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Öffentliche Facebook-Veranstaltung : Ermittlungen nach Flashmob-Party „Eskalation Halstenbek“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Eine Facebook-Party endet in einer Massenschlägerei. Die Polizei ermittelt gegen den Organisator.

shz.de von
erstellt am 02.Jun.2016 | 10:26 Uhr

Halstenbek | Hat ein Jugendlicher bewusst oder fahrlässig eine Facebook-Veranstaltung erstellt, die in einer Eskalation endete? Ob der polizeilich bekannte Organisator der eskalierten Veranstaltung Gewalt als Ziel hatte, wird noch geprüft. „Wenn jemand zu einer Flashmob-Party mit dem Motto ,Eskalation Halstenbek’ einlädt, ist das Ziel denkbar“, sagte Polizeisprecherin Silke Westphal gestern. Die Beamten hätten den Veranstalter kontaktiert, woraufhin das Event aus dem Netzwerk verschwand, doch wenig später wieder aufgetaucht sei. „Es ist davon auszugehen, dass die Veranstaltung öffentlich geplant war“, führt Westphal fort. Viel mehr könne sie jedoch nicht sagen, die Polizei stecke mitten in den Ermittlungen.

Durch öffentliche Events kam es in der Vergangenheit zu unkontrollierten „Flashmob-Partys“ ohne, dass sich die Verantwortlichen darüber bewusst waren. In diesem Fall könnte die Eskalation bewusst herbeigeführt worden sein.

Am vergangenen Freitag waren etwa 250 Jugendliche einer öffentlichen Veranstaltung bei Facebook gefolgt, um in Halstenbek zu feiern – doch der Abend endete in einer Massenschlägerei. Nachdem eine bewaffnete Gruppe beim Regenrückhaltebecken aufgetaucht war und 50 bis 70 zum Teil sehr stark alkoholisierte Personen in eine Schlägerei verwickelt wurden, lösten 40 Polizeibeamte mit drei Polizeihunden die Veranstaltung auf. Was genau der Auslöser für den Vorfall war, bleibt ungewiss. Nur von 20 Beteiligten seien die Personalien bekannt. „Ich kann mich an keinen derartigen Fall im Kreis Pinneberg erinnern“, so Westphal.

„Der Vorfall zeigt auf, wie Social Media auch für negative Vorhaben genutzt werden kann. Der Jugendschutz steht hier vor besonderen Herausforderungen“, kommentierte Kreissprecher Oliver Carstens gestern den Vorfall auf Anfrage. „Das digitale Zeitalter ermöglicht dermaßen schnelle und direkte Kommunikation, dass ein aktives Verhindern solcher Vorfälle sehr schwierig ist“, so Carstens. Erst vergangene Woche hatte es zur Medienkompetenzförderung eine Fachveranstaltung im Kreishaus gegeben.


Facebook ignoriert das Problem

Ein Kommentar von Tanja Plock

Einen Haken nicht beachtet – und schon war es passiert: Aus einer kleinen Party wurde ein Massenauflauf mit Schlägereien, einem großen Polizeiaufgebot und einem immensen Schaden. Die Fälle, bei denen Facebook-Nutzer ihre Privatfeier aus Versehen als „öffentlich“ deklariert hatten, gingen bundesweit durch die Medien.

Noch ist nicht komplett geklärt, ob der Täter in dem Halstenbeker Fall vorsätzlich gehandelt hat, oder ob ihm ein folgenschwerer Fehler unterlaufen ist. Sollte Letzteres der Fall sein, ist es zu einfach, ihn allein dafür verantwortlich zu machen. Natürlich sollte sich jeder, der dieses Tool nutzt, darüber Gedanken machen, wer seine Einladung lesen kann. Allerdings zieht sich die Plattform Facebook aus der Verantwortung. Die Option „öffentlich“ muss durch Löschen eines Häkchens erfolgen. Das Problem ist bekannt, wird aber seit Jahren ignoriert. Dabei wäre es ein Leichtes, dieses zu beheben. Sinnvoll wäre auch ein Warnhinweis, um vor den Folgen dieses Häkchens zu warnen. Facebook: Dafür gibt es kein „Like“.

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