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„Seit 2013 Dilettanten am Werk“ : Ernüchternde Analyse zum Stand der Schulbausanierung

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Projektsteuerungs- und Immobilienberatung stellt Pinneberg ein verheerendes Zeugnis aus.

shz.de von
erstellt am 16.Jun.2017 | 12:00 Uhr

Pinneberg | „Sie sollten es auf keinen Fall so weiterlaufen lassen. Dann werden die Probleme immer größer“, gab Hanno Hafkemeyer, Geschäftsführer der Projektsteuerungs- und Immobilienberatung sh+, als Rat am Ende seines Vortrags. In der gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Schule sowie Umwelt, Naturschutz und Kleingartenwesen stellte er ein Arbeitspapier vor, in dem sein Unternehmen die Probleme der Schulsanierung anhand der laufenden Projekte an der Johann-Comenius-Schule, der Theodor-Heuss-Schule und der Grund- und Gemeinschaftsschule (GuGs) im Quellental analysiert hatte. Dabei wurden die Transparenz, Verfügbarkeit von Daten und Dokumenten sowie Abläufe und Vorgaben analysiert.

Intransparente Kostensteuerung, fehlende Ziele und Zeitvorgaben, kein stringentes Berichtswesen, keine Planungs- und Kostenfreigabe. Die Liste der Kritikpunkte war lang. „Gleiche Projekte werden in zahlreiche Kleinstmaßnahmen aufgeteilt. Da ist kein roter Faden zu erkennen“, stellte Hafkemeyer fest. Die Kostenobergrenzen seien bisher nicht festgelegt worden und beim aktuellen Berichtswesen auch nicht nachvollziehbar. „Es ist für die Stadt als Auftraggeber schwer zu kontrollieren, wo ein Projekt steht“, sagte Hafkemeyer.

Mittels der TDD-Methode (Technical Due Dilligence) sollen die elf Pinneberger Schulen analysiert werden. Ingenieure und Architekten sollen den Bestand bei einem Quickcheck erfassen und Interviews mit den Schulleitern führen. „Dann kann man entscheiden, wo überhaupt die Prioritäten liegen“, sagte Hafkemeyer. Zudem riet er dazu, die Separierung in Kleinstmaßnahmen zu stoppen und möglicherweise einen Generalplaner beim KSP oder der Stadt zu installieren. „Die Separierung bedeutet einen deutlich höheren Personalaufwand. Es wird weder schneller, noch besser, noch preiswerter“, so Hafkemeyer. Vorhandene Daten sollen zentral verwaltet werden und auch entsprechend zugängig sein, um Projektentwicklungen zu erfassen. Zudem sollen gleiche Methoden für die Umsetzung von Projekten installiert werden, die bei der Gestaltung von Verträgen beginnt und beim einheitlichen Berichtswesen endet. Es müsse ein Personalkonzept für die Stadt und den Kommunalen Servicebetrieb Pinneberg (KSP) entwickelt werden. „Das sind Handlungsempfehlungen, die sinnvoll wären und anzuwenden sind. Ob Sie es tun, entscheiden Sie selbst. Der Status quo reicht aber nicht aus. Sie müssen als Bauherr Steuermann sein“, sagte Hafkemeyer. „Es fehlt an Aspekten, die für Bauherren vor allem interessant sind: Kostenkontrolle und ein Zeitplan.“

Torsten Hauwetter (CDU) sprach das Wort, was getuschelt wurde, als Erstes aus: „Sie sagen, es herrscht Chaos?“ Hafkemeyer blieb eine klare Antwort schuldig: „Das müssen Sie selbst beurteilen.“ Viele Politiker fühlten sich durch die Analyse bestätigt. „Das ist nur eine Bestätigung dessen, was wir in den letzten zwei, drei Jahren gehört haben“, sagte Joachim Dreher, Vorsitzender der Fraktion Grüne & Unabhängige. „Der Schulentwicklungsplan ist immer angemahnt worden. Er fehlt bis heute“, kritisierte Gerhard Bode (CDU), Vorsitzender des Schulausschusses.

„Ich bin entsetzt. Wir haben uns um die Detailausgestaltung nicht gekümmert. Ich dachte immer, es geht voran“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Andreas Meyer. „Uns ist von der Verwaltung immer vermittelt worden, dass alles läuft. Ich bin geläutert, wenn ich das höre“, sagte Kai Vogel (SPD). Dreher hinterfragte zudem, ob das Personal da sei, um ein gutes Projektmanagement durchzuführen: „Ich habe da meine Zweifel.“ Piotr Schulsinger (SPD) wurde deutlicher: „Seit 2013 waren Dilettanten am Werk.“

Bürgermeisterin Urte Steinberg will die Sommerpause nutzen, um die strukturellen Probleme und die Herangehensweise an Projekte zu analysieren: „Wir fahren quasi dreigleisig.“ Denn bereits begonnene Baumaßnahmen sollen fortgesetzt werden. Im Herbst sollen Haushalts- und Personalstrategien vorliegen. „Wir haben die Gelder für den Schulbau. Das ist nicht unser Problem. Unser Problem ist die Struktur und daraus resultierend das Personal“, sagte Steinberg.

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