und Regimegegner. Der groß angelegte Judenmord begann mit Erschießungen Tausender Menschen durch SS und Polizei nach dem Überfall auf Polen 1939. Um mehr Menschen möglichst schnell töten zu können, bauten deutsche Besatzer in Polen große Vernichtungslager mit Gaskammern. Am 27. April 1940 befahl Reichsführer-SS Heinrich Himmler auch in Auschwitz ein Lager zu bauen. Allein in Auschwitz-Birkenau wurden mehr als 1,1 Millionen Menschen ermordet, 90 Prozent davon Juden. Am 27. Januar 1945 befreite die Roten Armee dort etwa 7000 überlebende Gefangene. Seit 1996 wird an dem Tag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.
zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen