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Streit um fehlende Baugenehmigung : Erleichterung auf Föhr - der Abriss ist vorerst gestoppt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Im Streit um die fehlende Baugenehmigung eines 80 Jahre alten Hauses aus Föhr ist die Entscheidung, ob es abgerissen wird, vorerst vertagt. Jetzt sollen alle Parteien an einen Tisch gebracht werden.

Föhr | Der Abriss ist gestoppt. Zumindest vorerst rollen keine Bagger im beschaulichen Nieblum auf der Nordseeinsel Föhr. Im sprichwörtlich letzten Moment hat der Petitionsausschuss des Landes Schleswig-Holstein am Dienstagmittag sein Votum über den Abriss des Hauses der Familie Masurat am Nieblumer Strand abgegeben: So lange Astrid (68) und Horst Masurat (75) leben, soll ihr Häuschen stehen bleiben, und sie dürfen es nutzen. Die Entscheidung des Kieler Gremiums stellt allerdings noch keinen endgültigen Abschluss des seit Jahren schwelenden Streits um das Gebäude dar. Vielmehr geht der Vorgang zurück an die untere Bauaufsicht und damit hätte Landrat Dieter Harrsen das letzte Wort in der Angelegenheit. Wann dies sein wird, ist zunächst ungewiss.

Im Jahr 2003 hatten die Masurats das Haus gekauft, vorher gehörte das Gebäude Jahrzehnte lang zu einem Campingplatz. Nachdem die Borstel-Hohenradener im Jahr 2008 nicht an die Eilun Verwaltungsgesellschaft mbh verkaufen wollten, habe das Paar Post vom Bauamt mit der Abrissverfügung bekommen, so der Schwiegersohn des Ehepaars Masurat, Harm Kähler.

Unterdessen zeigten sich die Föhrer am heutigen Dienstag solidarisch mit Astrid und Horst Masurat aus Borstel-Hohenraden (Kreis Pinneberg), die derzeit ihren schlimmsten Albtraum durchleben. Ihr Haus auf Föhr, in dem sie ihren Lebensabend verbringen wollten, soll abgerissen werden – weil es für das 80 Jahre alte Gebäude keine Baugenehmigung gibt. Zahlreiche Insulaner und Nachbarn unterstützen die die Masurats mit Plakaten, parkten die Zufahrtswege zum Haus zu und drohten mit einem Aufstand im Falle eines Abrisses.

Was klingt wie ein schlechter Scherz, ist für Familie Masurat aber bitterer Ernst. Der Rechtsstreit zwischen der Familie und dem Bauamt des Kreises Nordfriesland wurde jahrelang vor den Gerichten ausgetragen. Als die Familie verlor, drohte der Abriss.

Sie kämpfen um ihre Existenz: Horst und Astrid Masurat.

Sie kämpfen um ihre Existenz: Horst und Astrid Masurat.

Foto: psz
 

Die Masurats kämpften jahrelang vor Gericht. Das Oberlandesgericht Schleswig urteilte letztlich: „Wer ein Wohnhaus im Außenbereich, in dem nicht privilegiertes Wohnen normalerweise nicht zulässig ist, erwirbt, ohne sich vorher bei der zuständigen Behörde zu vergewissern, ob das Haus und dessen Nutzung zum Wohnen genehmigt sind, handelt ‚auf eigene Gefahr‘.“ Er könne sich nicht darauf berufen, gutgläubig erhebliche Investitionen getätigt zu haben.

Bereits seit 80 Jahren steht das Gebäude dort in bester Lage am Strand. Jahrzehntelang wurde es als Verwaltungs- und Wohngebäude für einen Campingplatz genutzt. Eines Tages steht es zum Verkauf und das Ehepaar schlägt zu. Fünf Jahre später kommt Post vom Amt: Für dieses Gebäude gibt es keine Baugenehmigung. Das Bauamt des Kreises fordert den Abriss. Es folgt der jahrelange Rechtsstreit. Am Ende entscheidet das Oberverwaltungsgericht Schleswig: Das Haus muss weg – unter anderem weil es drei Meter zu nah am Nachbargrundstück steht und damit nicht genehmigungsfähig ist.

Unterstützung der Einheimischen für Familie Masurat.

Unterstützung der Einheimischen für Familie Masurat.

Foto: Der Insel-Boote
 

Astrid und Horst Masurat wissen nicht mehr weiter. Beide sind mit den Nerven am Ende. Die ganze Familie ist am heutigen Dienstag angereist, um das Schlimmste zu verhindern. Sie wollten den drohenden Abriss blockieren.

Astrid Masurat ist verzweifelt. Sie zittere innerlich, schlafe nicht mehr. „Ich könnte nur noch spucken“, sagt sie. „Das ist schon hammerhart. Meinen Mann und mich macht das fertig.“ Beim Kauf des Grundstücks hätten sie nie damit gerechnet, dass es keine Baugenehmigung gibt. „Die Leute haben hier immer gewohnt. Da kommt man doch nicht drauf, dass es keine Baugenehmigung gibt. Wir hoffen auf ein Wunder.“

Die Familie kämpft um ihr Haus: Frank (v. l.), Horst und Astrid Masurat mit Christina und Harm Kähler.
Die Familie kämpft um ihr Haus: Frank (v. l.), Horst und Astrid Masurat mit Christina und Harm Kähler. Foto: Schulze
 

Der damalige Makler habe beim Bauamt nachgefragt, ob Baulasten eingetragen sind. Nach der Baugenehmigung hätten sie nicht gefragt, so Schwiegersohn Kähler.

2008 sei ein Anwalt von Frederik Paulsen auf die Familie zugekommen und habe Grundstück und Haus kaufen wollen. Paulsen ist schwedisch-schweizerischer Unternehmer sowie Verwaltungsratspräsident des von seinem Vater Frederik Paulsen gegründeten Pharmaunternehmens Ferring. Kählers Schwiegereltern verneinten. Daraufhin hat der Anwalt laut Kähler gedroht: „Wir sind das gewohnt, dass wir immer alles bekommen, was wir wollen.“

Kurz danach sei Post gekommen vom Bauamt, dass die Baugenehmigung fehlt. Die Familie vermutet, dass Paulsen ihr Grundstück will und sie beim Bauamt angeschwärzt hat. Ihm, beziehungsweise der Eilun Verwaltungsgesellschaft mbH, gehören laut Kähler alle anderen Grundstücke um das Haus der Familie. Dieses fehle ihm noch. Der Anwalt habe Paulsen als seinen Auftraggeber genannt, so Kähler. Slopianka, Sprecher des Kreises Nordfriesland, bestätigte auf Anfrage von shz.de, dass der Tipp an das Bauamt tatsächlich von der Eilun Verwaltungsgesellschaft stamme.

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erstellt am 28.Jun.2016 | 09:45 Uhr

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