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Pinneberger Tageblatt

19. November 2017 | 22:54 Uhr

„Erst denken, dann klicken“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Aufklärung Infoveranstaltung des Kriminalpräventiven Rats Pinneberg / 2105 Fälle in Schleswig-Holstein erfasst

Die Schadsoftware „WannaCry“ legte am Wochenende Hunderttausende Computer in 150 Ländern lahm. In Großbritannien kämpften Krankenhäuser mit gesperrten PCs. In Deutschland fielen die Anzeigetafeln der Deutschen Bahn aus. Betroffen waren auch die Deutsche Bahn, der Automobilkonzern Renault, der Telefon-Riese Telefónica und das russische Innenministerium.

Auf dem Bildschirm infizierter Rechner erschien die Aufforderung, innerhalb von drei Tagen pro Rechner 300      Dollar (275 Euro) in der Internet-Währung Bitcoin zu überweisen. Sollte binnen sieben Tagen keine Zahlung eingehen, würden die Daten auf den gekaperten PCs gelöscht.

„Das ist einer der aktuellsten Fälle von Cyber Kriminalität“, sagte Hauptkommissar Jörg Mangelmann bei der Infoveranstaltung des Kriminalpräventiven Rats Pinneberg (KPR) „Gefahren im Internet – und wie Sie sich dagegen schützen können“. „Die nächste Angriffswelle steht uns bestimmt bevor und die wird dann vermutlich auch verstärkt Privatpersonen treffen“, warnte Mangelmann.

2105 Fälle von Cyber Kriminalität wurden 2016 bei der Polizei Schleswig-Holstein erfasst – ein Jahr zuvor waren es noch 1315. „Die Dunkelziffer ist sehr, sehr hoch. Es ist ein weltweit florierendes Millionengeschäft“, sagte der Hauptkommissar. Das Kapern des Rechners und die Forderung nach einem virtuellen Lösegeld erfülle den Straftatbestand der Erpressung.

„Lassen Sie sich nicht auf Forderungen ein“, gab Mangelmann den etwa 20 Zuhörern mit auf den Weg. „Wenn Sie den Computer nicht selbst entsperren können, gehen Sie zu einem Fachmann“, sagte Mangelmann und scherzte: „Oder schmeißen Sie den PC weg und kaufen Sie einen neuen.“

Viren, Computerwürmer und Trojaner seien Gefahren, die Computer bedrohen. Doch jeder könne auch selbst in Fallen tappen. „Es gibt Gefahren, die von Außen ins Wohnzimmer kommen, aber auch Gefahren, denen man sich selbst aussetzt“, sagte Pinnebergs Stadtjugendpfleger Raimund Bohmann, der die Veranstaltung moderierte. Vor allem beim Einkaufen oder beim Umgang mit privaten Daten sei Vorsicht geboten. „Wenn man sich an den Grundsatz ,Erst denken, dann klicken‘ hält, kommt man schon weiter“, sagte Mangelmann. Beim Einkaufen sollte man auf sichere und etablierte Shops setzen und keine Vorkasse leisten.

„Wenn eine Designertasche für 50 Euro angeboten wird, muss man sich klar sein, dass an dem Angebot etwas nicht stimmen kann oder es eine Fälschung ist“, sagte Mangelmann. Wer auf einen Betrug hereinfalle, sollte ein Bild der Webseite oder E-Mail machen, den Link speichern und vor allem auch die Zahlung rückgängig machen. „Stellen Sie Strafanzeige bei der Polizei. Es dreht sich nicht um eine Lappalie, sondern um Ihr Geld.“ Der Polizei würden die Anzeigen helfen, Muster zu erkennen, Schwerpunkte zu ermitteln, so Mangelmann: „Vielleicht auch noch mehr Mitarbeiter für die Bekämpfung der Cyber-Kriminalität erhalten.“

„Das Thema Cyber-Kriminalität endet nicht an deutschen Grenzen“, sagte Kreisjugendschützer Jörn Folster, der vor allem auf die unbewussten Gefahren wie illegale Downloads oder Kostenfallen einging. „Im Internet ist fast alles möglich, aber nicht alles erlaubt“, so Folster. „Ohne Frage, das Internet ist Zukunft, Wohlstand, Unterhaltung und Anregung. Allerdings birgt es auch Gefahren. Das ist allgemein bekannt. Was nicht so recht bekannt ist, wo diese Gefahren genau lauern und wie man ihnen entgehen kann“, sagte Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg, Vorsitzende des KPR.

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