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100 Tagen im Amt : Erste Bilanz des neuen Kommandeurs der Unteroffizierschule

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Kommandeur will modernes Bild der Bundeswehr vermitteln. Der traditionelle Salvatorabend bleibt aber bestehen. Außerdem soll es 2016 einen Tag der offenen Tür geben.

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2015 | 10:00 Uhr

Appen | Etwas mehr als 100 Tage ist Oberst Markus Kurczyk als neuer Kommandeur der Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen im Amt. In der Marseille-Kaserne zog er gestern seine 100-Tage-Bilanz. Eine seiner Hauptaufgaben sieht der Oberst darin, die Bundeswehr als modernen Arbeitgeber zu präsentieren, der mit Unternehmen aus der privaten Wirtschaft konkurrieren kann. Außerdem wirbt er für ein neues Rollenverständnis der Soldaten.

Kurczyk zeigte sich von der Unteroffizierschule positiv überrascht: „Die Schule selbst kannte ich vorher nicht. Als Luftwaffenoffizier kannte ich nur die Ergebnisse der Ausbildung. Ich bin von der Professionalität beeindruckt.“ Positiv sei auch, dass der Standort Modellkaserne für eine neue Unterbringungsform ist. Die Stuben werden mit Flachbildfernsehern, Kühlschränken, Spiegeln und neuer Beleuchtung ausgestattet. In Zukunft sollen auch Einzelbelegungen der Stuben möglich sein. „Die Verteidigungsministerin ist für solche Projekte belächelt worden. Aber das Wohnumfeld spielt für die Soldaten eine wichtige Rolle. Wollen wir guten Nachwuchs für die Bundeswehr, müssen wir daran arbeiten“, sagte Kurczyk.

Doch nicht alles in der Unteroffizierschule läuft nach Einschätzung des Kommandeurs rund. „Ich will vermitteln, das die Standorte Appen und Heide eine Einheit sind. Da fehlt es noch an Bewusstsein“, sagte Kurczyk. Er wolle mehr Flexibilität. „Das Stammpersonal wird auch mal für einige Wochen den Standort wechseln müssen“, so der Oberst. Kurczyk wirbt auch für ein neues Rollenbild der Soldaten. „Ich werde Themen wie Mobbing und Alkoholkonsum ansprechen. Darüber wird viel zu wenig geredet.“ Er wolle zudem deutlich machen, dass auch Homosexuelle einen gleichberechtigten Platz in der Bundeswehr haben. Zudem wolle er das Verhalten im Straßenverkehr thematisieren. „Wir haben immer wieder Tote im Verkehr zu beklagen. Mit Rücksichtslosigkeit wird nicht nur das eigene Leben, sondern auch das anderer gefährdet.“

Kurczyk ermuntert die Armeeangehörigen, außerhalb der Kaserne selbstbewusster als Soldat aufzutreten – sich also in Uniform zu zeigen. „Ich bin in meiner Laufbahn deswegen noch nie angegangen worden und habe eher positive Erfahrungen gemacht“, sagte Kurczyk. In der Außendarstellung der Bundeswehr gebe es einiges zu tun. „Wir ermöglichen Ausbildungen etwa in kaufmännischen und technischen Berufen. Mit Lagerfeuerromantik und Biwak hat das nichts zu tun. Und das müssen wir auch deutlich machen.“

Für 2016 ist ein Tag der offenen Tür geplant, an dem die Aufgaben der Unteroffizierschule präsentiert werden sollen. Außerdem wird es im kommenden Jahr eine Veranstaltungs- und Ausstellungsreihe unter dem Arbeitstitel „Gegengewalt“ geben. Darin geht es nicht nur um Gewalterfahrungen wie Mobbing sondern auch um staatsrechtliche Konzepte wie das Gewaltmonopol und die Gewaltenteilung. „Wir wollen zeigen, dass sich die Bundeswehr auch kritisch mit sich selbst beschäftigt“, sagte Kurczyk.

Überall Veränderungen

Doch nicht nur das Image, sondern auch die Ausbildung werde sich ändern. „Ich muss jemanden, der zum Bordpersonal der Flugbereitschaft gehören soll, nicht in einer Grundausbildung auf lange Märsche schicken.“ Wichtig sei zudem, dass die Armee für Frauen interessanter werde. Wann es in Appen die erste Kommandeurin gibt? „Noch fehlt uns der weibliche Führungsnachwuchs. Zehn Jahre dauert es wohl noch.“

Ein großes Thema ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – auch für Männer. „Die Rollenbilder haben sich geändert. Auch Väter gehen zum Elternabend und wollen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Die Bundeswehr sollte den Soldaten die Perspektive geben, mehrere Jahre an einem Standort bleiben zu können“, sagte Kurczyk. Darüber hinaus müsse die Armee das bieten, was private Unternehmen böten: flexible Arbeitszeitmodelle, Hilfe bei der Kinderbetreuung, attraktive Karriereziele. „Das ist oft wichtiger als ein paar Euro mehr Sold.“

Den traditionellen Salvatorabend in der Marseille-Kaserne soll es auch in Zukunft geben. Nur der legendäre Bruder Barnabas, eine Rolle, in die Kurczyks Vorgänger Klaus Christian Kuhle gern schlüpfte, ist Geschichte. Kurczyk macht es spannend: „Ich weiß, die Erwartungen sind hoch. Lassen Sie sich überraschen, was der Salvatorabend in Zukunft zu bieten hat.“

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