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Pinneberger Tageblatt

18. Dezember 2017 | 02:42 Uhr

Ermittler ohne heiße Spur

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Nach Attacken auf Grünenbüro und Synagoge in Pinneberg fehlen der Polizei weiter konkrete Hinweise auf die Täter

shz.de von
erstellt am 22.Jan.2014 | 16:00 Uhr

Nach den Anschlägen auf die Kreisgeschäftsstelle der Grünen im vergangenen Juli und auf die Pinneberger Synagoge im November gibt es noch keine gesicherten Informationen zu Tätern und Motiven.

Unbekannte hatten im Juli bei den Grünen eine Scheibe eingeschlagen, die Tür beschädigt, von außen gegen die Geschäftsstelle uriniert und Fisch in den Briefkasten geworfen. Die Partei war davon ausgegangen, dass Rechtsradikale für den Anschlag verantwortlich sind. Im Fenster der Geschäftsstelle hing damals ein Wahlplakat mit dem Spruch „Gib Nazis keine Chance“.

Peter Müller-Rakow, Sprecher der für den Fall zuständigen Staatsanwaltschaft Itzehoe, sagte gestern auf Anfrage: „Das Verfahren läuft noch. Die Ergebnisse der kriminaltechnischen Untersuchung liegen in Kürze vor.“ Weitere Angaben machte der Staatsanwalt nicht.

Die Polizei hatte erst Tage nach der Tat nach DNA-Spuren gesucht und war dafür in die Kritik geraten. „Der Tatort war vorher für die Reinigung freigegeben worden. Es hieß seitens der Polizei erst, aus Urin ließen sich keine DNA-Spuren gewinnen. Als die Kripo dann doch anrückte, war es doch sicher schon zu spät“, sagte Resy de Ruijsscher, Kreisvorsitzende der Grünen.

Weil auch die Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms ihr Wahlkreisbüro am Damm 48 in Pinneberg hat, schaltete sie die Polizei des Bundestags ein. Die Ermittler gehören zur Bundestagsverwaltung und sind nicht von den Landespolizeien oder der Bundespolizei abhängig.

„Die Auskünfte waren verwirrend und widersprüchlich“, sagte Wilms auf Anfrage zu Informationen, die sie von Ermittlern bekommen habe. Sie habe sich mehrfach über den Stand der Dinge informiert. Die Bundestagspolizei gehe bisher nicht von einer politisch motivierten Tat aus. Im Kreis Pinneberg gebe es laut Bundestagspolizei keine bekannte rechtsextreme Szene. „Darüber war man in Itzehoe zumindest erstaunt. Die Einschätzung aus Berlin zur rechten Szene im Kreis wurde klar zurückgewiesen“, sagte Wilms. Von der Bundestagspolizei war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu bekommen. Für Wilms ist der Fall jedoch klar. Bereits im vergangenen Sommer war die Politikerin von Rechtsextremismus ausgegangen. „Die Tat war für mich recht eindeutig. Das war gezielt und geplant. Aber weitere Hinweise von Zeugen habe ich leider nicht bekommen.“ Während sie nach der Tat die Arbeit der Polizei deutlich kritisierte, war sie nun um versöhnlichere Töne bemüht: „Ich möchte niemandem einen Vorwurf machen und gehe davon aus, dass die Ermittlungen hier vor Ort gewissenhaft erfolgen.“

Auch zu den Untersuchungen nach dem Anschlag auf die Pinneberger Synagoge gibt es von der Staatsanwaltschaft bisher keine neuen Informationen zu Tätern und Motiven. Wolfgang Seibert, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Pinneberg, sagte: „Wir haben da auch keine neuen Zeugenhinweise bekommen. Ich weiß nur, dass die Polizei die Nachbarn hier befragt hat.“ Unbekannte hatten in der Nacht auf den 10. November, den Jahrestag der Reichspogromnacht, eine Scheibe der Synagoge beschädigt.

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