zur Navigation springen

25 Jahre Mauerfall : Erinnerungen an die Zeit der DDR

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Autor Karl-Heinz Richter spricht vor dem Kreislandfrauentag in Tangstedt über Folterverhöre der Stasi nach seiner missglückten Flucht.

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2014 | 14:00 Uhr

Tangstedt | Maren Klepper, Vorsitzende des Landfrauenvereins Quickborn, blickte in viele sehr nachdenkliche Gesichter, als sie vor dem Kreislandfrauentag das Mikrophon zum Schlusswort ergriff. Dafür hatte der Festvortrag gesorgt. Denn Autor Karl-Heinz Richter aus Berlin hatte den rund 150 Teilnehmern des Treffens im Tangstedter Gemeindezentrum gerade sein Martyrium in Stasigefängnissen geschildert.

„25 Jahre nach dem Mauerfall wollten wir etwas tun, damit die Wahrheit über die SED-Diktatur nicht in Vergessenheit gerät“, erläuterte die Kreisvorsitzende Maren Ahrens die Referentenwahl. Denn die Landfrauen konzentrieren sich schon lange nicht mehr auf Themen aus dem Landleben. „Ein paar Bauersfrauen gibt es in unseren Reihen wohl noch“, meinte die bisherige Schriftführerin des Kreisverbands, Angelika Hachmann, die an diesem Tag für ihren langjährigen Vorstandseinsatz geehrt wurde. Die Landfrauen vereinige inzwischen Frauen aus sämtlichen Berufsrichtungen und mit vielseitigen Interessen. Das spiegele sich auch in den Angeboten des Verbandes an seine Mitglieder. Politik spiele dabei eine wichtige Rolle. „Was wir tun, ist gelebte Vielfalt“, sagte die schleswig-Holsteinische Landespräsidentin des Verbands Marga Trede.

Den Aspekt bundesweiter Lobby-Arbeit der Landfrauen beleuchtete während der Versammlung die Kreisvorsitzende Ahrens in ihrem Jahresbericht. Zu den Erfolgen rechnete sie die Mütterrente und als noch unerfülltes Ziel nannte sie die Beseitigung des Lohngefälles zwischen Männern und Frauen. Daneben gab sie einen Rückblick auf die vielseitigen geselligen Veranstaltungen des Kreises.

Dann hatten Männer das Wort, zuerst Georg Kleinwort vom Kreisbauernverband, dann der Tangstedter Bürgermeister Detlef Goos und danach Richter, heute 68 Jahre alt, der als 17-jähriger Jugendlicher nach missglückter „Republikflucht“ Folterverhöre der Stasi, der DDR-Staatssicherheitspolizei, über sich ergehen lassen musste. Sehr prosaisch trug er die Erinnerungen an seinen Leidensweg vor. Dabei sorgte schon sein kräftiger Berliner Akzent dafür, dass Pathos keine Chance hatte. Gerade deshalb hatten die Etappen seiner Biografie eine so unmittelbare Wirkung auf die Zuhörer. Kern seiner Botschaft: Man habe Widerstand leisten können. Damals, wie auch schon früher, während der Nazidiktatur. Man könne immer für Recht und Gerechtigkeit aufstehen, aber viel zu wenige täten es. Erst das ermögliche die Herrschaft des Unrechts. Was ihm heute physische Schmerzen bereite, sei das Verdrängen der Schuld, etwa mit Schönfärberei, mit Sprüchen wie, „So schlecht war es in der DDR doch wirklich nicht“, beklagte Autor Richter. Denn, so seine Überzeugung, „das ist schon Nährboden für zukünftiges Unrecht“.

Vom 13. August 1961 bis zum 9. November 1989 hat die Berliner Mauer Deutschland geteilt. Familien auseinandergerissen. Freunde voneinander getrennt. Wirtschaftsbeziehungen unterbunden. Mehr als 28 Jahre riegelte sie die Deutsche Demokratische Republik ab. Wer versuchte, das Grenzbefestigungssystem zu durchbrechen, musste mit dem Tod durch Erschießen rechnen. Die Folge: Hunderte starben an der Berliner Mauer. Hunderte wurden beim Fluchtversuch gestellt und inhaftiert. Erst am Abend des 9. Novembers 1989 wurden die mehr als 16 Millionen deutschen DDR-Bürger freigelassen: Ihnen wurde die Ausreise in den Westen gestattet.
Anlässlich dieses Tags, der sich 2014 zum 25. Mal jährt, möchte diese Zeitung die Ära der Berliner Mauer mit den Erfahrungen der Leser dokumentieren. Dazu sind alle aufgerufen – auch Vereine, Verbände und Wirtschaftsunternehmen –, ihre Erinnerungen aufzuschreiben und der Redaktion zuzusenden.
Gesucht werden Geschichten, Fotos  sowie andere Dokumente, die das Leben der Menschen, die heute im Kreis Pinneberg leben, während der Teilung widerspiegeln. Diese senden Sie bitte per E-Mail mit dem Betreff „Mauerfall“ an redaktion@a-beig.de oder per Post an Pinneberger Tageblatt, Regionalredaktion/Gerrit Bastian Mathiesen, Damm 9-19, 25421 Pinneberg.
Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen