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Drei von 709 im neuen Bundestag : Erste Eindrücke aus dem Mammut-Parlament

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Abgeordneten des Kreises Pinneberg berichten über ihre ersten Eindrücke im Mammut-Parlament.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Berlin | So voll wie gestern bei der konstituierenden Sitzung war es noch nie im Bundestag. Und mitten im Getümmel der vielen Abgeordneten drei Politiker, die den Kreis Pinneberg vertreten: Michael von Abercron (CDU), Ernst Dieter Rossmann (SPD) und Cornelia Möhring (Linke).

„Es war schon spannend“, sagte Abercron, der erstmals ins Bundesparlament gewählt worden war. Insgesamt ergatterten bei der Wahl im September 709 Politiker ein Bundestagsmandat. „Verglichen mit dem Landtag ist das schon recht anonym“, stellte Abercron fest, der für eine Legislaturperiode im Kieler Parlament gesessen hatte. Alle anderen Abgeordneten kennenzulernen sei kaum möglich, hätten ihm Fraktionskollegen gesagt. Höhepunkt der ersten Bundestagssitzung war die Wahl des Christdemokraten Wolfgang Schäuble zum Bundestagspräsidenten. Klar, dass Abercron für seinen Parteifreund gestimmt hat.

Michael von Abercron.

Michael von Abercron.

 

Ärgerlich findet der CDU-Politiker, dass aufgrund der Hängepartie in Sachen Regierungsbildung die Ausschüsse noch nicht besetzt sind: „Schade, aber nicht zu ändern.“ Der Agrarwissenschaftler rechnet damit, im Agrarausschuss eingesetzt zu werden.

Die Voraussetzungen, um nach Verteilung der Aufgaben durchstarten zu können, hat er bereits geschaffen: Von seinem Vorgänger, dem langjährigen CDU-Bundestagsabgeordneten des Kreises Pinneberg, Ole Schröder, hat er Büro und Mitarbeiter übernommen. Und auch ein Hotelleben bleibt ihm erspart. Er hat die Wohnung einer ausgeschiedenen CSU-Abgeordneten gemietet.

Cornelia Möhring.

Cornelia Möhring.

 

Trotz der Vielzahl von Abgeordneten hat Abercron seinen sozialdemokratischen Kollegen aus dem Kreis Pinneberg, Ernst Dieter Rossmann, begrüßen können. „Wir hatten einen angenehmen Wahlkampf“, findet Abercron. Auch für Rossmann war es selbstverständlich, „dass man sich mit Kollegen aus der gleichen Region austauscht“.

Ausruhen war nach der konstituierenden Sitzung gestern für Abercron nicht angesagt. Auf dem Programm standen ein Empfang des neuen Bundestagspräsidenten und Gespräche mit Verbandsvertretern.

Beim Schäuble-Empfang war natürlich auch Rossmann. Und obwohl es bereits sein sechste konstituierende Bundestagssitzung war, empfand er sie keineswegs als Routine: „Das ist so etwas nie. Es ist immer noch eine Ehre und eine Herausforderung, Vertreter von mehr als 300.000 Menschen des Wahlkreises zu sein.“ Schließlich sei der Bundestag „die Herzkammer der Demokratie“. Außerdem fand der Sozialdemokrat es spannend, zu sehen, mit welchen Kollegen er künftig zusammenarbeiten wird. Ob er für Schäuble gestimmt hat, wollte er nicht sagen. „Bei Aussagen über mein Wahlverhalten bleibe ich diskret.“ Die Ungeduld Abercrons, der bedauert, dass es noch keine Ausschussverteilung gibt, kann der erfahrene Parlamentarier nachvollziehen. Das sei ihm 1998 ähnlich ergangen. „Diesen Übergang gibt es aber häufig. Diese zwei bis drei Monate muss sich ein Parlament nehmen, bis sich eine Regierung gebildet hat.“

Der SPD-Bildungsexperte würde sich gern auch künftig in den Bereichen Bildung, Forschung und Wissenschaft einbringen. „Ich möchte aber auch ein Auge auf alles haben, was mit dem Kreis Pinneberg und Schleswig-Holstein zu tun hat.“ In der Kulturpolitik möchte er sich ebenfalls engagieren. Allerdings sei noch nicht sicher, ob bei 153 SPD-Abgeordneten überhaupt die Notwendigkeit bestehe, das jeder Abgeordnete in zwei Ausschüssen sitzen werde.

Cornelia Möhring.
Ernst Dieter Rossmann. Foto: Christian Brameshuber

Rossmann hofft, dass auch die künftige Regierungskoalition die Allianz für Meeresforschung, für die er sich eingesetzt hat, weiter voranbringt. Auch wenn er dem christdemokratischen Bundestagsneuling Abercron eine gehörige Portion Erfahrung voraus hat, lässt die große Abgeordnetenzahl auch Rossmann nicht kalt: „Das ist schon beeindruckend.“

Während sich Abercron gestern mit Verbandsvertretern traf, hatte Rossmann zu Hause zu tun. „Es hat sich im Laufe der Zeit sehr viel Papier angesammelt. Da muss ich mal dringend ausmisten.“

Auch Cornelia Möhring war „erschlagen von den vielen neuen Stühlen im Bundestag“. Bei all den Neuankömmlingen war sie froh, doch viele bekannte Gesichter getroffen zu haben: „Es hat sich gleich eine kleine Schleswig-Holstein-Gruppe gefunden.“

Die Atmosphäre in Berlin habe sich verändert. „Nicht gerade zum Positiven“, wie Möhring anmerkt. „Es wird sicherlich nicht mehr so kollegial zugehen. Gerade bei der AfD ist es ja kein Geheimnis, dass einige Nazis dabei sind, mit denen ich persönlich nicht zusammenarbeiten möchte“, fügt sie an. Trotzdem müsse man „demokratisch bleiben“. Mit der Wahl Schäubles ist sie im Grunde zufrieden. Möhring kann sich vorstellen, „dass er ein moderater, aber strenger Bundestagspräsident sein wird“.

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